Die extreme Hitze und Trockenheit des Sommers 2026 hat die Ernteaussichten für zahlreiche Ackerkulturen in der Europäischen Union deutlich verschlechtert. Besonders betroffen sind Sojabohnen, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln. Nach aktuellen Prognosen der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) liegen die erwarteten Hektarerträge bei Sojabohnen um 15 Prozent und bei Silomais um 14 Prozent unter dem fünfjährigen Durchschnitt.
In einigen besonders stark betroffenen Regionen sind die Ernteschäden so groß, dass Landwirte ihre Bestände nicht mehr abernten. Auch die Futterversorgung in der Tierhaltung leidet unter den Folgen der Dürre.
Erhebliche Ertragseinbußen bei Mais, Soja und Zuckerrüben
Die im September veröffentlichten Prognosen des europäischen Agrarmonitoringsystems JRC MARS zeigen deutliche Ertragsrückgänge bei mehreren Sommerkulturen. Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2025 werden folgende Abweichungen erwartet:
| Kultur | Erwartete Ertragsabweichung |
|---|---|
| Sojabohnen | −15 % |
| Silomais (Grünmasse) | −14 % |
| Zuckerrüben | −11 % |
| Körnermais | −8 % |
| Kartoffeln | −7 % |
Die tatsächlichen Produktionsverluste könnten noch höher ausfallen als die prognostizierten Rückgänge der Hektarerträge. In besonders stark geschädigten Beständen lohnt sich die Ernte wirtschaftlich teilweise nicht mehr. Solche Flächen tragen nicht zur geernteten Gesamtmenge bei.
Temperaturen über 35 Grad beschleunigten die Abreife
Nach einem zunächst günstigen Vegetationsbeginn verschlechterten sich die Wachstumsbedingungen während des Sommers erheblich. Wiederholte Hitzewellen mit Temperaturen über 35 Grad und Tropennächte, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad fiel, belasteten die Pflanzen.
Gleichzeitig führten ausbleibende Niederschläge zu sinkenden Bodenwasservorräten. Der Wassermangel fiel vielerorts mit empfindlichen Entwicklungsphasen wie der Blüte und Kornfüllung zusammen.
Die hohen Temperaturen beschleunigten zudem die Pflanzenentwicklung. Nach Berechnungen des JRC erreichte Mais in einigen besonders betroffenen Regionen seine Reife bis zu drei Wochen früher als üblich. Dadurch verkürzte sich die Zeit für die Bildung von Biomasse und Ertragsorganen. Die Folge waren unter anderem kleinere Körner, weniger ausgebildete Kolben und geringere Erträge.
Wintergetreide deutlich weniger betroffen
Anders als die Sommerkulturen kamen viele Wintergetreidearten vergleichsweise glimpflich durch die Trockenperiode. Ihr Wachstum war bereits weitgehend abgeschlossen, als die stärksten Hitzewellen einsetzten.
Die Ertragsprognosen für Wintergetreide liegen deshalb auf EU-Ebene überwiegend in der Nähe des fünfjährigen Durchschnitts.
Bei Sommerkulturen trafen Hitze und Wassermangel dagegen häufig auf Pflanzen, die sich noch in der Blüte oder Ertragsbildung befanden. Besonders in West- und Mitteleuropa führte dies zu erheblichen Schäden. Auch einzelne Gebiete in Süddeutschland waren von ausgeprägtem Hitze- und Trockenstress betroffen.
Dürre verschärft Futtermangel in der Tierhaltung
Neben den Ackerkulturen hat die Trockenheit auch Grünland und Futterpflanzen stark beeinträchtigt. Nach einem guten Start in die Vegetationsperiode ging das Graswachstum während der heißen Sommermonate in weiten Teilen West- und Mitteleuropas deutlich zurück. Regional kam es nahezu vollständig zum Stillstand.
Gleichzeitig verschlechterten sich die Ertragsaussichten beim Silomais, einer wichtigen Futtergrundlage in der Rinderhaltung.
Für viehhaltende Betriebe bedeutet dies geringere Weidemöglichkeiten und weniger verfügbares Grundfutter für die Winterfütterung. In den besonders stark betroffenen Gebieten führte die verringerte Futterverfügbarkeit nach Angaben des JRC bereits dazu, dass einzelne Betriebe ihre Tierbestände reduzierten.
Die Ertragseinbußen bei Futterpflanzen treffen damit auf einen bereits durch die Trockenheit eingeschränkten Grünlandaufwuchs. Welche Futtermengen den Betrieben tatsächlich fehlen, hängt von den regionalen Ernteergebnissen und vorhandenen Futterreserven ab.
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