In Thüringen sind die Besitzverhältnisse von Grundstücken oft unklar, da zahlreiche Grundbucheinträge veraltete Informationen enthalten. So sind beispielsweise noch häufig längst verstorbene Personen als Eigentümer verzeichnet, oder es werden Erbengemeinschaften aufgeführt, deren Mitglieder nicht vollständig bekannt sind. Ein Beispiel für diese Problematik ist der Privatwald in Thüringen: Rund 40.000 Hektar Waldfläche haben ungeklärte Eigentumsverhältnisse.
Kosten als Hindernis
Der Hauptgrund für die fehlende Aktualisierung der Grundbücher liegt in den hohen Kosten, die mit der Beantragung eines klassischen Erbscheins verbunden sind. Laut dem Thüringer Justizministerium übersteigen diese Kosten oft den Wert des Grundstücks selbst, weshalb viele Erben darauf verzichten, die rechtlichen Gegebenheiten zu klären. Justizministerin Beate Meißner hält diesen Zustand für untragbar und sieht dringenden Handlungsbedarf.
Initiativen zur Vereinfachung
Um das Problem zu lösen, plant Thüringen eine Vereinfachung bei der Berichtigung von Grundbucheinträgen. Eine kürzlich auf der Justizministerkonferenz beschlossene Initiative sieht vor, einen kostengünstigen Erbschein einzuführen, der ausschließlich für die Vorlage beim Grundbuchamt gedacht ist. Dieser spezielle Erbschein soll deutlich günstiger sein als ein herkömmlicher Erbschein.
Bedeutung verlässlicher Grundbücher
Verlässliche und aktuelle Grundbucheinträge sind entscheidend für Rechtssicherheit und Investitionen sowie für eine geordnete Entwicklung der Flächen. Die CDU-Politikerin Meißner betont, dass ein solcher, auf den Gebrauch beim Grundbuchamt beschränkter Erbschein eine pragmatische Lösung für das bestehende Problem darstellen würde und somit auch die Praxis der Rechtsprechung erheblich entlasten könnte.
