Die europäischen Erdgaspreise erlebten Mitte der Woche einen deutlichen Anstieg von 6 %, was den Preis auf 55 € pro Megawattstunde steigen ließ. Dieser Preisanstieg resultiert aus Berichten über Angriffe auf iranische Energieinfrastrukturen, insbesondere das gemeinsam mit Katar betriebene Gasfeld South Pars. Laut dem iranischen Staatsfernsehen wurden bei diesen Angriffen US-amerikanische und israelische Kräfte genannt. South Pars, bekannt für seine hohe Tagesproduktion, erreichte 2025 eine Rekordleistung von 730 Millionen Kubikmetern.
Anhaltende globale Spannungen beeinflussen den Gasmarkt
Zusätzlich zum Angriff auf das iranische Gasfeld wurde auch ein Abkommen zwischen dem Irak und Kurdistan zur Wiederaufnahme der Ölexporte über eine Pipeline zum türkischen Hafen Ceyhan geschlossen. Dies umgeht die derzeit weitgehend gesperrte Straße von Hormus, durch die normalerweise etwa 20 % der weltweiten LNG-Lieferungen fließen. Diese Entwicklungen geschehen zu einem Zeitpunkt, an dem Europa beginnt, seine Gasreserven für den nächsten Winter aufzufüllen.
Die aktuellen Lagerbestände in der EU sind mit 29,3 % der Kapazität bereits relativ gering, während die deutschen Vorräte nur 22 % ihrer Kapazität ausmachen. Ein kälterer Winter hat die europäischen Bestände um etwa 15 Prozentpunkte unter den Fünfjahresdurchschnitt gedrückt.
Energieexperten sehen Herausforderungen bei der Auffüllung der Reserven
Analysten warnen davor, dass die Wiederauffüllung der europäischen Gasreserven aufgrund des wachsenden Wettbewerbs aus Asien erschwert werden könnte. Dort ist man stärker auf die Lieferungen angewiesen, die traditionell durch den Persischen Golf kamen. Dies könnte zur Jahresmitte zu weiter steigenden Preisen führen und Händler davon abhalten, im Frühjahr und Sommer einzulagern.
Der Geschäftsführer des deutschen Gasspeicherverbands INES, Sebastian Heinermann, äußerte Bedenken bezüglich der Versorgungssicherheit. Die aktuellen Mechanismen seien unzureichend, da sie keine ausreichenden Anreize zur Befüllung der Speicher bieten würden.
Mögliche Anpassungen in der EU-Gaspolitik
Der europäische Gasverband Eurogas hob hervor, dass strenge EU-Vorschriften für Flüssigerdgaslieferungen den Export nach Europa weniger attraktiv machen könnten. Mehrere europäische Regierungen denken darüber nach, bestehende Ausnahmeregelungen zu nutzen, um mehr Flexibilität bei Großkäufen zu schaffen.
Länder fordern zudem von der EU-Kommission eine Flexibilisierung des Rahmenwerks sowie eine mögliche Senkung des Speichervorgabeziels um bis zu 30 Prozent. Ein neuer Mechanismus zur Koordinierung von Gaseinkäufen wird ebenfalls angestrebt.
