Die Diskussionen um die Weidepflicht in der EU-Öko-Verordnung nähern sich einem kritischen Punkt, da am 20. Oktober der entscheidende Trilog zwischen EU-Kommission, -Rat und -Parlament stattfindet. Die größten deutschen Öko-Verbände, darunter Bioland, Naturland, Demeter und Biokreis, zeigen sich besorgt über den möglichen Misserfolg der Verhandlungen.
Widerstand gegen Bayerns Vorschlag
Im Zentrum der Debatte steht ein Vorschlag für „innovative Haltungssysteme“, eingebracht von Stefan Köhler, CSU/EVP-Abgeordneter, in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Bauernverband. Diese Idee stößt jedoch auf erheblichen Widerstand sowohl im Rat als auch bei der Kommission. Die Öko-Verbände warnen davor, dass das Festhalten einzelner EVP-Vertreter an diesem Vorschlag die Chance auf dringend benötigte Verbesserungen für Bio-Betriebe verringern könnte.
Kritik an maximalistischen Forderungen
Die Verbände betonen, dass das Beharren auf einer Position ohne Mehrheit innerhalb der EU das Risiko birgt, letztlich alles zu verlieren. Dies sei nicht im Sinne der Bio-Betriebe. Für den finalen Trilog sei eine Lösung notwendig, die eine breite Zustimmung findet und nicht auf unrealistischen Maximalforderungen basiert.
Gefahr für weitere Anpassungen
Sollten die Verhandlungen scheitern, würden die bestehenden nationalen Weideregelungen unverändert bleiben, was eine verpasste Gelegenheit für mehr Flexibilität bei betroffenen Betrieben wäre. Zusätzlich wären Verbesserungen wie die Anpassung der Summenregelung und Überdachungen von Ausläufen gefährdet, da sie im selben Maßnahmenpaket behandelt werden. Dies könnte viele tierhaltende Bio-Betriebe benachteiligen.
Kompromissvorschlag vorhanden
Dennoch gibt es laut den Bioverbänden bereits einen Kompromissvorschlag innerhalb der EVP, der ein regional angepasstes Weidemanagement vorsieht. Unterstützt von IFOAM Organics Europe und dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, berücksichtigt dieser Vorschlag unterschiedliche betriebliche Voraussetzungen und bietet mehr Flexibilität ohne das grundlegende Weideprinzip infrage zu stellen. Dieser Ansatz hätte im Trilog gute Chancen auf allseitige Zustimmung und würde konkrete Verbesserungen für die Betriebe mit sich bringen.
