Die anhaltende Dürreperiode in diesem Sommer hat in Baden-Württemberg und Bayern zu erheblichen Ernteverlusten geführt. Besonders betroffen sind Grünlandflächen und der Anbau von Sommerfrüchten, was die Futterversorgung stark beeinträchtigt.
Historische Dürre in Süddeutschland
In diesem Jahr erlebten Baden-Württemberg und Bayern eine außergewöhnliche Trockenheit, die auch Regionen traf, die normalerweise von ausreichendem Niederschlag profitieren. Süd- und Südostbayern sowie Teile Südwürttembergs litten unter einem Rekordniveau an Hitze und Trockenheit. Selbst in den Alpenregionen blieb der Regen aus.
Gravierende Auswirkungen auf Futterbau
Die Folgen der Trockenheit sind besonders im Grünland und Feldfutterbau spürbar. Laut dem Landesbauernverband Baden-Württemberg sind in nahezu allen Gebieten seit dem zweiten Schnitt kaum Aufwüchse zu verzeichnen. Der dritte und vierte Schnitt fielen vielerorts komplett aus, was zu einem Futterverlust von mindestens 30 bis 40 Prozent führte. In einigen Regionen belaufen sich die Verluste sogar auf bis zu 50 Prozent.
Engpässe bei Raufutter
Die Verfügbarkeit von Raufutter wie Heu und Stroh ist stark eingeschränkt, da viele Betriebe bereits ihre Wintervorräte nutzen müssen. Rukwied vom Landesbauernverband warnt vor einer kritischen Versorgungslage für tierhaltende Betriebe im Winter. Die Nachfrage nach Raufutter ist durch Einkäufe aus der Schweiz und Österreich zusätzlich gestiegen, was die Preise um etwa 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ansteigen ließ.
Schnitte fallen aus
In Bayern war schon der erste Schnitt oft mager, insbesondere wenn die Mahd nicht rechtzeitig erfolgte. Der zweite Schnitt brachte vielerorts nur 10 Prozent des üblichen Ertrags ein. Ob ein weiterer Schnitt möglich ist, hängt von der Erholung der Grasnarben ab. Lediglich am Alpenrand, etwa im Chiemgau und Oberallgäu, sind die Bedingungen etwas besser.
Maisernte vorzeitig beendet
Aufgrund der Dürre wird in ganz Süddeutschland Mais früher als geplant gehäckselt, obwohl weder Menge noch Qualität stimmen. In Unterfranken sind bereits 50 Prozent des Silomaises geerntet. Einige Regionen haben ihre gesamte Ernte bereits abgeschlossen, berichtet das Landwirtschaftsamt Kitzingen-Würzburg. Auf sandigen Böden ist Mais vielerorts vertrocknet; selbst auf fruchtbaren Gäulagen werden nur ein Drittel der üblichen Erträge erzielt.
Mangelnde Futterversorgung führt zu Schlachtungen
Der Mangel an Futter hat dazu geführt, dass Milchviehhalter vermehrt Kühe zum Schlachten gegeben haben. Franz Mitterberger von der VVG Bayern berichtet von einem Anstieg um rund 10 Prozent verglichen mit normalen Zeiten. Im Herbst könnte dieser Trend zunehmen, wenn die Maisernte endgültig ausgewertet ist.
Zuckerrüben stark betroffen
Neben Mais leidet auch der Zuckerrübenanbau unter der Dürre. Proberodungen im Bereich des Werks Ochsenfurt zeigen einen erwarteten Rückgang des Rübenertrags um etwa 40 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der letzten fünf Jahre, wobei selbst jüngste Niederschläge keine Rettung mehr bieten können.
Niedrigere Erträge bei Druschfrüchten
Von den Druschfrüchten konnte lediglich Wintergerste normale Erträge verzeichnen. In Baden-Württemberg wurden durchschnittlich 70 Dezitonnen pro Hektar geerntet – ein Plus von 1,3 Prozent über dem Langzeitschnitt. Winterweizen (67,2 dt/ha), Sommergerste (49,6 dt/ha) und Raps (35,7 dt/ha) kommen jedoch nicht über ein Minus von etwa 10 Prozent hinaus.
Dürrejahr verschärft wirtschaftliche Lage
Berater weisen darauf hin, dass es noch zu früh sei, um endgültige Schlüsse aus diesem Trockenjahr zu ziehen. Die Mindererträge führen jedoch zweifellos zu erheblichen Einkommensverlusten für Landwirte und verschlimmern die ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation vieler Betriebe weiter.
