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Drohnen treffen vier Schiffe im Schwarzen Meer: Sieben Vermisste

Bei mehreren Drohnenangriffen auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer sind zwei Tanker vor der rumänischen Küste in Brand geraten. Sieben Seeleute werden vermisst. Zwei weitere Schiffe wurden nach NATO-Angaben in rumänischen Gewässern und im ukrainischen Donauhafen Ismajil angegriffen. Die Vorfälle ereigneten sich in unmittelbarer Nähe einer wichtigen Transportroute für ukrainische Agrarprodukte.

Folgen eines Drohnenangriffs auf das Schiff „Wine Trader“
Folgen eines Drohnenangriffs auf das Schiff „Wine Trader“. Bildquelle: Rumänisches Innenministerium

Rumäniens Präsident Nicușor Dan bestätigte am 15. Oktober 2026, dass die beiden Tanker durch Drohnen getroffen wurden. Wer für die Angriffe verantwortlich ist, ließ er zunächst offen. Eine NATO-Militärquelle erklärte gegenüber Reuters hingegen, die Drohnen seien russischer Herkunft gewesen.

Die rumänischen Behörden untersuchen die Vorfälle. Dan kündigte bei einem Treffen mit Journalisten in Brüssel eine Reaktion seines Landes an.

Sieben Seeleute nach Angriff auf Tanker vermisst

Besonders schwer wurde der Chemikalientanker Wine Trader unter der Flagge San Marinos getroffen. Das Schiff lag rund 13 Seemeilen südöstlich der Einfahrt zum Sulina-Kanal vor Anker, etwa eine Seemeile außerhalb der rumänischen Hoheitsgewässer.

Nach dem Drohnentreffer brach an Bord ein Feuer aus. Von den zwölf Besatzungsmitgliedern konnten fünf gerettet werden. Sieben weitere gelten als vermisst.

Rumänien entsandte zwei Black-Hawk-Hubschrauber und zwei Rettungsschiffe mit medizinischem Personal, um nach den Vermissten zu suchen. Hoher Wellengang erschwerte die Rettungsarbeiten.

Der zweite betroffene Tanker, die unter der Flagge der Komoren fahrende Yara J, befand sich etwa acht bis zehn Seemeilen südöstlich von Sulina innerhalb der rumänischen Hoheitsgewässer. Auch dort brach nach einem Drohnentreffer ein Feuer aus. Die gesamte Besatzung blieb jedoch unverletzt.

Beide Tanker hatten zum Zeitpunkt der Angriffe nach Reuters-Angaben keine Ladung an Bord.

Weitere Schiffe bei Ismajil und vor Rumänien angegriffen

Die beiden Tanker waren offenbar nicht die einzigen Ziele in dieser Nacht. Nach Angaben der NATO wurden zwei weitere Handelsschiffe von Drohnen getroffen.

Dabei handelte es sich um den unter der Flagge der Marshallinseln fahrenden Massengutfrachter Sea Destiny, der sich in rumänischen Hoheitsgewässern aufhielt, sowie den Tanker Dania J unter tansanischer Flagge. Letzterer lag im ukrainischen Hafen Ismajil an der Donau.

Über Verletzte oder Vermisste auf diesen beiden Schiffen lagen zunächst keine Meldungen vor.

Die Angriffe ereigneten sich in einer Region, in der die Handelsschifffahrt wegen des Krieges in der Ukraine bereits erheblichen Sicherheitsrisiken ausgesetzt ist.

Sulina-Kanal ist wichtige Route für ukrainische Getreideexporte

Der Sulina-Kanal verbindet die Donau mit dem Schwarzen Meer und spielt eine wichtige Rolle beim Transport ukrainischer Agrarprodukte. Über die Donauhäfen Ismajil und Reni kann die Ukraine Getreide und andere Waren verschiffen, ohne ausschließlich auf ihre großen Schwarzmeerhäfen angewiesen zu sein.

Die Angriffe nahe der Kanaleinfahrt betreffen damit einen für den ukrainischen Außenhandel besonders sensiblen Seeweg. Dort warten Handelsschiffe regelmäßig auf die Weiterfahrt durch den Kanal oder auf die Abfertigung in den Donauhäfen.

Auch wenn die beiden beschädigten Tanker selbst keine Ladung transportierten, erhöhen die Vorfälle die Sicherheitsrisiken für die gesamte Handelsschifffahrt in diesem Gebiet. Angaben über konkrete Einschränkungen des Getreidetransports infolge der jüngsten Angriffe liegen bislang nicht vor.

Bereits mehrere Angriffe auf Handelsschiffe im Oktober

Die jüngsten Vorfälle sind Teil einer Serie von Angriffen auf zivile Schiffe im westlichen Schwarzen Meer. Nach Reuters-Angaben wurden innerhalb der vorangegangenen zehn Tage mindestens fünf weitere Handelsschiffe nahe den Küsten Rumäniens und Bulgariens von Drohnen getroffen.

Die zunehmenden Angriffe beschäftigen inzwischen auch die NATO. Rumänien und Bulgarien haben Beratungen mit dem Bündnis über die Sicherheitslage im Schwarzen Meer aufgenommen.

Gleichzeitig arbeiten Bulgarien, Rumänien und die Türkei an einem Vorschlag für ein Moratorium auf Angriffe gegen zivile Handelsschiffe. Die Initiative soll auch auf europäischer Ebene besprochen werden.

Ob sich die beteiligten Staaten auf wirksame Schutzmaßnahmen für die Handelsschifffahrt verständigen können, ist noch offen. Für die ukrainischen Donauhäfen bleibt die Sicherheit der Zufahrtswege eine Voraussetzung für den ungestörten Export von Getreide und anderen Agrarprodukten.