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Weizenpreis in der Ukraine halbiert: Bauern kämpfen mit steigenden Kosten

Inmitten der wirtschaftlichen Unsicherheiten in der Ukraine stehen die Weizenbauern vor einer besonders harten Saison. Innerhalb eines Jahres hat sich der Preis für Weizen nahezu halbiert, während die Produktionskosten weiterhin steigen. Diese Entwicklung bringt viele Landwirte in Bedrängnis und lässt sie an der Wirtschaftlichkeit ihrer Ernte zweifeln.

Preissturz und steigende Kosten

Die Beratungsorganisation ProAgro Group berichtet, dass Landwirte im Norden des Landes gezwungen sind, ihren Weizen für etwa 100 Euro pro Tonne zu verkaufen. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag der Preis noch bei rund 180 Euro pro Tonne. Dieser drastische Preisverfall wird zusätzlich durch steigende Kosten für Betriebsmittel wie Brennstoff und Arbeitskräfte erschwert.

Laut agronews.ua ist eine Hauptursache für den Preissturz die Blockade der Schwarzmeerhäfen, die entscheidend für den ukrainischen Getreideexport sind. Ohne funktionierende Exportwege sehen sich selbst inländische Verarbeitungsbetriebe gezwungen, auf Käufe zu verzichten, da unklar ist, wann und ob sie die Bestände weiterverkaufen können.

Gefährdete Ernten und wirtschaftliche Herausforderungen

Viele Landwirte stehen vor dem Dilemma, ob sie ihre Maschinen überhaupt einsetzen sollen, da die Einnahmen nicht ausreichen, um die laufenden Kosten zu decken. Dies könnte dazu führen, dass Ernten auf den Feldern verfaulen, bevor eine Verbesserung der Logistik eintritt.

Wissenschaftler schätzen den Break-even-Point für Winterweizen bei etwa 50 dt/ha, was einem Marktpreis von 174 Euro pro Tonne entspricht. Aktuell sind jedoch Erträge von über 85 dt/ha nötig, um zumindest kostendeckend arbeiten zu können – ein Szenario, das für viele Betriebe unrealistisch erscheint.

Kritische Lage am Exportmarkt

Pavlo Koval vom Ukrainischen Agrarverband (UAC) warnt vor erheblichen finanziellen Verlusten aufgrund der kriegsbedingten Exportbeschränkungen über das Schwarze Meer. Die Exportkosten haben sich um das Eineinhalb- bis Zweieinhalbfache erhöht, wodurch dem Agrarsektor Einnahmeverluste von mehreren Milliarden Dollar drohen.

Koval prognostiziert in den kommenden Monaten Ausfälle von bis zu 4 Milliarden Dollar. Bis zu 60 % der Bauern könnten Verluste hinnehmen müssen, mit schwerwiegenden Folgen für die gesamte Branche im kommenden Herbst.

Appell an Regierung und EU

Angesichts dieser Herausforderungen hat die Ukrainische Getreidevereinigung (UGA) Premierminister Serhiy Koretskyi gebeten, Maßnahmen zur Unterstützung des Sektors zu ergreifen. Ein vorgeschlagener Aktionsplan zielt darauf ab, alternative Exportwege durch das Schwarze Meer zu schaffen und bestehende Routen wiederherzustellen.

Zudem fordert die UGA Gespräche mit der EU-Kommission über eine temporäre Anhebung der Zollquote für ukrainischen Weizenexport. Derzeit darf die Ukraine jährlich rund 1,3 Millionen Tonnen zollbegünstigt exportieren; eine Aufstockung um bis zu 5 Millionen Tonnen wird angestrebt.

Zwar bleiben die ukrainischen Seehäfen offiziell geöffnet, doch tatsächlich läuft nur noch ein Bruchteil der Schiffe dort ein – ein Zeichen dafür, wie riskant Frachten geworden sind.