Die Europäische Union plant, ab dem 3. September ein Importverbot für brasilianisches Rindfleisch zu verhängen. Diese Maßnahme wird ergriffen, da Brasilien den Einsatz von antimikrobiellen Mitteln als Wachstumsförderer nicht ausreichend kontrolliert. Laut der niederländischen Fachzeitschrift Boerderij ist es Brasilien derzeit nicht möglich, die notwendigen Garantien zu liefern, dass exportierte Rinder während ihres gesamten Lebens ohne solche Substanzen behandelt wurden.
EU-Audit fokussiert auf Geflügel und Honig
Ende August wird eine EU-Delegation in Brasilien erwartet, um die Einhaltung der Exportvorschriften zu überprüfen. Der Fokus dieser Überprüfung liegt jedoch nur auf Geflügel und Honig, da Brasilien hierfür schriftliche Garantien bereitgestellt hat. EU-Sprecherin Eva Hrncirova betont, dass für Rindfleisch keine ausreichenden Garantien über die gesamte Lebensdauer der Tiere gegeben werden können.
Hrncirova hebt hervor, dass EU-Vorschriften erfordern, dass Tiere oder daraus gewonnene Produkte, die in die EU exportiert werden, niemals mit antimikrobiellen Mitteln behandelt worden sein dürfen. Diese Mittel sind entweder wachstumsfördernd oder für die Behandlung von Infektionen beim Menschen reserviert.
Längerfristige Auswirkungen des Importverbots
Das geplante Importverbot könnte mindestens zwei Jahre in Kraft bleiben. In Brasilien dauert der Produktionszyklus von Rindern etwa zwei Jahre, und aufgrund dieser Dauer ist es unmöglich, kurzfristig Anpassungen vorzunehmen. Bereits im Mai hatte die Europäische Kommission angedeutet, das Einfuhrverbot für mehrere Fleischsorten aus Brasilien zu verhängen, sollte das Land bis September keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen umsetzen.
Diese Entscheidung folgt unmittelbar nach dem Inkrafttreten der Handelsabkommen mit dem Mercosur Anfang Mai. Jährlich dürfen 99.000 Tonnen Rindfleisch aus Mercosur-Ländern zu reduzierten Zollsätzen in die EU eingeführt werden, wobei ein erheblicher Teil dieser Importe aus Brasilien stammt.
Marktdynamiken in Europa
Der niederländische Schlachtrindermarkt zeigt bereits seit März einen Preisrückgang. Die Preise sanken von 6,40 € pro Kilogramm auf 5,25 € im August. Aufgrund hoher Schlachtzahlen gibt es Probleme bei der Verwertung des Fleischüberschusses. Ein Importverbot für brasilianisches Rindfleisch könnte helfen, den Markt zu entlasten und eingefrorene Bestände abzubauen.
In Großbritannien gibt es Sorgen unter Viehhaltern über eine mögliche Flut von günstigem brasilianischem Rindfleisch als Folge des EU-Verbots. Irland befürchtet hingegen negative Auswirkungen auf seine Exporte nach Großbritannien, einem wichtigen Absatzmarkt für irisches Rindfleisch.
