Der Weizenexport der Ukraine dürfte im Wirtschaftsjahr 2026/27 deutlich schwächer ausfallen als bislang erwartet. Der Internationale Getreiderat (IGC) senkte seine Prognose im August um 1,8 Millionen Tonnen auf 14,2 Millionen Tonnen. Damit würde die Ukraine so wenig Weizen ausführen wie seit zwölf Jahren nicht mehr.
Auch gegenüber dem vergangenen Wirtschaftsjahr zeichnet sich ein Rückgang ab. Für 2025/26 schätzt der IGC die tatsächlichen ukrainischen Weizenexporte auf rund 15 Millionen Tonnen. Die neue Prognose liegt damit nochmals 800.000 Tonnen darunter.
Als Hauptgrund für die Korrektur nennt der IGC die eingeschränkten Verschiffungsmöglichkeiten über das Schwarze und das Asowsche Meer. Verstärkte Angriffe auf Handelsschiffe und Hafenanlagen hätten dazu geführt, dass Verladungen zeitweise zum Erliegen gekommen seien.
Alternative Transportwege können Ausfälle nicht ausgleichen
Ein Teil der Getreidemengen wird über andere Routen ausgeführt. Diese können nach Einschätzung der Experten die Kapazitäten der Seehäfen jedoch nicht vollständig ersetzen. Begrenzte Transportkapazitäten, höhere Logistikkosten und zusätzliche Engpässe bremsen den Weizenexport aus der Ukraine.
Bei der Erzeugung fällt die Einschätzung dagegen günstiger aus. Der IGC erhöhte seine Prognose für die ukrainische Weizenproduktion 2026/27 gegenüber Juli um 600.000 Tonnen auf 26,7 Millionen Tonnen. Im Wirtschaftsjahr 2025/26 waren es nach Angaben des Getreiderates rund 26 Millionen Tonnen.
Die Kombination aus höherer Produktion und geringeren Exportmöglichkeiten dürfte entsprechend größere Vorräte hinterlassen. Die ukrainischen Weizenbestände zum Ende des Wirtschaftsjahres 2026/27 werden nun auf 3,9 Millionen Tonnen geschätzt. Im Juli hatte der IGC lediglich 1,7 Millionen Tonnen erwartet, nach 1,8 Millionen Tonnen im Vorjahr.
Weltweiter Weizenhandel schrumpft deutlich
Die schwächeren Lieferungen aus der Ukraine wirken sich gemeinsam mit geringeren Exporten aus Russland auch auf den Weltmarkt aus. Der IGC erwartet für 2026/27 einen globalen Weizenhandel von 202,6 Millionen Tonnen. Gegenüber der Juli-Prognose entspricht das einer Abwärtskorrektur um 2,4 Millionen Tonnen.
Im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2025/26 fällt der Rückgang noch deutlicher aus. Damals wurden weltweit rund 214,6 Millionen Tonnen Weizen gehandelt. Nach der aktuellen IGC-Prognose würde das globale Handelsvolumen damit innerhalb eines Jahres um etwa sechs Prozent sinken.
