Brasilien entwickelt sich zu einem ernsthaften Konkurrenten der USA auf dem internationalen Sorghummarkt. Innerhalb von vier Jahren hat das südamerikanische Land seine Produktion mehr als verdoppelt. Im August 2026 wurde erstmals brasilianisches Sorghum nach China verschifft. Die Handelsspannungen zwischen Washington und Peking begünstigen den Markteintritt, während amerikanische Erzeuger mit sinkender Produktion und schwankender Exportnachfrage zu kämpfen haben.
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg erreichte die brasilianische Sorghumproduktion in der vergangenen Saison rund 6 Millionen Tonnen. Die Rabobank rechnet damit, dass diese Menge bis 2031 auf 10 Millionen Tonnen steigen könnte.
Sorghum wird in Brasilien zunehmend nach Soja angebaut
Der Produktionszuwachs hängt eng mit der Ausweitung des Zweitfruchtanbaus zusammen. Immer mehr brasilianische Landwirte säen Sorghum nach der Sojaernte aus und nutzen damit ihre Flächen für eine weitere Ernte innerhalb desselben Jahres.
Zusätzliche Nachfrage entsteht durch die Ethanolindustrie. Der brasilianische Hersteller Inpasa Agroindustrial, der zu den größten Ethanolproduzenten des Landes gehört, hat neue Verarbeitungsanlagen in Betrieb genommen, die sowohl Mais als auch Sorghum als Rohstoff einsetzen können.
Auch die amerikanische Sorghumbranche beobachtet die Entwicklung. Tim Lust, Geschäftsführer der National Sorghum Producers Association, erklärte gegenüber Bloomberg, Brasilien habe seinen Rückstand gegenüber den USA bereits erheblich verringert. Das Land steigere seine Sorghumproduktion ebenso schnell wie den Anbau anderer wichtiger Agrarkulturen.
China öffnet neuen Absatzmarkt für brasilianisches Sorghum
Im August 2026 organisierte der chinesische Agrarhändler Cofco International die erste Verschiffung brasilianischen Sorghums nach China. Damit erhielt Brasilien Zugang zu einem Absatzmarkt, der bislang eine wichtige Rolle für amerikanische Sorghumexporte spielte.
Nach Angaben des brasilianischen Getreideexporteurverbandes ANEC könnten bis Ende Oktober bis zu 2,4 Millionen Tonnen Sorghum über brasilianische Häfen verschifft werden. Der überwiegende Teil ist für China bestimmt. Im Jahr 2025 hatte Brasilien noch keine nennenswerten Sorghummengen exportiert.
Für chinesische Importeure bietet das zusätzliche Herkunftsland eine Möglichkeit, ihre Lieferantenbasis zu verbreitern. Marco Castelli, Vertriebsdirektor des brasilianischen Getreideunternehmens Agrobom, verwies darauf, dass China seit Langem eine stärkere Diversifizierung seiner Agrarimporte anstrebe. Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern solle verringert werden.
US-Sorghumproduktion könnte um 33 Prozent sinken
Während Brasilien seine Erzeugung ausweitet, rechnen die USA in der laufenden Saison mit einem deutlichen Produktionsrückgang. Aufgrund kleinerer Anbauflächen und anhaltender Trockenheit könnte die amerikanische Sorghumernte um 33 Prozent niedriger ausfallen.
Hinzu kommt die unsichere Nachfrage aus China. Vor mehr als zehn Jahren erreichten die amerikanischen Sorghumlieferungen dorthin noch einen Handelswert von über 2 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2025 waren es lediglich 86 Millionen US-Dollar.
Die National Sorghum Producers Association hat deshalb US-Präsident Donald Trump aufgefordert, im Rahmen der Handelsgespräche mit China feste Abnahmemengen auszuhandeln. Der Verband strebt jährliche chinesische Käufe von 5 bis 7 Millionen Tonnen amerikanischen Sorghums an.
Lust betonte, dass amerikanische Landwirte auf verlässliche Handelsvereinbarungen angewiesen seien. Angesichts der weltweiten Konkurrenz müssten die Erzeuger ihre Produkte weiterhin zu ihren wichtigsten Abnehmern liefern können.
Brasilien könnte die USA bei Sorghum überholen
In Brasilien rechnen Agrarfachleute mit einem weiteren Ausbau des Sorghumanbaus. Frederico Botelho, Wissenschaftler der staatlichen brasilianischen Agrarforschungseinrichtung Embrapa, hält es für möglich, dass Brasilien die USA bereits innerhalb weniger Jahre als weltweit größten Sorghumproduzenten ablöst.
Ob diese Entwicklung tatsächlich eintritt, hängt unter anderem davon ab, wie schnell die brasilianischen Anbauflächen wachsen und sich die Nachfrage aus China entwickelt. Die Produktionsprognose der Rabobank von 10 Millionen Tonnen bis 2031 verdeutlicht jedoch, welches Wachstumspotenzial dem brasilianischen Sorghumsektor zugetraut wird.
Quelle: Bloomberg – US Farmers Face New Crop Challenge From Brazil’s Sorghum Boom
