Tageslicht gehört zu einer guten Hühnerstallbeleuchtung, lässt sich aber schwieriger steuern als künstliches Licht. Seine Intensität verändert sich mit Tageszeit, Jahreszeit und Bewölkung, zusätzlich beeinflussen Himmelsrichtung, Fenstergröße, Stalltiefe und Verschattung die Lichtverhältnisse im Gebäude. Ein großes Fenster kann deshalb einen Stallbereich sehr hell machen, während wenige Meter entfernt nur ein Bruchteil der Beleuchtungsstärke ankommt.

Für bestimmte Legehennen- und Masthühnerställe schreibt die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung Lichtöffnungen mit einer Gesamtfläche von mindestens drei Prozent der Stallgrundfläche vor. Die Fensterfläche allein entscheidet jedoch nicht über die Qualität der Beleuchtung. Entscheidend ist, ob das Tageslicht möglichst sinnvoll über die Nutzfläche verteilt wird, keine problematischen Sonnenflecken entstehen und künstliches Licht die dunkleren Bereiche ergänzt.
Tageslicht ist damit ein wichtiger Teil der gesamten Stallbeleuchtung für Hühner. Fenster, LED-Leuchten und Lichtsteuerung sollten nicht als getrennte Systeme geplant werden.
Wie wichtig ist Tageslicht für Hühner?
Hühner besitzen ein anderes Sehvermögen als Menschen und können unter anderem UV-A-Anteile wahrnehmen. Natürliches Licht stellt deshalb eine komplexere Lichtumgebung bereit als viele einfache künstliche Lichtquellen. Gleichzeitig verändert sich das Spektrum des Tageslichts mit Sonnenstand, Wetter, Atmosphäre und der Umgebung des Stalls.
Die DLG weist darauf hin, dass selbst der Begriff „natürliches Licht“ nicht für jeden Standort dasselbe bedeutet. Der Vorfahre des Haushuhns stammt aus vegetationsreichen Lebensräumen Südostasiens, in denen Sonnenlicht stark durch Blätter und andere Vegetation gefiltert wird. Natürliches Licht bedeutet für Hühner deshalb nicht zwangsläufig direkte, ungefilterte Mittagssonne.
Im Stall kommt ein weiterer Faktor hinzu: Fensterscheiben, Kunststoffplatten und andere lichtdurchlässige Materialien können Teile des Spektrums verändern oder herausfiltern. Tageslicht hinter einer Scheibe entspricht daher nicht vollständig dem Licht, das ein Huhn im Freien erhält.
Wie groß müssen die Fenster im Hühnerstall sein?
Für Gebäude zur Haltung von Legehennen, die nach dem 13. März 2002 in Benutzung genommen wurden, verlangt § 13 TierSchNutztV Lichtöffnungen mit einer Fläche von mindestens drei Prozent der Stallgrundfläche. Die Öffnungen müssen so angeordnet sein, dass eine möglichst gleichmäßige Verteilung des Lichts erreicht wird.
Bei einem Legehennenstall mit 1.000 Quadratmetern Stallgrundfläche ergeben drei Prozent rechnerisch mindestens 30 Quadratmeter Lichtöffnungsfläche. Die Vorschrift sagt damit jedoch noch nichts darüber aus, ob diese Fläche besser in wenige große oder mehrere kleinere Fenster aufgeteilt werden sollte. Dafür sind Stallbreite, Gebäudegeometrie und gewünschte Lichtverteilung entscheidend.
Die Drei-Prozent-Regel ist außerdem keine allgemeingültige Bauvorgabe für jeden privaten Hühnerstall. Die entsprechenden Vorschriften der TierSchNutztV betreffen die darin definierten Nutztierhaltungen. Für die praktische Planung kleiner Ställe bleibt ausreichender natürlicher Lichteinfall trotzdem ein wichtiges Kriterium.
Welche Tageslichtvorgaben gelten für Masthühner?
Auch Masthühnerställe müssen nach § 18 TierSchNutztV grundsätzlich Lichtöffnungen besitzen, deren Gesamtfläche mindestens drei Prozent der Stallgrundfläche entspricht. Die Öffnungen müssen so angeordnet sein, dass das natürliche Licht möglichst gleichmäßig über die gesamte Stallgrundfläche verteilt wird.
Für ältere Gebäude enthält die Verordnung eine Ausnahme. Sie betrifft Gebäude, die vor dem 9. Oktober 2009 genehmigt oder bereits genutzt wurden und bei denen ausreichende Lichtöffnungen technisch nicht oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand geschaffen werden können. In diesen Fällen muss eine dem natürlichen Licht so weit wie möglich entsprechende künstliche Beleuchtung des Einstreu- und Versorgungsbereiches gewährleistet werden.
Diese Ausnahme bedeutet nicht, dass alte Masthühnerställe beliebig dunkel bleiben dürfen. Sie betrifft die bauliche Verpflichtung zu Lichtöffnungen und verlangt als Ersatz eine entsprechende künstliche Beleuchtung.
Drei Prozent Fensterfläche bedeuten nicht automatisch gutes Tageslicht
Die Drei-Prozent-Vorgabe wird gelegentlich so interpretiert, als müsse lediglich eine bestimmte Fensterfläche eingebaut werden und damit sei die Tageslichtversorgung erledigt. Licht verteilt sich in einem Stall jedoch nicht proportional zur gesamten Fensterfläche. Position, Höhe und Ausrichtung der Öffnungen können wichtiger sein als einige zusätzliche Quadratmeter Glas an einer ungünstigen Stelle.
Ein langes Fensterband kann beispielsweise andere Lichtverhältnisse erzeugen als wenige große Fenster an einer Giebelseite. Befinden sich Lichtöffnungen ausschließlich auf einer Stallseite, kann die fensternahe Zone sehr hell sein, während die gegenüberliegende Seite erheblich dunkler bleibt.
Deshalb verlangt die TierSchNutztV nicht nur eine Mindestfläche, sondern ausdrücklich eine möglichst gleichmäßige Lichtverteilung. Bei Neubauten sollte diese Anforderung bereits in die Gebäudeplanung einbezogen werden.
Warum Licht von der Seite schnell abnimmt
Durch ein Seitenfenster fällt die höchste Lichtmenge zunächst in den fensternahen Bereich. Mit zunehmender Entfernung gelangt weniger direktes Licht in den Raum, zusätzlich werfen Einrichtungen, Volieren, Futteranlagen und andere Bauteile Schatten. In breiten Ställen können dadurch erhebliche Unterschiede zwischen Rand- und Mittelzonen entstehen.
Wie groß die Unterschiede tatsächlich sind, lässt sich nicht allein aus der Fensterfläche berechnen. Himmelsrichtung, Fensterhöhe, Außenbebauung, Dachüberstände und Reflexionen an Decke, Wänden und Boden beeinflussen das Ergebnis zusätzlich.
Deshalb sollte die Tageslichtverteilung im fertigen Stall gemessen werden. Wie eine solche Kontrolle durchgeführt wird, erklären wir ausführlicher im Beitrag Wie viel Lux brauchen Hühner im Stall?.
Sind Dachfenster besser als Seitenfenster?
Dachlicht kann tiefer in ein Gebäude eindringen und bei geeigneter Verteilung helfen, breite Stallbereiche auszuleuchten. Gleichzeitig kann direkt von oben einfallende Sonne ausgeprägte Lichtflecken erzeugen, wenn Oberlichter oder Lichtkuppeln nicht entsprechend ausgeführt werden. Damit ist ein Dachfenster nicht automatisch besser als ein Seitenfenster.
Seitenfenster haben den Vorteil, dass sie sich konstruktiv häufig einfacher anordnen, reinigen und gegebenenfalls verschatten lassen. Ihre Wirkung nimmt jedoch mit der Entfernung von der Außenwand ab. In breiten Gebäuden kann daher eine Kombination verschiedener Lichtöffnungen sinnvoll sein.
Welche Variante geeignet ist, hängt vom konkreten Gebäude ab. Statt einen Fenstertyp grundsätzlich zu bevorzugen, sollte geprüft werden, welche Beleuchtungsstärken und Kontraste auf der tatsächlich von den Tieren genutzten Fläche entstehen.
Warum direkte Sonne im Hühnerstall problematisch sein kann
Tageslicht ist erwünscht, direkte Sonnenstrahlen auf einzelne kleine Stallbereiche können dagegen ungünstig sein. Sie erzeugen sogenannte Sonnen- oder Lichtflecken, deren Beleuchtungsstärke weit über der umgebenden Fläche liegen kann. Die Tiere reagieren auf solche Unterschiede und können helle Bereiche gezielt aufsuchen oder meiden.
Die DLG weist darauf hin, dass ausgeprägte punktuelle Lichtflecken zu einer ungleichmäßigen Tierverteilung beitragen können. Sammeln sich größere Tiergruppen in einzelnen attraktiven Zonen, steigt das Risiko des Stapelns beziehungsweise Zusammendrängens. Auch Federpicken und Kannibalismus können durch problematische Lichtverhältnisse mit beeinflusst werden.
Das bedeutet nicht, dass jedes Stück direkte Sonne im Stall gefährlich ist. Problematisch sind vor allem stark begrenzte, intensive Lichtkegel bei gleichzeitig deutlich dunkler Umgebung.
Große Hell-Dunkel-Kontraste vermeiden
Hühner nutzen einen Stall nicht unabhängig von seiner Beleuchtung. Sehr helle und sehr dunkle Bereiche können dazu führen, dass bestimmte Zonen bevorzugt und andere gemieden werden. Dadurch verändert sich die Tierverteilung, obwohl Platzangebot, Fütterung und Klima eigentlich gleichmäßig ausgelegt wurden.
In Volieren können Schatten besonders komplex sein. Plattformen, Kotbänder, Nester und Versorgungseinrichtungen blockieren einen Teil des Tageslichts, sodass direkt unter der Anlage andere Lichtbedingungen entstehen als auf oberen Ebenen. Eine Fensterfläche, die auf dem Stallboden ausreichend wirkt, muss deshalb nicht automatisch alle Ebenen sinnvoll beleuchten.
Eine gute Lichtplanung versucht nicht, jeden Quadratzentimeter exakt gleich hell zu machen. Sie verhindert aber unbeabsichtigte extreme Kontraste und ordnet unterschiedliche Helligkeiten gezielt den jeweiligen Funktionsbereichen zu.
Legenester dürfen bewusst dunkler sein
Gleichmäßige Tageslichtverteilung bedeutet bei Legehennen nicht, dass sämtliche Stallbereiche denselben Luxwert erhalten müssen. Legenester sollen bewusst dunkler sein, weil Hennen zur Eiablage geschützte, weniger helle Orte bevorzugen. Die DLG nennt für Legenester eine Beleuchtungsstärke von weniger als 5 Lux als Orientierung.
Scharr-, Futter- und Tränkebereiche erfüllen dagegen andere Funktionen und benötigen ausreichend Licht. Ebenso müssen Verkehrswege und Volierenebenen so beleuchtet sein, dass sich die Hennen sicher durch das Haltungssystem bewegen können.
Der Unterschied liegt also zwischen funktional geplanten dunkleren Zonen und zufällig entstandenen Dunkelstellen. Ein dunkles Nest ist erwünscht, eine schlecht beleuchtete Ecke im Scharrraum dagegen nicht automatisch.
Welche Himmelsrichtung ist für Stallfenster sinnvoll?
Eine allgemeine optimale Himmelsrichtung für jeden Hühnerstall lässt sich nicht festlegen. Südorientierte Fenster können im Winter viel Licht einbringen, erzeugen im Sommer aber stärkere direkte Sonneneinstrahlung und zusätzliche Wärmeeinträge. Nordorientierte Fenster liefern in Mitteleuropa häufig diffuseres Licht, dafür fehlt ein großer Teil der direkten Sonnenstrahlung.
Ost- und Westseiten bringen morgens beziehungsweise nachmittags teilweise tief stehende Sonne in den Stall. Diese kann besonders weit in das Gebäude eindringen und intensive Lichtkegel erzeugen. Dachüberstände oder andere Verschattungselemente wirken dabei abhängig vom Sonnenstand sehr unterschiedlich.
Bei Neubauten sollte deshalb nicht allein nach Himmelsrichtung entschieden werden. Stallbreite, Dachform, Verschattung, Nutzungsrichtung und die geplante künstliche Beleuchtung müssen gemeinsam betrachtet werden.
Können Fenster verschattet werden?
Verschattung kann sinnvoll sein, wenn direkte Sonneneinstrahlung regelmäßig starke Lichtflecken oder hohe Wärmeeinträge verursacht. Außenliegende Verschattung wirkt in der Regel besser gegen Wärmeeintrag als eine innenliegende Lösung, weil ein größerer Teil der Sonnenenergie bereits vor der Verglasung abgefangen wird.
In Geflügelställen muss zusätzlich berücksichtigt werden, dass eine Verschattung das Lichtprogramm beeinflusst. Werden Fenster vollständig oder teilweise verdunkelt, verändert sich sowohl die Beleuchtungsstärke als auch die tatsächlich von den Tieren wahrgenommene Tageslänge.
Eine steuerbare Verdunkelung kann gleichzeitig Vorteile haben. In vom Tageslicht beeinflussten Ställen lässt sich dadurch das Lichtprogramm präziser kontrollieren und bei bestimmten tierärztlich begründeten Situationen die Lichtintensität leichter reduzieren.
Tageslicht verändert das Lichtprogramm
Bei einem Stall ohne relevante Lichtöffnungen lässt sich der Lichttag weitgehend über die künstliche Beleuchtung bestimmen. Sobald ausreichend Tageslicht vorhanden ist, beginnt die für das Tier wahrnehmbare Lichtphase möglicherweise schon lange bevor die LED-Leuchten eingeschaltet werden und endet erst nach deren Ausschalten.
Das ist besonders bei Legehennen wichtig. Ein programmiertes Lichtfenster von beispielsweise 14 Stunden ist keine tatsächliche 14-Stunden-Photoperiode, wenn davor und danach durch die Fenster noch ausreichend natürliches Licht fällt. Die natürliche Tageslänge muss deshalb in die Steuerung einbezogen werden.
Der Effekt verändert sich täglich. Im Winter kann künstliches Licht einen großen Teil des Tages übernehmen, während die natürliche Lichtphase im Sommer erheblich länger ausfällt. Wie Legehennenprogramme darauf abgestimmt werden, erläutern wir im Beitrag Wie lange brauchen Hühner Licht? Lichtprogramme für Legehennen.
Warum das Tageslicht im Winter nicht ausreichen kann
Ein Stall mit ausreichend großen Fenstern kann an einem sonnigen Sommertag sehr hell sein und an einem bedeckten Dezembermorgen trotzdem deutlich weniger Licht erhalten. Die Fensterfläche bleibt gleich, aber die außen vorhandene Beleuchtungsstärke und die Tageslänge verändern sich erheblich.
Deshalb sollte ein Beleuchtungskonzept nicht auf Messungen an einem einzigen hellen Tag beruhen. Entscheidend ist, ob die Tiere auch unter ungünstigeren natürlichen Lichtbedingungen ausreichend Licht erhalten. In vielen Ställen übernimmt die LED-Anlage deshalb die Grundbeleuchtung und wird abhängig vom vorhandenen Tageslicht geregelt.
Wie künstliche Beleuchtung während der dunklen Jahreszeit genutzt werden kann, behandeln wir im Beitrag Hühnerstall im Winter beleuchten: Ist Kunstlicht nötig?.
Tageslichtsensoren können LED-Licht ergänzen
Eine automatische Lichtsteuerung kann messen, wie viel natürliches Licht im Stall vorhanden ist, und die künstliche Beleuchtung entsprechend anpassen. Fällt viel Tageslicht ein, werden LED-Leuchten heruntergedimmt; bei Bewölkung oder abnehmender Außenhelligkeit erhöht die Steuerung ihre Leistung wieder. Damit lässt sich eine gewünschte Mindestbeleuchtungsstärke bei geringerem Stromverbrauch halten.
Ein einzelner Sensor ist jedoch nicht automatisch ausreichend. Befindet er sich direkt neben einem Fenster, kann er hohe Werte erfassen, während weiter innen im Stall deutlich weniger Licht vorhanden ist. Die Position des Sensors muss deshalb zur Lichtverteilung im Gebäude passen.
Bei großen oder stark gegliederten Ställen können mehrere Regelzonen sinnvoll sein. Fensternahe Leuchten lassen sich dann stärker reduzieren als Beleuchtungssysteme in der Stallmitte.
LED und Tageslicht sollten nicht gegeneinander arbeiten
Eine künstliche Beleuchtung sollte die Schwächen des vorhandenen Tageslichts ausgleichen. Sind die Fensterbereiche bereits ausreichend hell, muss dort nicht zwingend dieselbe künstliche Lichtleistung eingesetzt werden wie in der Gebäudemitte. Gleichzeitig sollten durch eine zu starke Dimmung keine neuen dunklen Zwischenzonen entstehen.
Gerade hier zeigt sich der Vorteil einer zonenweise steuerbaren LED-Beleuchtung im Hühnerstall. Lichtreihen können getrennt geregelt werden, sodass sich die elektrische Beleuchtung an die natürliche Verteilung anpassen lässt.
Das Ziel ist nicht, Tageslicht möglichst vollständig durch LED zu ersetzen. Sinnvoller ist ein System, bei dem beide Lichtquellen zusammen eine passende und stabile Beleuchtung erzeugen.
Verändert Fensterglas das Lichtspektrum?
Ja. Nicht jedes transparente Material lässt alle Wellenlängen gleichermaßen passieren. Das betrifft besonders den UV-Bereich. Normales Glas kann UV-Anteile stark reduzieren, während bestimmte Kunststoffe oder Spezialmaterialien eine andere spektrale Transmission besitzen.
Für Hühner ist das relevant, weil sie UV-A wahrnehmen können. Ein Fenster, das für den Menschen hell und farbneutral aussieht, muss für das Huhn daher nicht dieselbe spektrale Qualität wie direktes Außenlicht bereitstellen.
Bei Neubauten oder dem Austausch großer Lichtflächen kann deshalb neben der sichtbaren Lichtdurchlässigkeit auch die spektrale Transmission interessant sein. Die Frage nach dem UV-A-Anteil sollte allerdings zusammen mit Arbeitsschutz, Materialalterung und der gesamten Stallbeleuchtung bewertet werden.
Mehr zu UV-A und den Unterschieden zwischen menschlicher und tierischer Farbwahrnehmung steht im Beitrag Welche Lichtfarbe ist für Hühner geeignet?.
Verschmutzte Fenster können viel Licht kosten
Fensterflächen in landwirtschaftlichen Gebäuden bleiben nicht dauerhaft so lichtdurchlässig wie unmittelbar nach dem Einbau. Staub, organische Ablagerungen und Verschmutzungen auf Innen- und Außenseite reduzieren den Lichteinfall. In Geflügelställen mit hoher Staubbelastung kann dieser Effekt erheblich sein.
Deshalb sollte die Reinigung der Lichtöffnungen Teil des Wartungskonzepts sein. Ein Stall kann baulich genügend Fensterfläche besitzen und trotzdem deutlich dunkler werden, wenn ein großer Teil der Lichtdurchlässigkeit durch Verschmutzung verloren geht.
Eine regelmäßige Luxmessung an festgelegten Punkten kann solche Veränderungen sichtbar machen. Werden bei vergleichbaren Außenbedingungen über längere Zeit sinkende Werte gemessen, sollten neben den Leuchten auch Fenster und lichtdurchlässige Bauteile geprüft werden.
Auch Lüftungsklappen und Einrichtungen erzeugen Schatten
Nicht nur Wände und Volieren beeinflussen die Lichtverteilung. Lüftungsklappen, Rohrleitungen, Futtertechnik, Kotbänder und tragende Bauteile können Teile des Tageslichts abschatten. Abhängig vom Sonnenstand verändert sich dieser Schatten im Tagesverlauf.
Dadurch können einzelne Bereiche morgens gut beleuchtet und einige Stunden später deutlich dunkler sein. Eine Messung zu nur einer Uhrzeit erfasst solche Veränderungen nicht vollständig.
Bei problematischen Bereichen sollte deshalb beobachtet werden, ob die Tiere diese Zonen zu bestimmten Tageszeiten anders nutzen. Lichtplanung und Tierbeobachtung ergänzen sich hier besser als eine reine rechnerische Betrachtung.
Wie misst man die Tageslichtverteilung im Hühnerstall?
Für eine einfache praktische Kontrolle können mehrere feste Messpunkte über den Stall verteilt werden. Die Beleuchtungsstärke wird auf der für die Tiergruppe relevanten Höhe gemessen und anschließend miteinander verglichen. Bei Volieren sollten zusätzlich unterschiedliche Ebenen berücksichtigt werden.
Um das Tageslicht selbst zu beurteilen, ist es sinnvoll, Messungen zu verschiedenen Tageszeiten und unter unterschiedlichen Wetterbedingungen zu wiederholen. Eine Messung bei wolkenlosem Himmel zeigt andere Werte als eine Messung bei dichter Bewölkung. Werden zusätzlich die Außenbedingungen dokumentiert, lassen sich spätere Messungen besser vergleichen.
Die DLG verweist auf Rastermessungen zur Beurteilung der Helligkeitsverteilung. Für die betriebliche Kontrolle können auch ausgewählte Funktionsbereiche mit ausreichend vielen Messpunkten untersucht werden.
Durchschnittliche Luxwerte können täuschen
Ein Mittelwert verdeckt starke Unterschiede. Angenommen, die Hälfte eines Bereichs erhält 40 Lux und die andere Hälfte nur 5 Lux: Der rechnerische Durchschnitt sagt wenig darüber aus, wie unterschiedlich die Tiere diese beiden Zonen erleben.
Die DLG zeigt für künstliche Beleuchtung ein Beispiel, bei dem ein auf durchschnittlich 20 Lux ausgelegter Stall unmittelbar unter der Leuchte etwa 75 Lux und am Rand nur rund 3 Lux erreichen kann. Bei Tageslicht können die Unterschiede durch Fenster und direkte Sonneneinstrahlung noch ausgeprägter sein.
Deshalb sollten nicht nur Durchschnittswerte dokumentiert werden. Besonders niedrige und besonders hohe Messpunkte sind für die Bewertung der Verteilung häufig aussagekräftiger.
Wie hell sollte der Stall bei Tageslicht sein?
Für Masthühner gilt im entsprechenden Anwendungsbereich während der Lichtstunden eine Mindestbeleuchtungsstärke von 20 Lux in Kopfhöhe auf mindestens 80 Prozent der Nutzfläche. Ob diese 20 Lux aus Tageslicht, künstlicher Beleuchtung oder einer Kombination stammen, ist für den tatsächlich vorhandenen Messwert zunächst unerheblich.
Bei Legehennen enthält die deutsche Verordnung keinen allgemeinen Lux-Mindestwert für die Hellphase. Fachlich werden etwa 20 Lux auf Augenhöhe häufig als Orientierung herangezogen, während bestimmte Funktionsbereiche bewusst dunkler sein können.
Die ausführlichen Werte und Messregeln behandeln wir unter Wie viel Lux brauchen Hühner im Stall?.
Tageslicht darf die Dunkelphase nicht unbemerkt verkürzen
Fenster bringen nicht nur tagsüber Licht in den Stall. In den frühen Morgen- und späten Abendstunden kann bereits beziehungsweise noch genügend Helligkeit vorhanden sein, um die für die Tiere wahrnehmbare Photoperiode zu verlängern. Im Sommer ist dieser Effekt besonders ausgeprägt.
Bei Legehennen müssen Lichtprogramm und natürliche Tageslänge deshalb gemeinsam betrachtet werden. Wird ein künstliches Programm bis spät abends gefahren, obwohl morgens bereits früh Tageslicht einfällt, kann die tatsächliche Nacht deutlich kürzer werden als auf der Steuerung vorgesehen.
Auch Außenbeleuchtung kann eine Rolle spielen. Hoflampen oder Scheinwerfer, die durch Stallfenster einfallen, können einzelne Bereiche während der vorgesehenen Dunkelperiode aufhellen. Mehr zu den Anforderungen an die Nachtphase steht im Beitrag Dunkelphase bei Hühnern: Wie lange müssen Hühner schlafen?.
Fenster und Freilandzugang sind nicht dasselbe
Ein Fenster bringt natürliches Licht in den Stall, ersetzt aber nicht die Lichtbedingungen im Freien. Fenstermaterial verändert das Spektrum, die Beleuchtungsstärke ist im Gebäude geringer und direkte beziehungsweise diffuse Strahlung verteilt sich anders.
Hühner mit Auslauf erleben deshalb einen wesentlich stärkeren Wechsel zwischen Innen- und Außenbeleuchtung. An einem hellen Tag kann die Beleuchtungsstärke draußen um ein Vielfaches höher liegen als im Stall. Die Tiere müssen sich beim Wechsel an diese Unterschiede anpassen.
Für Freilandhaltungen ist es daher sinnvoll, extreme Helligkeitssprünge im Eingangsbereich zu vermeiden. Ein sehr dunkler Stall hinter einem hellen Auslauf kann die Orientierung beim Betreten des Gebäudes erschweren.
Ein heller Stall ist für Betreuungspersonal ebenfalls wichtig
Stallbeleuchtung dient nicht ausschließlich den Tieren. Beschäftigte müssen Hühner kontrollieren, Verletzungen erkennen, Technik prüfen und Reinigungsarbeiten durchführen können. Dafür ist eine ausreichende Beleuchtungsstärke ebenso erforderlich wie eine brauchbare Farbwiedergabe.
Natürliches Licht kann dabei Vorteile bieten, ist aber nicht jederzeit zuverlässig verfügbar. Früh morgens, abends und an dunklen Wintertagen muss künstliche Beleuchtung die Arbeitsbedingungen sicherstellen. Deshalb sollte eine Anlage nicht ausschließlich danach ausgelegt werden, welchen Mindestwert die Tiere benötigen.
Die DLG empfiehlt für künstliche Geflügelstallbeleuchtung auch eine gute Farbwiedergabe, damit Auffälligkeiten an den Tieren zuverlässig erkannt werden können. Tageslicht und LED-Beleuchtung erfüllen damit sowohl tierbezogene als auch arbeitspraktische Funktionen.
Wie sollte Tageslicht bei einem Neubau geplant werden?
Bei einem Neubau ist Tageslicht wesentlich einfacher sinnvoll zu gestalten als bei einer späteren Nachrüstung. Lage des Gebäudes, Himmelsrichtung, Stallbreite, Fensterhöhe und mögliche Oberlichter können bereits vor Baubeginn aufeinander abgestimmt werden. Eine Lichtsimulation kann zeigen, wo im Jahresverlauf besonders helle und dunkle Bereiche entstehen.
Die Planung sollte gleichzeitig die künstliche Beleuchtung berücksichtigen. Wenn bereits bekannt ist, wo Tageslicht zuverlässig vorhanden sein wird, können LED-Reihen und Regelzonen entsprechend angeordnet werden. Auch Möglichkeiten zur Verschattung oder Verdunkelung lassen sich frühzeitig integrieren.
Besonders bei breiten Stallgebäuden reicht die reine Berechnung der vorgeschriebenen Fensterfläche nicht aus. Entscheidend bleibt die Lichtverteilung im Inneren.
Was lässt sich in bestehenden Ställen verbessern?
Bei Bestandsgebäuden ist eine vollständige Änderung der Fensteranordnung oft wirtschaftlich nicht sinnvoll. Trotzdem lassen sich Lichtverhältnisse verbessern. Verschmutzte Lichtflächen können gereinigt, stark verschattende Einbauten überprüft und dunkle Zonen gezielt mit künstlicher Beleuchtung ergänzt werden.
Bei direkter Sonneneinstrahlung können geeignete Verschattungselemente helfen, extreme Lichtflecken zu reduzieren. Gleichzeitig sollte geprüft werden, ob dadurch nicht zu viel Tageslicht verloren geht und anschließend dauerhaft mehr Kunstlicht benötigt wird.
Vor größeren Umbauten lohnt sich eine Bestandsaufnahme mit Luxmessungen zu mehreren Tageszeiten. Erst danach lässt sich entscheiden, ob zusätzliche Fenster, Verschattung, eine veränderte LED-Anordnung oder eine Kombination dieser Maßnahmen sinnvoll ist.
Tageslicht und Stallbeleuchtung als ein System betrachten
Tageslicht besitzt für Hühner wichtige Eigenschaften, lässt sich aber weder in seiner Intensität noch in seiner Dauer vollständig kontrollieren. Eine gute Stallbeleuchtung nutzt deshalb natürliches Licht, ohne sich ausschließlich darauf zu verlassen. Fenster sorgen für Tageslichteinfall, während LED-Systeme schwache oder ungleichmäßig beleuchtete Bereiche ergänzen und definierte Lichtprogramme ermöglichen.
Die Drei-Prozent-Regel für bestimmte Legehennen- und Masthühnerställe ist dabei nur eine bauliche Mindestanforderung. Für die Tiere entscheidend ist, wie sich das Licht tatsächlich auf der Nutzfläche verteilt. Sehr helle Sonnenflecken, große Dunkelzonen und starke saisonale Schwankungen müssen ebenso berücksichtigt werden wie die reine Fensterfläche.
Wer Tageslicht, LED-Beleuchtung, Beleuchtungsstärke und Lichtprogramm gemeinsam plant, kann eine stabilere Lichtumgebung schaffen und gleichzeitig künstliches Licht dort einsetzen, wo es tatsächlich benötigt wird.
Quellen
- Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung § 13 – Haltungseinrichtungen für Legehennen
- Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung § 18 – Haltungseinrichtungen für Masthühner
- DLG-Merkblatt 438: Beleuchtung und Beleuchtungstechnik im Geflügelstall
