In der aktuellen Diskussion um landwirtschaftliche Pachtpreise in Deutschland zeigt eine Analyse des Thünen-Instituts, dass viele Betriebe unter den steigenden Kosten leiden. Laut der Studie sind rund 60 % der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe nicht in der Lage, ihre Pachtkosten vollständig mit der erwirtschafteten Grundrente zu decken, wenn sie gleichzeitig auch die eigene Arbeit und das eingesetzte Kapital angemessen entlohnen wollen.
Pachtpreise steigen kontinuierlich
Die Analyse des Thünen-Instituts, die Daten aus 15 Wirtschaftsjahren von 2008/09 bis 2022/23 betrachtet, zeigt einen deutlichen Anstieg der Pachtpreise in Deutschland. Durchschnittlich stiegen die Pachtaufwendungen von 240 Euro auf 390 Euro pro Hektar, was einem jährlichen Anstieg von etwa 3,7 % entspricht. Im Gegensatz dazu schwankt die Grundrente erheblich: Sie lag im Krisenjahr 2009/10 bei nur 44 Euro pro Hektar und erreichte im Jahr 2022/23 einen Höchstwert von 773 Euro pro Hektar.
Laut den Agrarökonomen reicht die Grundrente im Durchschnitt nicht aus, um die steigenden Pachtaufwendungen zu decken. Viele Betriebsleiter müssen daher Abstriche bei ihrer eigenen Entlohnung oder der Verzinsung des Eigenkapitals machen. Die Forscher schätzen, dass eine Reduktion des Lohnansatzes um etwa 10 % notwendig wäre, um die Grundrente auf das Niveau der Pachtaufwendungen anzuheben.
Ungleiche Verteilung der wirtschaftlichen Belastung
Die Untersuchung zeigt auch große Unterschiede zwischen den Betrieben. Während das erfolgreichste Viertel eine Grundrente von über 530 Euro je Hektar erzielt, liegt ein Viertel der am wenigsten erfolgreichen Betriebe bei einer Grundrente von durchschnittlich minus 430 Euro je Hektar. Diese Unterschiede verdeutlichen, dass nicht alle Betriebe gleichermaßen von den hohen Pachtpreisen betroffen sind.
Trotz negativer Grundrenten könnten einige Betriebe dennoch einen positiven Buchgewinn erzielen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie alle Kosten für Familienarbeit und Eigenkapital vollständig decken können. Langfristig könnte dies zu betriebsstrukturellen Anpassungen oder sogar Betriebsaufgaben führen.
Pachtmarkt wird von wirtschaftsstarken Betrieben dominiert
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass wirtschaftlich stärkere Betriebe den Pachtmarkt dominieren. Diese können höhere Gebote abgeben und somit den Pachtpreis in die Höhe treiben. Der Markt orientiert sich dadurch eher an deren Möglichkeiten als an denen des Durchschnittsbetriebs.
Zwischen dem erfolgreichsten Viertel und dem weniger erfolgreichen Viertel gibt es laut den Forschern eine Differenz von durchschnittlich rund 970 Euro je Hektar in Bezug auf die erzielte Grundrente. Diese Schere hat sich im Laufe der Jahre weiter geöffnet.
Anpassungsdruck auf Ackerbaubetriebe
Ackerbaubetriebe sind besonders sensibel gegenüber steigenden Pachten, da diese etwa 11 % ihrer gesamten betrieblichen Aufwendungen ausmachen – mehr als bei anderen Betriebsformen. Unterschiede gibt es auch regional: Im Nordwesten Deutschlands erzielen Betriebe höhere Durchschnittsrenten als in anderen Teilen des Landes.
Die Thünen-Forscher warnen davor, dass ein staatlicher Pachtdeckel das Problem nicht lösen würde. Auch mit Preisobergrenzen blieben strukturelle Unterschiede bestehen. Der Wettbewerbsvorteil wirtschaftsstarker Betriebe würde weiterhin bestehen bleiben, insbesondere bei knappen Flächen.
