Die fortwährende Krise im Düngemittelmarkt zeigt langfristige Folgen, die laut Experten erst in den kommenden Jahren voll zur Geltung kommen werden. Die Lieferketten sind durch geopolitische Spannungen und hohe Preise beeinträchtigt, was zu einer potenziellen Versorgungslücke im Frühjahr 2027 führen könnte. Martin Courbier, Geschäftsführer des Verbandes Der Agrarhandel, weist darauf hin, dass insbesondere die Preise für Stickstoffdünger weiterhin hoch bleiben werden und eine Rückkehr zu den vorherigen Preisniveaus vor dem Iran-Krieg unwahrscheinlich sei.
Herausforderungen durch blockierte Lieferwege
Courbier erläutert, dass der Markt momentan stagniert: Händler füllen ihre Lager nicht auf, und Landwirte zögern mit dem Einkauf. Dies ist jedoch kein Ausdruck von Gelassenheit, sondern eine Konsequenz wirtschaftlicher Zwänge. Nach mehreren Jahren negativer Margen müssen die Landwirte mit knappen Budgets arbeiten und können sich die gestiegenen Düngemittelpreise nicht leisten.
Zudem erschwert die Blockade der Straße von Hormus den Nachschub von Stickstoffdünger erheblich. Diese strategische Wasserstraße bleibt wegen anhaltender Konflikte gesperrt, was dazu führt, dass die Lagerbestände nicht wie gewohnt auffüllbar sind. Die Einführung des CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) hat zusätzlich zu einem Vorziehen der Importe Ende 2025 geführt, sodass der Handel das Jahr 2026 mit hohen Vorräten begann. Doch ohne Nachschub droht ein Engpass.
EU-Aktionsplan bietet nur kurzfristige Lösungen
Obwohl Courbier den kürzlich vorgestellten Düngemittel-Aktionsplan der EU begrüßt, sieht er darin keine Lösung für die langfristige Bevorratungskrise. Der Plan konzentriert sich hauptsächlich auf kurzfristige Hilfen für Landwirte und berücksichtigt nicht die anhaltenden strukturellen Probleme im Markt.
Für Landwirte bedeutet dies: Wer bis zum Herbst 2026 keinen Stickstoffdünger erstanden hat, könnte im Frühjahr 2027 erhebliche Schwierigkeiten haben. Die Unsicherheiten in der geopolitischen Lage verhindern zudem langfristige Preisfestlegungen durch die Düngerindustrie, was es Händlern erschwert, verlässliche Verträge mit ihren Kunden abzuschließen.
Blick auf die Ernte 2026: Qualitätseinbußen erwartet
Laut Courbier wird es auch keine schnelle Entspannung der Situation geben. Die Blockade der Straße von Hormus bleibt bestehen und die EU hält trotz Anpassungen am CBAM fest. Zudem sinkt die globale Nachfrage nach Düngern nicht ausreichend, um Preissenkungen zu erzielen. Selbst bei einer Verbesserung der Lage im Golf würde es Monate dauern, bis sich Produktion und Logistik normalisieren.
Die Auswirkungen dieser Verwerfungen werden sich voraussichtlich schon bei der Getreideernte 2026 bemerkbar machen: Viele Landwirte werden aufgrund hoher Düngemittelpreise die dritte Gabe reduzieren oder ganz auslassen müssen. Dies führt zu Einbußen in Ertrag und Backqualität des Getreides und resultiert letztendlich in niedrigeren Erlösen für Erzeuger sowie steigenden Verbraucherpreisen.
Zusammenfassend zeigt sich ein düsteres Bild für den Düngermarkt in den kommenden Jahren: Ohne eine Beilegung der Konflikte im Golf- und Ukraine-Raum wird sich die Versorgungslage weiter verschlechtern und damit auch erheblichen Einfluss auf Landwirtschaft und Nahrungsmittelpreise haben.
