Die Nachfrage nach Rohmilch wächst in den USA ungebrochen. Mehr als zehn Millionen Menschen konsumieren regelmäßig das nicht pasteurisierte Produkt, wie aktuelle Zahlen zeigen. Zwischen 2023 und 2024 stiegen die wöchentlichen Verkaufszahlen um etwa 65 Prozent. Dieser Trend wird durch Wellness-Bewegungen, zunehmendes Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen und politische Unterstützung weiter befeuert.
Gesundheitsexperten warnen vor Rohmilch
Dennoch bleibt Rohmilch ein umstrittenes Thema. Da sie nicht pasteurisiert wird, birgt der Konsum ein erhöhtes Risiko für Infektionen durch Krankheitserreger wie Salmonellen, E. coli oder Listerien. Experten betonen, dass es keine wissenschaftlich fundierten Beweise dafür gibt, dass Rohmilch gesundheitliche Vorteile gegenüber der pasteurisierten Variante bietet. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Raw Farm: Ein Vorreiter mit Hygienekontrollen
Mark McAfee’s kalifornische Raw Farm ist einer der größten Produzenten von Rohmilch in den USA, mit einem jährlichen Umsatz von rund 30 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen setzt auf strenge Laborkontrollen, um jede Milchcharge auf potenziell gefährliche Keime zu testen. Trotz dieser Maßnahmen bleibt das grundsätzliche Risiko bestehen, dass bereits kleinste Verunreinigungen durch Bakterien aus dem Darm von Rindern zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen können.
Kritik an der Verwendung kontaminierter Milch
Laut Recherchen des US-Mediums ProPublica wurden nicht alle belasteten Chargen entsorgt. McAfee bestätigte, dass kontaminierte Rohmilch teilweise zur Käseherstellung genutzt wurde. Dies widerspricht wissenschaftlichen Erkenntnissen, da schädliche Bakterien den Reifungsprozess überstehen können und weiterhin ein Gesundheitsrisiko darstellen.
Trotz Rückrufen bleibt die Nachfrage hoch
Trotz wiederholter Krankheitsausbrüche und Produktrückrufe bleibt die Nachfrage nach Rohmilch ungebrochen. Für viele Verbraucher ist sie ein Symbol für natürliche Ernährung und persönliche Freiheit. Die Branche erfährt zunehmend politischen Rückhalt, was sich auch im Engagement von Robert F. Kennedy Jr., dem heutigen US-Gesundheitsminister, widerspiegelt.
Politische Unterstützung als zweischneidiges Schwert
Kennedy Jr. hatte während seines Wahlkampfs die staatliche Regulierung von Rohmilch kritisiert und sich für ihren Konsum ausgesprochen. Kritiker sehen darin ein problematisches Signal an die Öffentlichkeit, da Gesundheitsbehörden seit Jahren vor den Risiken warnen. Trotz umfangreicher Kontrollen bleibt das grundlegende Problem bestehen: Eine vollständige Freiheit von Krankheitserregern kann bei Rohmilch nicht garantiert werden.
Gesundheitsexperten empfehlen daher weiterhin den Konsum pasteurisierter Milchprodukte – insbesondere für Risikogruppen wie Kinder, Schwangere sowie ältere und immungeschwächte Menschen.
