Die Futteraufnahme von Trockenstehern wird oft unterschätzt, obwohl sie für die Gesundheit und Produktivität der Milchkühe von großer Bedeutung ist. Neue Erkenntnisse aus dem Bundesprogramm „Nutzierhaltung“ zeigen, dass unter optimalen Bedingungen deutlich höhere Mengen aufgenommen werden können als bisher angenommen.
Aktuelle Versorgungsempfehlungen
Die Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) hat kürzlich ihre Empfehlungen zur Versorgung von trockenstehenden Kühen präzisiert. Diese Anpassungen sind entscheidend, da sie den Energie- und Proteinbedarf in der Phase vor der Kalbung genauer definieren. Entsprechend hat die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) ihre Richtwerte zur Rationsgestaltung überarbeitet.
Laut DLG-Information 01/2025 sollte die tägliche Trockenmasseaufnahme (TM) mindestens 13 kg betragen, was etwa 1,8 % des Körpergewichts entspricht. Für eine Holstein-Kuh mit einem Gewicht von 780 kg bedeutet dies eine Aufnahme von etwa 14 kg TM pro Tag. Unter idealen Bedingungen könnten es sogar mehr als 15 kg sein.
Experimentelle Beobachtungen auf Haus Riswick
Im Rahmen eines Projekts auf Haus Riswick wurden diese Annahmen überprüft. Die Ergebnisse zeigen, dass Kühe unter optimalen Haltungsbedingungen durchschnittlich 17,1 kg TM täglich aufnehmen können. Dabei sank die Aufnahme von 18,1 kg sechs Wochen vor der Kalbung auf etwa 15,1 kg in der letzten Woche.
In Versuchen mit 48 Kühen variierte die Belegungsdichte zwischen 33 % und fast voller Auslastung. Die Tiere erhielten eine einphasige Ration gemäß den neuen DLG-Empfehlungen. Zur Sicherstellung einer ausgewogenen Nährstoffverteilung wurde die Ration täglich mit Frischwasser ergänzt.
Nährstoffversorgung und Körpermasseentwicklung
Die analysierten Futtermittel zeigten eine höhere Energiekonzentration als empfohlen, wodurch das Energiesaldo im Untersuchungszeitraum positiv blieb. Trotz der hohen Energieaufnahme kam es nicht zu einer Verfettung der Tiere, was darauf hindeutet, dass eine energieärmere Ration vorteilhaft gewesen wäre.
Die Konzentration an dünndarmverdaulichem Protein lag leicht unter den DLG-Empfehlungen, war jedoch aufgrund der hohen Nahrungsaufnahme insgesamt ausreichend. Ein negativer Proteinsaldo zeigte sich nur bei Färsen in der letzten Woche vor der Kalbung, blieb aber innerhalb des tolerierbaren Bereichs.
Bedeutung für die Praxis
Die Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit einer genauen Überwachung der Futteraufnahme bei Trockenstehern als Kontrollinstrument zur Optimierung der Nährstoffversorgung. Vernachlässigungen können zu ineffektiven Rationskonzepten führen, die schwer umzusetzen sind und letztendlich die Produktivität beeinträchtigen.
Zusammenfassend zeigen die Studienergebnisse von Haus Riswick das Potenzial hoher Futteraufnahmen unter guten Bedingungen auf und unterstreichen die Wichtigkeit einer bedarfsgerechten Rationsgestaltung in Verbindung mit präziser Nahrungsaufnahmeüberwachung.
