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Russlands Getreideexporte über Häfen brechen um 81 Prozent ein

Russland hat seine Getreideverschiffungen in den ersten zehn Tagen des Oktober 2026 drastisch reduziert. Über die russischen Häfen wurden lediglich 436.000 Tonnen Getreide exportiert. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 2,3 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Rückgang von rund 81 Prozent. Die Zahlen stammen aus dem Monitoring des Russischen Getreideverbandes (RZS), über das die Nachrichtenagentur Interfax berichtet.

Besonders stark gingen die Ausfuhren von Weizen, Gerste und Mais zurück. Gleichzeitig schrumpfte die Zahl der beteiligten Exportunternehmen und Verladehäfen erheblich.

Weizenexporte sinken auf 427.400 Tonnen

Nach Angaben von Elena Tjurina, Leiterin der Analyseabteilung des Russischen Getreideverbandes, wurden vom 1. bis 10. Oktober lediglich 427.400 Tonnen Weizen über russische Häfen verschifft. Ein Jahr zuvor waren es rund zwei Millionen Tonnen gewesen. Die Menge verringerte sich damit auf gut ein Fünftel des Vorjahresniveaus.

Noch deutlicher fiel der Rückgang bei Gerste aus. Die Verschiffungen sanken von 233.500 auf nur noch 5.500 Tonnen. Bei Mais reduzierte sich die Menge von 51.000 auf rund 2.700 Tonnen.

Auch die Zahl der Weizenexporteure nahm stark ab. Während in der ersten Oktoberdekade 2025 noch 35 Unternehmen Getreide verschifften, waren es im gleichen Zeitraum 2026 lediglich zehn.

Ägypten kauft deutlich weniger russischen Weizen

Die rückläufigen Exportmengen spiegeln sich auch in der Zahl der Abnehmerländer wider. Russischer Weizen wurde Anfang Oktober in zwölf Länder geliefert. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 21 gewesen.

Größter Abnehmer blieb Ägypten. Allerdings brachen die Lieferungen dorthin von 633.500 auf 86.500 Tonnen ein. Das entspricht einem Rückgang um rund 86 Prozent.

Eine gegenläufige Entwicklung zeigte sich in Algerien. Das nordafrikanische Land steigerte seine Weizenimporte aus Russland von 5.800 auf 60.300 Tonnen und belegte damit den zweiten Platz unter den Abnehmern.

Nach Angaben des Getreideverbandes wurden zudem die Lieferungen nach Vietnam wieder aufgenommen. In den ersten zehn Oktobertagen gingen 48.000 Tonnen Weizen dorthin, während im entsprechenden Vorjahreszeitraum keine Verschiffungen registriert worden waren.

Bei Gerste und Mais konzentrierte sich der Export ausschließlich auf den Iran. Die Gerstenlieferungen in das Land sanken von 159.200 auf 5.500 Tonnen. Die Maisausfuhren beliefen sich auf rund 2.750 Tonnen und lagen damit nach Verbandsangaben etwa 16-mal niedriger als im Vorjahr.

Getreideverschiffungen verlagern sich an die Ostsee

Deutlich verändert hat sich auch die Hafenstruktur. Während Anfang Oktober 2025 noch 35 russische Häfen für den Umschlag von Getreide und Körnerleguminosen genutzt wurden, waren es 2026 nur noch sieben.

Die größten Mengen wurden über Häfen an der Ostsee verschifft. An erster Stelle stand Ust-Luga mit 159.600 Tonnen, gefolgt von Wyssozk mit 137.000 Tonnen und Sankt Petersburg mit 122.800 Tonnen.

Weitere Verschiffungen meldete der Getreideverband aus Machatschkala mit 12.300 Tonnen, Astrachan mit 11.000 Tonnen und Wladiwostok mit 5.000 Tonnen.

Die vom Verband ausgewiesenen Hafenmengen umfassen Getreide und Körnerleguminosen, während sich die gemeldete Gesamtmenge von 436.000 Tonnen auf Getreide bezieht.

Logistische Umstellungen bremsen den russischen Getreidehandel

Als Gründe für die schwachen Exportzahlen nennt Tjurina Exportbeschränkungen und die Umstellung auf neue Transportwege. Die Exporteure müssten ihre Lieferketten an veränderte logistische Bedingungen anpassen.

An einem grundsätzlichen Mangel an exportfähigem Getreide liegt der Rückgang nach Einschätzung der Verbandsvertreterin nicht. Russland erwarte für 2026 eine Getreideernte auf dem Niveau der vergangenen Saison. Auch das Exportpotenzial werde weiterhin als hoch eingeschätzt.

Eine größere Rolle könnten künftig die russischen Ostseehäfen spielen. Tjurina hält dort monatliche Getreideausfuhren von bis zu 1,5 Millionen Tonnen für möglich. Ob diese Kapazitäten tatsächlich ausgeschöpft werden können, hängt allerdings davon ab, wie schnell sich die neuen Transport- und Lieferketten etablieren.

Bereits im September waren die russischen Getreideverschiffungen deutlich hinter dem Vorjahr zurückgeblieben. Nach Angaben des Getreideverbandes wurden damals rund 1,7 Millionen Tonnen exportiert, etwa 3,8-mal weniger als im September 2025.

Quellen

  • Interfax: Russische Getreideverschiffungen Anfang Oktober um das 5,3-Fache gesunken, 12. Oktober 2026