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Deutsche Schweinehalter kämpfen mit dramatischen Preisverfällen

Die wirtschaftliche Situation der Schweinehalter in Deutschland hat sich seit dem Sommer stark verschlechtert. Obwohl die Preise im August kurzfristig anstiegen, sind sie inzwischen wieder gesunken. In der 40. Kalenderwoche liegt der Preis für Schlachtschweine bei 1,45 € pro Kilogramm Schlachtgewicht (SG), während Ferkel (25 kg, 200er-Gruppe) nur noch 30 € je Stück kosten.

Schwierige Lage für Sauenhalter

Besonders hart trifft es die Sauenhalter: Um die Vollkosten von etwa 70 € je Ferkel zu decken, wäre ein Preis von mindestens 57 € erforderlich. Aktuell fehlen jedoch rund 27 € je Ferkel, was laut Schweine-Radar zu einem jährlichen Verlust von über 770 € pro Sau führt – fast doppelt so viel wie noch im Juli. Auch die direktkostenfreie Leistung ist mit minus 108 € je Sau und Jahr deutlich negativ, sodass die Erlöse nicht einmal mehr die variablen Kosten abdecken.

Mäster profitieren nur bedingt

Die Mastbetriebe profitieren zwar von günstigeren Ferkelpreisen, doch auch hier werden die Kosten nicht gedeckt. Die Vollkosten je Mastschwein betragen derzeit etwa 151 €, während kostendeckend ein Preis von 1,63 € pro Kilogramm SG nötig wäre. Pro Tier verlieren Mäster aktuell rund 17,50 €. Die direktkostenfreie Leistung bleibt mit knapp 3 € leicht positiv, jedoch wäre im geschlossenen System ein Preis von 1,87 € pro Kilogramm SG notwendig.

Herausforderungen durch gestiegene Betriebskosten

Laut Göckeritz vom Landvolk Mittelweser stehen viele Betriebe vor großen Herausforderungen. Er berechnet in seinem Schweine-Radar mit teilweise abgeschriebenen Ställen, wobei neue Stallbauten noch höhere Verluste verursachen würden. Die steigenden Energiekosten stellen eine zusätzliche Belastung dar: Sowohl bei der Futterernte als auch bei den Transport- und Heizkosten sieht Göckeritz langfristig Probleme. Er schätzt, dass die Schweinebranche in Deutschland aktuell wöchentlich etwa 22 Millionen Euro verliert.

Zukunftsaussichten und wirtschaftlicher Druck

Göckeritz äußert Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Stabilität vieler Betriebe im kommenden Jahr. Mit negativen Deckungsbeiträgen kostet jedes produzierte Tier den Erzeugern zusätzliches Geld. Es bleibt abzuwarten, wie lange Banken und Lieferanten diese Situation tolerieren werden, zumal Hinweise auf steigende Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten existieren.

Die detaillierten Berechnungen des Schweine-Radars sollen den Schweinehaltern dabei helfen, ihre aktuelle finanzielle Lage besser einschätzen zu können. Tobias Göckeritz ist nicht nur Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Mittelweser, sondern bewirtschaftet auch einen eigenen Schweinehaltungsbetrieb mit knapp 200 Sauen im geschlossenen System.