Die europäische Nutztierhaltung steht vor erheblichen Herausforderungen, da sie stark auf Importe aus China angewiesen ist, insbesondere bei der Versorgung mit Vitaminen und Aminosäuren. Diese Abhängigkeit birgt Risiken für die Stabilität der Lieferketten, wie Branchenexperten betonen.
Importabhängigkeit und ihre Folgen
Laut einer Analyse des europäischen Futtermittelverbandes FEFAC deckt die Europäische Union etwa 70 % ihres Vitaminbedarfs durch Importe aus China ab. Ebenso hoch ist der Anteil der importierten Aminosäuren. China ist das einzige Land, das alle für die Tierernährung relevanten Vitamine produziert.
Die Produktion von wichtigen Vitaminen wie B1, B6, B9, B12, C und Biotin wird zu über 80 % in China abgewickelt, während bei Vitamin A und E der Marktanteil Chinas bei über 40 % liegt. Diese Konzentration birgt potenzielle Schwachstellen für die europäische Landwirtschaft.
Lieferengpässe als Warnsignal
Vergangene Produktionsstörungen im BASF-Werk in Ludwigshafen in den Jahren 2017 und 2024 illustrieren die Verletzbarkeit der Lieferkette. Solche Ausfälle führten zu globalen Engpässen und signifikanten Preissteigerungen für Vitamine. DSM-Firmenich weist darauf hin, dass geopolitische Spannungen und Exportbeschränkungen diese Risiken weiter verschärfen können.
Besonders problematisch ist die Situation, da Vitamine in der Tierernährung nicht einfach ersetzt werden können. Ein Bericht von IFEEDER hebt hervor, dass ein Mangel an Vitamin A die Sterblichkeitsrate bei Masthühnern erhöhen und gesundheitliche Probleme wie Fußballenläsionen verschärfen könnte.
Geflügelproduktion stark betroffen
Die Geflügelwirtschaft in Europa ist besonders anfällig für diese Versorgungsprobleme. DSM-Firmenich zufolge entfallen etwa 40 % des europäischen Vitaminverbrauchs auf diesen Sektor. Vitamine wie A, D, E und verschiedene B-Vitamine sind entscheidend für die Immunabwehr und Knochenentwicklung von Geflügel.
Trotz vorhandener Produktionskapazitäten in Europa stehen diese unter Preisdruck durch günstigere chinesische Produkte. Dies führt zu einer geringeren Auslastung europäischer Anlagen und verstärkt die Importabhängigkeit.
Klimabilanz als zusätzlicher Faktor
Neben der Versorgungssicherheit spielt auch die Klimabilanz eine zunehmende Rolle. In Europa produziertes Vitamin A hat laut DSM-Firmenich einen um etwa 70 % geringeren CO₂-Fußabdruck im Vergleich zu Produkten aus anderen Regionen. Eine verstärkte regionale Produktion könnte somit nicht nur die Versorgungssicherheit verbessern, sondern auch zur Nachhaltigkeit in der Tierhaltung beitragen.
