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Schweinefleischverbrauch steigt weltweit bis 2035 um 4 Prozent

Der weltweite Verbrauch von Schweinefleisch wird bis 2035 voraussichtlich um rund 4 Prozent steigen. Das entspricht einer zusätzlichen Nachfrage von etwa sechs Millionen Tonnen gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2023 bis 2025. Gleichzeitig rechnen die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Welternährungsorganisation FAO mit einem Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauchs. Vor allem in Lateinamerika und Teilen Asiens wächst der Markt, während die Nachfrage in der Europäischen Union unter Druck bleibt.

Die Prognose stammt aus dem Ende Juni 2026 veröffentlichten OECD-FAO Agricultural Outlook 2026–2035. Demnach entwickelt sich der Schweinefleischmarkt deutlich langsamer als andere Bereiche der weltweiten Fleischerzeugung. Besonders Geflügelfleisch gewinnt weiter an Bedeutung.

Weltbevölkerung treibt Nachfrage nach Schweinefleisch

Das erwartete Wachstum des weltweiten Schweinefleischverbrauchs geht vor allem auf die Bevölkerungsentwicklung und steigende Einkommen in Schwellenländern zurück. Mit zunehmender Kaufkraft verändert sich dort die Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln.

Nach Berechnungen von OECD und FAO wird der gesamte Fleischverbrauch bis 2035 um rund 12 Prozent auf etwa 412 Millionen Tonnen steigen. Schweinefleisch trägt mit einem Anteil von 13 Prozent zum zusätzlichen Verbrauch bei.

Der globale Pro-Kopf-Verbrauch von Schweinefleisch soll dagegen um etwa 4 Prozent gegenüber dem Durchschnitt 2023 bis 2025 sinken. Das liegt unter anderem daran, dass die Bevölkerung besonders stark in Regionen wächst, in denen Schweinefleisch traditionell eine geringere Bedeutung hat.

Der steigende Gesamtverbrauch bedeutet somit nicht, dass die Menschen weltweit künftig mehr Schweinefleisch pro Person essen werden.

Lateinamerika mit stärkstem Zuwachs je Einwohner

Besonders günstige Aussichten für den Schweinefleischmarkt sehen die Organisationen in Lateinamerika. Dort soll der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch bis 2035 um durchschnittlich 1,2 Kilogramm zunehmen.

Ein wesentlicher Grund dafür ist das Preisverhältnis zwischen Schweine- und Rindfleisch. Schweinefleisch bleibt für viele Verbraucher eine preislich attraktive Alternative.

Gleichzeitig wird in mehreren lateinamerikanischen Ländern die Schweineproduktion ausgebaut. Größere, stärker integrierte Betriebe und Fortschritte in der Produktionstechnik sollen die Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Auch in Teilen Asiens steigt der Bedarf an Fleisch. Länder wie Indonesien, die Philippinen und Vietnam gehören nach der OECD-FAO-Prognose zu den wichtigen Wachstumsmärkten für den gesamten Fleischsektor. Allerdings entfällt ein erheblicher Teil der dort zusätzlich nachgefragten Mengen auf Geflügelfleisch.

Für Afrika rechnen die Experten bis 2035 mit einem Anstieg des gesamten Fleischverbrauchs um etwa 32 Prozent. Hauptursache ist das starke Bevölkerungswachstum. Die zusätzliche Nachfrage verteilt sich jedoch auf unterschiedliche Fleischarten. Ein entsprechender Anstieg speziell beim Schweinefleisch lässt sich daraus nicht ableiten.

China: Schweinefleischimporte verlieren an Bedeutung

In China, dem weltweit größten Schweinefleischmarkt, wird für die kommenden Jahre nur ein begrenztes Nachfragewachstum erwartet. Der Rückgang der Bevölkerung und die bereits hohen Verbrauchsmengen begrenzen die weitere Entwicklung.

Zugleich verändert sich Chinas Rolle im internationalen Schweinefleischhandel. Das Land arbeitet daran, seine Eigenversorgung zu erhöhen und weniger Fleisch importieren zu müssen.

Nach der OECD-FAO-Prognose dürfte die steigende Selbstversorgung die chinesische Importnachfrage weiter dämpfen. Für große Exportländer ist diese Entwicklung bedeutsam, da China über Jahre zu den wichtigsten Abnehmern von Schweinefleisch gehörte.

Eine höhere Eigenproduktion bedeutet allerdings nicht zwangsläufig einen entsprechend steigenden Verbrauch. Auch die Nachfrage der Verbraucher und die Entwicklung der heimischen Erzeugerpreise bestimmen, wie viel Schweinefleisch auf dem chinesischen Markt abgesetzt werden kann.

EU: Schweinefleischverbrauch soll weiter sinken

Während die weltweite Nachfrage leicht zunimmt, rechnen OECD und FAO für die Europäische Union mit einem rückläufigen Schweinefleischverbrauch.

Dafür nennen die Organisationen veränderte Ernährungsgewohnheiten sowie gesundheitliche und ökologische Überlegungen. Ein Teil der Verbraucher bevorzugt zunehmend Geflügelfleisch, das häufig günstiger angeboten wird.

Die Europäische Kommission erwartet in ihrem Agrarausblick 2025 bis 2035 außerdem einen weiteren Rückgang der Schweinefleischerzeugung in der EU. Neben der Nachfrageentwicklung beeinflussen kleinere Tierbestände und wirtschaftliche Rahmenbedingungen die Produktion.

Für europäische Schweinehalter bedeutet die Entwicklung, dass zusätzliche Absatzmengen auf dem heimischen Markt nur begrenzt zu erwarten sind. Auch die Exportperspektiven hängen zunehmend davon ab, wie sich die Eigenproduktion wichtiger Importländer entwickelt.

Geflügelfleisch wächst deutlich schneller

Im internationalen Vergleich verliert Schweinefleisch gegenüber Geflügel weiter an Wachstumsdynamik.

Bis 2035 soll der weltweite Geflügelfleischverbrauch laut OECD und FAO um etwa 20 Prozent beziehungsweise 29 Millionen Tonnen steigen. Für Schweinefleisch beträgt der erwartete Zuwachs dagegen lediglich sechs Millionen Tonnen.

Geflügelfleisch profitiert besonders von vergleichsweise niedrigen Produktionskosten, kurzen Mastzyklen und der Möglichkeit, die Erzeugung relativ schnell an eine veränderte Nachfrage anzupassen.

Beim Schweinefleisch fällt diese Anpassung langsamer aus. Zudem können Tierseuchen wie die Afrikanische Schweinepest die Produktion und den internationalen Warenverkehr erheblich beeinträchtigen.

Schweinefleischhandel steht vor Veränderungen

Die regional unterschiedlichen Entwicklungen dürften sich zunehmend auf den internationalen Schweinefleischhandel auswirken.

Vor allem Chinas sinkende Importabhängigkeit verändert die Absatzmöglichkeiten der bisherigen Lieferländer. Gleichzeitig entstehen in anderen Regionen zusätzliche Märkte, deren Nachfrage jedoch häufig deutlich geringer ausfällt.

Nach Einschätzung von OECD und FAO wird der gesamte internationale Fleischhandel bis 2035 langsamer wachsen als in den vergangenen zehn Jahren. Neben der Nachfrageentwicklung spielen dabei die Wettbewerbsfähigkeit der Erzeugerländer, Handelsbedingungen und mögliche Tierseuchenausbrüche eine wichtige Rolle.

Die Organisationen gehen außerdem davon aus, dass die realen Weltmarktpreise für Schweinefleisch bis 2035 um rund 20 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2023 bis 2025 liegen könnten. Grundlage dieser Erwartung sind unter anderem Produktivitätsfortschritte und langfristig niedrigere reale Futterkosten.

Die Prognose beschreibt allerdings einen längerfristigen Trend und keine kontinuierliche Preisentwicklung. Kurzfristige Preisschwankungen durch Tierseuchen, steigende Produktionskosten oder Handelsbeschränkungen bleiben möglich.

Quellen