In Russland gehen jedes Jahr bis zu 7 Millionen Tonnen Getreide durch Schädlingsbefall verloren, was auf veraltete Lagerinfrastrukturen zurückzuführen ist. Diese stammen noch aus Sowjetzeiten und wurden trotz angekündigter Kontrollen nicht modernisiert. Der Chef des Föderalen Dienstes für Veterinär- und Pflanzenschutzüberwachung, Sergej Dankwert, erklärte, dass insbesondere der Kornkäfer eine ernsthafte Bedrohung darstelle, da er die Keimfähigkeit des Getreides erheblich mindere. Diese Verluste könnten bis zu 90 Prozent erreichen.
Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen für Getreidespeicher
Um die Verluste zu reduzieren, hat die russische Regierung neue Maßnahmen ergriffen. Getreidespeicher mit einer Kapazität ab 50.000 Tonnen werden nun als „Hochrisiko“ eingestuft und unterliegen regelmäßigen Kontrollen durch den Pflanzenschutzdienst. Zuvor waren nur Speicher ab 100.000 Tonnen betroffen, was laut Dankwert keine merkliche Verbesserung der Lagersicherheit bewirkte. Daher wird überlegt, die Grenze für diese Überprüfungen auf 25.000 Tonnen herabzusetzen.
Dankwert betonte außerdem die Diskrepanz zwischen den in Russland geltenden Standards und den strengeren phytosanitären Anforderungen der Importländer. Um die Exportfähigkeit zu sichern, sei eine Weiterentwicklung der Rückverfolgbarkeitssysteme erforderlich. Nur so könne gewährleistet werden, dass das Getreide den internationalen Qualitätsanforderungen entspricht.
Russlands Rolle im globalen Weizenmarkt
Trotz dieser Herausforderungen läuft der russische Getreideexport weiterhin erfolgreich. Landwirtschaftsministerin Oksana Lut betonte auf einem Forum die Bedeutung Russlands als Lieferant von qualitativ hochwertigem Getreide, das etwa 20 Prozent der weltweiten Weizenexporte ausmacht. Die Hauptabnehmer sind Ägypten, gefolgt von der Türkei, Iran, Kasachstan und dem Sudan.
Laut Lut hat Russland im aktuellen Wirtschaftsjahr bis zum 22. Mai bereits rund 52 Millionen Tonnen Getreide exportiert. Bis zum Ende der Saison am 30. Juni könnte das Ziel von 60 Millionen Tonnen erreicht werden. Im vergangenen Wirtschaftsjahr 2024/25 wurden etwa 53 Millionen Tonnen ausgeführt, obwohl die Exporte zu Beginn des Jahres einen Rückgang verzeichneten.
