Die Diskussion um die Nachhaltigkeit von Biomasse und nachwachsenden Rohstoffen zieht sich durch viele landwirtschaftliche Betriebe. Landwirte wie Leonhard Rösel sehen sich zunehmend mit bürokratischen Hürden konfrontiert, sobald sie ihre Pflanzen zur Energiegewinnung nutzen möchten. Er empfindet, dass der Nachweis der Nachhaltigkeit vor allem auf dem Papier gefordert wird.
Gesetzliche Vorgaben erschweren die Nutzung
Sobald Pflanzen in Biogasanlagen oder Biomasseheizwerken zur Energiegewinnung genutzt werden sollen, kommen zahlreiche gesetzliche Regelungen ins Spiel. Insbesondere die RED III und die Biomasse-Nachhaltigkeitsverordnung stellen für viele Landwirte eine erhebliche Herausforderung dar. Laut Rösel wird aus den Pflanzen ein Datensatz, der durch verschiedene Systeme geschleust werden muss, bevor er als „nachhaltig“ anerkannt wird.
Es ist bemerkenswert, dass viele dieser Nachweise bereits über bestehende Regelungen wie den Agrarantrag, die Düngeverordnung und Cross Compliance erbracht werden müssen. Diese Dokumentationspflichten sind längst etabliert und betreffen Flächennutzung, Fruchtfolge sowie Düngung.
Komplexe Bürokratie ohne Mehrwert
Trotz vorhandener Nachweispflichten sehen sich Landwirte mit zusätzlichen Anforderungen konfrontiert, die durch RED III und andere Gesetze entstehen. Ein Beispiel dafür ist das NABISy-System, welches in der Praxis oft mehr Bürokratie als tatsächlichen Nutzen für das Klima schafft. Die Notwendigkeit, Zertifikate zu pflegen und Audits zu bestehen, bindet wertvolle Arbeitszeit.
Rösel betont, dass Nachhaltigkeit kein Feindbild ist. Vielmehr sei es notwendig, den Handlungsspielraum zu erweitern anstatt zusätzliche bürokratische Strukturen zu schaffen. In früheren Zeiten regelte das EEG 2012/14 mit Einsatzstoffklassen finanzielle Anreize, wodurch Landwirte flexibler entscheiden konnten.
Zweifel an der Gesetzgebung
Aus Sicht vieler Landwirte scheint die Politik ihren eigenen Gesetzen nicht zu vertrauen. Die Einführung zusätzlicher Kontrollmechanismen unter dem Vorwand der EU-Rechtsumsetzung führt zu einem komplexen Netz aus Vorschriften. Diese Art der Bürokratie scheint keinen echten Beitrag zur Nachhaltigkeit von Biomasse zu leisten.
Nachwachsende Rohstoffe haben per Definition den Vorteil, dass sie nachwachsen und somit nachhaltig sind. Dennoch bleibt ein großer Teil der Landwirtschaft in einem bürokratischen Labyrinth gefangen, das wenig Nutzen für die eigentliche Umweltbilanz bringt.
