Der deutsche Schweinemarkt befindet sich derzeit in einer tiefen Krise. Die Preise für Mastschweine und Ferkel haben ein Niveau erreicht, das seit mehreren Jahren nicht mehr so niedrig war. Zu Beginn der Urlaubszeit fiel der Preis für Schlachtschweine auf 1,40 €/kg Schlachtgewicht, ähnlich wie Anfang 2022. Gleichzeitig erreichten die Ferkelpreise einen Tiefpunkt, der zuletzt vor vier Jahren beobachtet wurde. Trotz eines begrenzten Angebots an Schlachtschweinen bleibt die Nachfrage der Schlachtunternehmen deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Geringe Nachfrage trotz begrenztem Angebot
Trotz des überschaubaren Angebots an Schlachtschweinen ziehen viele Schlachtunternehmen ihre Nachfrage nicht an. Mehrere Faktoren belasten den Markt: Ein Überangebot an Schweinefleisch in Europa, insbesondere durch Exportprobleme spanischer Produzenten, drückt zusätzlich auf die Preise. Die Inlandsnachfrage blieb trotz günstiger Wetterbedingungen für Grillaktivitäten und der Fußball-WM enttäuschend schwach. Zudem sorgten zeitweise hohe Temperaturen dafür, dass der Appetit auf Fleisch gedämpft wurde.
Hinzu kommt, dass mit Beginn der Ferienzeit einige Fleischverarbeiter in die Sommerpause gehen, was die Nachfrage weiter verringert. Diese Faktoren zusammen führen dazu, dass der Markt unter erheblichem Druck steht.
Dramatischer Preisverfall bei Ferkeln
Die Preise für Ferkel sind ebenfalls stark betroffen und sanken im Juli auf 30 € pro 25-kg-Ferkel. Dies stellt ein Vierjahrestief dar und das noch vor dem traditionellen Nachfragerückgang im Spätsommer und Herbst. Die Bereitschaft der Mäster, neue Tiere einzustallen, ist so gering wie lange nicht mehr gesehen. Um den Absatz nicht zu gefährden, hat die Ferkelpreiskommission bewusst das Preisniveau deutlich gesenkt.
Die Lage wird zusätzlich durch günstige Angebote aus den Niederlanden und Dänemark verschärft, die auf den deutschen Markt drängen und den Wettbewerb intensivieren.
Zukunftsaussichten: Stabilisierung oder Strukturbruch?
In Bezug auf die Schlachtschweine gibt es Anzeichen für eine bevorstehende Stabilisierung. Ein Branchenexperte vermutet, dass der Tiefpunkt nun erreicht sein könnte. Allerdings könnten Verzögerungen bei der Erreichung des schlachtreifen Gewichts aufgrund langsamerer Wachstumsraten noch zu Komplikationen führen.
Ein Hoffnungsschimmer ist jedoch eine sinkende Konkurrenz aus dem Ausland, was auf eine mögliche Entspannung hindeutet. Mittelfristig wird erwartet, dass die EU-Produktion stärker zurückgeht als bisher angenommen. Marktexperten berichten von zweistelligen Rückgängen bei den Beständen in Dänemark und Polen.
Auch bei den Ferkeln erwarten Fachleute eine Stabilisierung – allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau. Ein Marktbeobachter ist überzeugt davon, dass dies zu einem Strukturbruch führen könnte, da EU-weit ein erheblicher Abbau der Sauenbestände prognostiziert wird. Eine substanzielle Trendwende bei den Ferkelpreisen wird jedoch erst für das Jahr 2027 erwartet.
