In einer von geopolitischen Spannungen geprägten Woche haben die Preise für Getreideprodukte wie Weizen, Mais und Raps deutliche Anstiege verzeichnet. Die jüngsten Angriffe der Ukraine auf russische Schiffe im Asowschen Meer und die damit verbundenen Störungen der Exportwege führten zu einem erheblichen Preissprung. Gleichzeitig sorgt die anhaltende Hitze in Frankreich und anderen Teilen Westeuropas für erhebliche Ernteausfälle, was den Druck auf die Getreidemärkte zusätzlich erhöht.
Weizen- und Maispreise erreichen neue Höchststände
Die Märkte reagierten empfindlich auf die Unterbrechungen im russischen Exporthandel, nachdem Moskau vorübergehend den Schiffsverkehr durch die Straße von Kertsch gestoppt hatte. Dies führte dazu, dass die Weizenpreise auf ein Jahreshoch kletterten und auch Maispreise mitzogen. Besorgniserregend sind zudem die Wetterbedingungen in Westeuropa, die bereits jetzt eine katastrophale Ernteprognose nach sich ziehen könnten. Der jüngste Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) hat daher die erwartete Maisproduktion in Europa um 3,75 Millionen Tonnen gesenkt.
Wirtschaftlich bedeutend ist auch der Anstieg des Weizens an den Terminmärkten: Der September-Kontrakt stieg um 12 Euro auf 228 Euro je Tonne, während der Dezember-Kontrakt mit einem Aufschlag von 8,25 Euro auf 231,25 Euro gehandelt wurde. Diese Entwicklungen spiegeln sich auch im Wechselkurs wider: Trotz einer Erholung des Euro gegenüber dem US-Dollar stiegen die Getreidepreise weiter an.
Hitzewellen belasten Ertragspotenziale
Auch in Nordamerika steigen die Temperaturen und gefährden dort das Ertragspotenzial der Maisernte. Das USDA berichtete, dass sich 68 % der nationalen Maisernte in einem guten oder ausgezeichneten Zustand befinden – ein leichter Anstieg gegenüber der Vorwoche. Allerdings drohen heiße und trockene Wetterbedingungen im Mittleren Westen der USA, welche diese Einschätzung schnell verschlechtern könnten.
Gleichzeitig werden hohe Temperaturen in Europa zur Herausforderung für die Binnenschifffahrt, da sinkende Wasserstände logistische Probleme verursachen. Die Maispreise stiegen infolgedessen sowohl für bestehende als auch kommende Ernten; so legte beispielsweise der November-Kontrakt um 7,25 Euro zu.
Raps- und Rohölmärkte unter geopolitischem Einfluss
Im Rapssektor sind ebenfalls signifikante Preissteigerungen zu verzeichnen. An der Euronext stiegen die Rapspreise für den Augusttermin um 15,50 Euro auf 538 Euro je Tonne. Dies ist teils auf den steigenden Ölpreis zurückzuführen, welcher durch Spannungen im Nahen Osten beeinflusst wird.
Die Lage am Persischen Golf bleibt angespannt: Nach Angriffen Teherans gegen US-Infrastruktur kündigten iranische Streitkräfte an, den Schiffverkehr in der Straße von Hormus einzustellen – trotz laufender Verhandlungen mit Vermittlungsstaaten bleibt unsicher, wie sich dies weiter entwickeln wird.
Zudem steigt weltweit die Nachfrage nach Pflanzenölen aufgrund ihrer Nutzung in der Biokraftstoffindustrie. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf Raps-, sondern auch Sojapreise – beide profitieren vom steigenden Rohölpreis von derzeit plus sechs Prozent.
