Die Zukunft der Landwirtschaft steht vor signifikanten Herausforderungen. Angesichts geopolitischer und wirtschaftlicher Umbrüche ist ein Umdenken erforderlich, um nachhaltige Lösungen zu schaffen. Laut Prof. Alfons Balmann vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) müssen Landwirte ihre eigene Verantwortung gegenüber Veränderungen ernst nehmen.
Neue Wege ohne staatliche Mittel
Prof. Balmann betonte, dass die Branche nicht mehr auf zusätzliche finanzielle Unterstützung hoffen sollte. Stattdessen sollten Landwirte selbstständig nach Investitionsmöglichkeiten suchen, die ihnen helfen, effizienter zu werden und höhere Standards, insbesondere im Tierwohl, zu erreichen. Er sieht in privaten Zertifikaten eine Möglichkeit, staatliche Regulierungen zu umgehen und dennoch hohe Qualitätsstandards zu sichern.
Es sei notwendig, sich stärker in Wertschöpfungsketten zu integrieren und digitale Infrastrukturen auszubauen, um effizienter arbeiten zu können. Auch bei der Bewirtschaftung sogenannter „Roter Gebiete“ könnten lokale Zertifikate zielführend sein.
Klarere Vorgaben von staatlicher Seite gefordert
Balmann forderte zudem eine klare Linie vom Staat hinsichtlich zukünftiger Agrarpolitik. Nur so könnten Anpassungsprozesse schnell und konsequent umgesetzt werden. Die derzeitige geringe Rentabilität vieler Betriebe sei besonders bei Nebenerwerbslandwirten ein Problem, das bisher wenig Beachtung gefunden habe.
Die große Diskrepanz in der Rentabilität zwischen den Betrieben müsse in der politischen Diskussion mehr Aufmerksamkeit erhalten. Für nicht wettbewerbsfähige Betriebe sollten Ausstiegsszenarien entwickelt werden.
Kritik an Förderpolitik
Laut Balmann wird die Agrarförderung in Deutschland derzeit ineffektiv verteilt. Die über 6 Mrd. € an Direktzahlungen und Prämien wirken seiner Meinung nach als „süßes Gift“, das notwendige Anpassungen verzögert und die Bereitschaft zur Veränderung mindert.
Auch die Förderung für junge Landwirte sei ineffizient konzipiert: Sie konzentriert sich nur auf Betriebsleiter, anstatt auch Mitarbeiter in anderen Funktionen einzubeziehen. Eine Überprüfung des Erbrechts könnte außerdem dazu beitragen, mehr Frauen als Betriebsleiterinnen zu gewinnen.
Wechsel im Verband der Milcherzeuger
Anlässlich der Mitgliederversammlung des Verbandes der Milcherzeuger in Bayern (VMB) wurde Dr. Hans-Jürgen Seufferlein nach langjähriger Tätigkeit als Geschäftsführer verabschiedet. Seine Nachfolge tritt die Wirtschaftsingenieurin Ursula Güttersberger an, während Carmen Natterer die fachliche Leitung übernimmt.
