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Milchkühe impfen: Ist der übliche Impfzeitpunkt ungünstig?

Der Zeitpunkt einer Impfung kann beeinflussen, wie Milchkühe auf den Impfstoff reagieren. Zwei Untersuchungen der University of Georgia zeigen, dass Impfungen etwa zwei Wochen vor dem Trockenstellen die Entzündungsreaktionen während der frühen Trockenstehzeit verringern können. Ob sich dadurch auch die Milchleistung verbessert, ist allerdings noch nicht eindeutig geklärt.

In vielen Milchviehbetrieben werden Schutzimpfungen zu festen Terminen im Jahresverlauf durchgeführt. Dabei bestimmen häufig Arbeitsabläufe und betriebliche Routinen den Impfzeitpunkt. Dass dieser auch Auswirkungen auf den Stoffwechsel und die spätere Milchleistung haben kann, zeigen zwei 2026 im Fachjournal Journal of Dairy Science veröffentlichte Untersuchungen.

Forscher der University of Georgia untersuchten, wie sich unterschiedliche Impftermine vor dem Trockenstellen auf die Immunreaktion von Holstein-Kühen auswirken. Dabei stellten sie fest, dass eine frühere Impfung die entzündlichen Reaktionen des Körpers zeitlich verlagert und so die Belastung zu Beginn der Trockenstehzeit verringern kann.

Studie mit 328 Milchkühen untersucht den optimalen Impfzeitpunkt

In der ersten Untersuchung teilten die Wissenschaftler 328 Holstein-Kühe eines Milchviehbetriebs in zwei Gruppen ein. Die Kontrollgruppe mit 174 Tieren erhielt die vorgesehenen Impfungen zwei Tage vor dem Trockenstellen. Bei den übrigen 154 Kühen erfolgte die Impfung bereits elf Tage vorher.

Die Forscher untersuchten anschließend verschiedene Entzündungs- und Stoffwechselmarker im Blut sowie die Immunreaktion der Tiere. Außerdem erfassten sie die Milchleistung vor dem Trockenstellen und während der folgenden Laktation.

Bei den früher geimpften Kühen stieg die Konzentration des Entzündungsmarkers Haptoglobin bereits während der auslaufenden Laktation an. In der Kontrollgruppe fiel die entsprechende Reaktion dagegen in die ersten Tage der Trockenstehzeit.

Auch bei der Untersuchung bestimmter Immunzellen zeigten sich Unterschiede. Kühe, die erst kurz vor dem Trockenstellen geimpft worden waren, wiesen anschließend eine stärkere Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe auf.

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass sich die durch die Impfung ausgelöste Entzündungsreaktion durch einen früheren Termin besser von den körperlichen Veränderungen beim Trockenstellen trennen lässt.

Frühere Impfung senkt zunächst die Milchleistung

Allerdings hatte der vorgezogene Impftermin auch kurzfristige Nachteile. Bei mehrfach abgekalbten Kühen sank die tägliche Milchleistung nach der Impfung zeitweise um 4,1 bis 11,6 Prozent. Bei Tieren in der ersten Laktation betrug der Rückgang zwischen 4,1 und 7,1 Prozent.

Interessant waren die Ergebnisse nach der nächsten Kalbung. Mehrfach abgekalbte Kühe, die elf Tage vor dem Trockenstellen geimpft worden waren, erzielten in der folgenden Laktation höhere beziehungsweise tendenziell höhere Milch- und Milchinhaltsstoffleistungen.

Bei erstlaktierenden Kühen konnten die Forscher dagegen keine entsprechenden Unterschiede feststellen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ältere Kühe stärker von einer Verringerung der entzündlichen Belastung zu Beginn der Trockenstehzeit profitieren könnten. Allerdings stammt die Untersuchung aus einem einzelnen Milchviehbetrieb mit spezifischen Fütterungs- und Trockenstellverfahren.

Zweite Untersuchung bestätigt geringere Entzündungsreaktionen

Eine weitere Studie derselben Forschungsgruppe untersuchte 167 Holstein-Kühe. Dabei verglichen die Wissenschaftler Impfungen am Tag des Trockenstellens mit Impfungen 14 Tage vorher.

Zusätzlich wurde geprüft, ob die Verabreichung des entzündungshemmenden Wirkstoffs Meloxicam rund um das Trockenstellen weitere Vorteile bringt.

Auch in dieser Untersuchung zeigte sich, dass die frühere Impfung die Entzündungsreaktion in die auslaufende Laktation verlagerte. Nach dem Trockenstellen waren die Haptoglobinwerte bei den früher geimpften Tieren niedriger. Zudem unterschieden sich die Körpertemperatur und verschiedene Entzündungsparameter zwischen den Gruppen.

Die frühere Impfung verringerte erneut vorübergehend die Milchleistung vor dem Trockenstellen. Anders als in der ersten Untersuchung ergaben sich jedoch keine nachweisbaren Unterschiede bei der Milchproduktion in der folgenden Laktation.

Auch die zusätzliche Behandlung mit Meloxicam brachte bei den untersuchten Parametern überwiegend keine deutlichen Vorteile.

Beide Studien bestätigen somit einen Einfluss des Impfzeitpunkts auf die Entzündungsreaktion. Ob daraus regelmäßig eine höhere Milchleistung resultiert, lässt sich aus den bisherigen Ergebnissen nicht ableiten.

Muttertierimpfungen können den Immunschutz der Kälber verbessern

Der richtige Impfzeitpunkt spielt außerdem eine Rolle, wenn Schutzimpfungen nicht allein die Kuh, sondern auch ihr Kalb schützen sollen.

Bei bestimmten Muttertierimpfungen werden während der Trächtigkeit gezielt Antikörper gebildet, die über das Kolostrum an das neugeborene Kalb weitergegeben werden. Die Wirkung solcher Impfprogramme wurde bereits in mehreren Untersuchungen nachgewiesen.

Eine 2022 im Fachjournal BMC Veterinary Research veröffentlichte brasilianische Studie untersuchte beispielsweise die Impfung von 117 tragenden Nelore-Rindern gegen Erreger des Kälberdurchfalls. Die geimpften Tiere erhielten den Impfstoff etwa 50 bis 60 Tage vor dem erwarteten Geburtstermin.

Ihre Kälber wiesen anschließend höhere Konzentrationen spezifischer Antikörper gegen bovine Rota- und Coronaviren auf. Durchfallerkrankungen traten bei 18,6 Prozent der Kälber geimpfter Muttertiere und bei 29,3 Prozent der Kontrollgruppe auf. Der Unterschied war allerdings statistisch nicht signifikant.

Eine weitere Untersuchung, veröffentlicht 2023 in der Fachzeitschrift Vaccines, beschäftigte sich mit dem Bovinen Respiratorischen Synzytialvirus (BRSV). Dabei wurden 28 Kälber mit Kolostrum von geimpften beziehungsweise ungeimpften Kühen versorgt und später gezielt mit dem Virus infiziert.

Kälber, die Kolostrum von geimpften Muttertieren erhalten hatten, entwickelten deutlich seltener schwere Krankheitssymptome. Eine vollständige Verhinderung der Infektion oder Virusausscheidung ließ sich jedoch nicht nachweisen.

Diese Untersuchungen belegen den Nutzen gezielter Muttertierimpfungen für den passiven Immunschutz der Kälber. Sie liefern allerdings keinen Beleg dafür, dass Impfungen grundsätzlich zwei Wochen vor dem Trockenstellen eine bessere Kolostrumqualität bewirken.

Impfprogramme sollten nicht pauschal umgestellt werden

Die Untersuchungen aus den USA liefern neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Impfzeitpunkt, Entzündungsreaktion und Milchleistung. Eine allgemeine Empfehlung, sämtliche Impfungen vorzuverlegen, ergibt sich daraus jedoch nicht.

In den beiden Studien wurden bestimmte Impfstoffkombinationen eingesetzt. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf Impfungen gegen IBR, BVD, Leptospirose oder andere Rinderkrankheiten übertragen.

Hinzu kommt, dass für einzelne Impfstoffe feste Intervalle zwischen Grundimmunisierung, Auffrischungsimpfung und Kalbung vorgeschrieben sind. Bei Muttertierimpfungen muss ausreichend Zeit für die Bildung und Übertragung schützender Antikörper eingeplant werden.

Für Milchviehbetriebe können die Forschungsergebnisse dennoch ein Anlass sein, bestehende Impfprogramme gemeinsam mit dem betreuenden Tierarzt zu überprüfen. Besonders bei Impfungen unmittelbar vor oder während des Trockenstellens könnte eine zeitliche Verlagerung sinnvoll sein, sofern die Zulassungsvorgaben des jeweiligen Impfstoffs dies erlauben.

Quellen: