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Rundballen: Wie eine Erfindung die Futterernte veränderte

Heute gehören Rundballenpressen auf Grünland- und Futterbaubetrieben zum vertrauten Bild. Heu, Stroh und Silage lassen sich mit moderner Technik in wenigen Arbeitsschritten aufnehmen, schneiden, verdichten, binden und teilweise direkt wickeln. Vor gut 50 Jahren sah die Futterernte noch völlig anders aus. Der große Rundballen leitete Anfang der 1970er-Jahre einen tiefgreifenden Wandel ein – vor allem beim Arbeitskräftebedarf.

Den entscheidenden Schritt machte der US-amerikanische Hersteller Vermeer 1971 mit einer Presse für große Rundballen. Rundballen als solche waren zu diesem Zeitpunkt allerdings keine völlig neue Idee. Bereits Jahrzehnte zuvor gab es Maschinen für deutlich kleinere zylindrische Ballen. Neu war vor allem die Dimension: Große Ballen ermöglichten es, erhebliche Futtermengen mit Maschinen statt von Hand zu bewegen.

Kleine Hochdruckballen bedeuteten viel Handarbeit

Bis in die 1960er- und frühen 1970er-Jahre dominierten in vielen Regionen kleine rechteckige Heu- und Strohballen. Sie hatten einen entscheidenden Vorteil: Ein Mensch konnte sie aufnehmen, verladen und stapeln.

Genau darin lag zugleich das Problem. Jeder Ballen musste mehrfach bewegt werden. Nach dem Pressen folgten häufig das Aufladen auf Wagen, der Transport, das Abladen und die Einlagerung in Scheunen. Auch beim späteren Füttern war erneut Handarbeit erforderlich.

Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutete die Ernte deshalb einen hohen Personalbedarf. Familienmitglieder, Mitarbeiter und oft zusätzliche Erntehelfer mussten innerhalb kurzer Zeit verfügbar sein.

Mit steigenden Löhnen und dem Rückgang verfügbarer Arbeitskräfte wurde dieses Verfahren zunehmend zum Engpass.

Vermeer bringt 1971 den großen Rundballen aufs Feld

Aus diesem Problem entwickelte Gary Vermeer in Iowa ein neues Maschinenkonzept. Nach Angaben des Herstellers entstand die Idee, nachdem ein Rinderhalter erklärt hatte, wegen des hohen Arbeitsaufwands bei der Heuernte seine Tierhaltung aufgeben zu wollen.

Vermeer und sein Team konstruierten daraufhin eine Maschine, mit der ein einzelner Fahrer wesentlich größere Futtermengen bergen konnte. Bereits nach wenigen Wochen stand ein erster Prototyp.

1971 wurde die große Rundballenpresse öffentlich vorgeführt. Die ersten Maschinen formten Ballen mit rund 1,8 Metern Breite und mehr als zwei Metern Durchmesser. Damit waren sie um ein Vielfaches größer als die damals üblichen Kleinballen.

Die American Society of Agricultural and Biological Engineers bewertet die Vermeer-Presse heute als technischen Meilenstein. Ein wesentlicher Grund dafür war der geringere Arbeitskräftebedarf: Pressen, Transportieren und Füttern ließen sich zunehmend mechanisieren.

Der Traktor ersetzt Muskelkraft beim Ballenhandling

Große Rundballen konnten nicht mehr von Hand bewegt werden. Dadurch entstand gleichzeitig Bedarf an anderer Technik.

Frontlader, Ballenzangen, Ballenspieße und entsprechende Transportgeräte wurden zu wichtigen Bestandteilen der Futterernte. Der Ballen wanderte damit vom handhabbaren Einzelstück zu einer großen Transporteinheit, die nur noch mechanisch bewegt wurde.

Für größere Betriebe war das ein entscheidender Vorteil. Eine einzelne Person konnte mit Traktor und Presse Futter bergen, für das zuvor mehrere Arbeitskräfte benötigt wurden.

Auch die Lagerung änderte sich. Dicht gepresste Rundballen lassen Niederschlag aufgrund ihrer Form besser ablaufen als lose oder schlecht verdichtete Futterstapel. Insbesondere Heu und Stroh konnten dadurch unter geeigneten Bedingungen teilweise auch im Freien gelagert werden.

In den 1970er-Jahren verbreitet sich die Technik schnell

Die Nachfrage nach den neuen Pressen stieg rasch. Vermeer konnte den Markt zunächst nicht allein bedienen und vergab Lizenzen an weitere Hersteller. Mitte der 1970er-Jahre boten bereits zahlreiche nordamerikanische Unternehmen große Rundballenpressen an.

Dabei entstanden unterschiedliche technische Lösungen.

Ein wichtiges Prinzip war die variable Presskammer mit Riemen. Der Ballen wächst während des Pressvorgangs innerhalb eines Systems aus umlaufenden Gurten. Damit lassen sich je nach Konstruktion unterschiedliche Ballendurchmesser erzeugen.

Andere Hersteller entwickelten Presskammern mit Walzen oder Stabketten. Diese Technik bildete später die Grundlage vieler Festkammerpressen.

Beide Konzepte bestehen bis heute nebeneinander.

Claas bringt die Rundballenpresse 1976 nach Europa

Auch europäische Hersteller griffen das Konzept schnell auf. Claas brachte 1976 mit der Rollant 85 eine Rundballenpresse auf den Markt.

Anders als viele Riemenpressen arbeitete sie mit einer festen Presskammer aus Stahlwalzen. Die Maschine erzeugte Ballen von 1,50 Meter Breite und 1,80 Meter Durchmesser.

Das Walzenprinzip entwickelte sich besonders bei Silagepressen zu einer wichtigen Bauform. Feuchtes und schweres Erntegut stellt andere Anforderungen an den Gutfluss als trockenes Heu oder Stroh.

Claas fertigte bis 2020 nach eigenen Angaben bereits 100.000 Maschinen der Rollant-Baureihe.

Netzbindung verkürzt den Pressvorgang

Anfangs wurden Rundballen vor allem mit Bindegarn fixiert. Eine Schnur musste mehrfach um den rotierenden Ballen geführt werden. Während dieser Zeit konnte die Presse kein weiteres Erntegut aufnehmen.

In den 1980er-Jahren verbreitete sich deshalb die Netzbindung. Claas führte 1983 mit Rollatex ein entsprechendes System ein und vergab später Lizenzen an weitere Hersteller.

Das Netz bedeckt die Ballenoberfläche wesentlich schneller als Garn. Dadurch verkürzt sich der Bindevorgang.

Gleichzeitig stabilisiert eine gleichmäßige Netzabdeckung die Oberfläche. Bei Stroh kann sie dazu beitragen, dass die Ballen ihre Form besser behalten und beim Transport weniger Material verlieren.

Heute gehört die Netzbindung bei vielen Rundballenpressen zur üblichen Ausstattung. Daneben gewinnen Folienbindungen vor allem bei Silageballen an Bedeutung.

Schneidwerke verändern die Silagebereitung

Mit der zunehmenden Nutzung von Rundballen für Grassilage stiegen die Anforderungen an die Pressen.

1991 beziehungsweise Anfang der 1990er-Jahre begann bei Claas die Einführung des Roto-Cut-Schneidrotors. Andere Hersteller entwickelten vergleichbare Systeme. Das Erntegut wird dabei zwischen Rotor und Messern geschnitten, bevor es in die Presskammer gelangt.

Kurzer geschnittenes Futter lässt sich dichter verdichten. Gleichzeitig wird das spätere Auflösen des Ballens erleichtert.

Mit steigender Zahl der Messer wurden theoretische Schnittlängen immer kleiner. Moderne Pressen können das Erntegut abhängig vom Modell mit mehr als 20 Messern bearbeiten.

Für den Betrieb bedeutet das allerdings auch einen höheren Leistungsbedarf. Schneidrotor, Pressdichte und Durchsatz müssen deshalb zur verfügbaren Traktorleistung passen.

Pressen und Wickeln werden zu einem Arbeitsgang

Silageballen müssen nach dem Pressen möglichst schnell luftdicht mit Stretchfolie umwickelt werden. Früher waren dafür meist zwei getrennte Arbeitsgänge erforderlich.

Die Entwicklung von Press-Wickel-Kombinationen brachte eine deutliche Rationalisierung. Claas führte beispielsweise 2001 die Rollant Uniwrap ein, bei der Pressen und Wickeln in einer Maschine kombiniert wurden.

Nach dem Öffnen der Presskammer wird der fertige Ballen auf den Wickeltisch übergeben und dort unmittelbar mit Folie umhüllt.

Dadurch sinkt die Zahl der Überfahrten. Gleichzeitig verkürzt sich die Zeit zwischen dem Pressen und dem luftdichten Verschließen des Futters.

Das Prinzip hat sich bei Silageballen inzwischen breit etabliert.

Elektronik übernimmt immer mehr Einstellungen

Auch die Bedienung hat sich grundlegend verändert. Bei frühen Pressen musste der Fahrer viele Arbeitsschritte manuell auslösen und den Ballenbildungsprozess über einfache Anzeigen kontrollieren.

Heute werden zahlreiche Funktionen elektronisch überwacht.

Sensoren erfassen beispielsweise Ballendurchmesser, Kammerfüllung oder die Verteilung des Ernteguts. Terminals informieren den Fahrer darüber, ob das Schwad gleichmäßig aufgenommen wird. Bindung und Heckklappe laufen bei vielen Maschinen automatisch ab.

2007 führte Claas bei seiner Rollant-Baureihe eine ISOBUS-fähige Steuerung ein. Damit wurde die Bedienung stärker in das Terminal des Traktors integriert.

Bei aktuellen Pressen kommen teilweise Datenaufzeichnung, Ballenzählung, Dokumentation von Feuchtigkeit und Gewicht sowie GPS-basierte Informationen hinzu.

Festkammer und variable Kammer verfolgen unterschiedliche Konzepte

Trotz der technischen Entwicklung existiert bis heute nicht die eine Rundballenpresse für alle Einsatzbedingungen.

Bei Festkammerpressen bleibt der Durchmesser der Presskammer konstruktiv weitgehend vorgegeben. Häufig bilden Walzen oder Stabketten den Ballenraum. Das Konzept ist robust und wird unter anderem für Silage genutzt.

Variable Presskammern arbeiten meist mit Riemen oder Riemen-Stab-Systemen. Die Kammer wächst während der Ballenbildung. Dadurch kann der Fahrer den gewünschten Ballendurchmesser innerhalb eines bestimmten Bereichs einstellen.

Inzwischen gibt es außerdem Mischformen. Semi-variable Kammern verbinden beispielsweise Elemente einer Festkammer mit mehreren einstellbaren Ballendurchmessern. Krone bietet aktuell Systeme an, bei denen sich der Durchmesser in mehreren Stufen zwischen 1,25 und 1,50 Metern einstellen lässt.

Welche Technik besser passt, hängt deshalb von Erntegut, gewünschter Ballengröße, Pressdichte, jährlicher Ballenzahl und vorhandener Zugmaschine ab.

Vom Arbeitskräftesparer zur hochautomatisierten Erntemaschine

Das ursprüngliche Ziel der großen Rundballenpresse war vergleichsweise einfach: Ein Landwirt sollte große Futtermengen ohne eine ganze Mannschaft bergen können.

Dieser Grundgedanke ist geblieben. Technisch haben heutige Maschinen mit den ersten Pressen der 1970er-Jahre jedoch nur noch das grundlegende Ballenprinzip gemeinsam.

Pickup, Schneidrotor, Presskammer, elektronische Steuerung, Netz- oder Folienbindung und Wickler können heute zu einem weitgehend automatisierten Prozess verbunden werden. Gleichzeitig wurden Ballendichte und Durchsatz kontinuierlich erhöht.

Wie weit die Automatisierung gehen kann, zeigte Vermeer 2017 mit der Vorstellung einer selbstfahrenden Rundballenpresse.

Der große Rundballen hat damit nicht nur die Form verändert, in der Heu, Stroh und Silage vom Feld kommen. Vor allem hat er die Arbeitsorganisation der Futterernte verändert – von körperlicher Ballenarbeit hin zu einem fast vollständig mechanisierten Verfahren.

Quellen

  • American Society of Agricultural and Biological Engineers (ASABE): Historischer Überblick zur Vermeer Large Round Baler und ihrer Bedeutung für die Mechanisierung der Heuernte. (ASABE)
  • Vermeer: Unternehmensgeschichte der großen Rundballenpresse. Der Hersteller datiert die Einführung auf 1971 und beschreibt das ursprüngliche Ziel eines Ein-Mann-Systems für die Heuernte. (Vermeer)
  • Claas: Entwicklung der Rollant-Baureihe seit 1976 mit Stahlwalzen-Presskammer, Netzbindung ab 1983, Schneidrotor ab Anfang der 1990er-Jahre, Press-Wickel-Kombination und späterer ISOBUS-Steuerung. (claas.com)
  • Krone: Technische Informationen zu modernen semi-variablen Rundballenpressen und einstellbaren Ballendurchmessern. (Krone Agriculture)