Indien hat eine Lieferung von 20.000 Tonnen russischem Sonnenblumenöl storniert. Grund sind Schäden an der Hafeninfrastruktur im Schwarzmeerraum, die den Lieferanten an der Verschiffung hinderten. Gleichzeitig verzögern sich weitere Öllieferungen nach Indien. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Branchenvertreter und Händler.
Nach Angaben von Sandeep Bajoria, Präsident der International Sunflower Oil Association, sind solche Lieferausfälle im Handel mit Sonnenblumenöl äußerst selten. Vergleichbare Fälle seien seit vielen Jahren nicht mehr gemeldet worden.
Rund 60.000 Tonnen Sonnenblumenöl von Verzögerungen betroffen
Die militärische Eskalation im Schwarzmeerraum beeinträchtigt zunehmend den Export von Sonnenblumenöl. Laut Marktteilnehmern haben die kriegsbedingten Störungen bereits zu Verzögerungen bei Lieferungen von rund 60.000 Tonnen nach Indien geführt.
Für den indischen Pflanzenölmarkt kommen die Lieferprobleme zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Vor der bevorstehenden Festtagssaison steigt die Nachfrage nach Speiseölen. Da Sonnenblumenöl nicht wie geplant eintrifft, verstärken indische Importeure ihre Einkäufe von Palmöl.
Indien deckt seinen Bedarf an Sonnenblumenöl nahezu vollständig durch Einfuhren. Nach Angaben eines indischen Händlers benötigt das Land monatlich rund 250.000 Tonnen importiertes Sonnenblumenöl.
Sonnenblumenölimporte könnten im Oktober stark sinken
Wegen der Verzögerungen bei der Verladung in Russland und der Ukraine könnten Indiens Sonnenblumenölimporte im Oktober auf lediglich 160.000 Tonnen zurückgehen. Gegenüber dem monatlichen Importbedarf von 250.000 Tonnen würde damit eine Lücke von rund 90.000 Tonnen entstehen.
Um die Versorgung mit Speiseölen sicherzustellen, greifen indische Käufer verstärkt auf Palmöl zurück. Die Lieferausfälle beim Sonnenblumenöl verändern damit die Nachfrage nach anderen Pflanzenölen auf dem indischen Markt.
Russische Exporteure weichen auf Ostseehäfen aus
Russische Anbieter suchen inzwischen nach alternativen Transportwegen für ihre Sonnenblumenölexporte. Nach Angaben von Handelskreisen sollen Lieferungen verstärkt über die Ostseehäfen Sankt Petersburg und Ust-Luga abgewickelt werden.
Der Transport über die Ostsee ist allerdings mit höheren Kosten verbunden. Laut Bajoria steigen die Frachtausgaben, während sich die Transportzeit um etwa zehn Tage verlängert.
Trotz dieser Nachteile sehen russische Exporteure derzeit kaum Alternativen. Die kriegsbedingten Schäden an der Hafeninfrastruktur im Schwarzmeerraum erschweren die bisherigen Verschiffungen erheblich.
Die Verlagerung auf die Ostseeroute könnte weitere Lieferungen ermöglichen. Allerdings müssen russische Anbieter dafür längere Transportzeiten und höhere Frachtkosten in Kauf nehmen.
