Die Herausforderungen in der Schweinehaltung sind vielschichtig und betreffen insbesondere die wirtschaftliche Machbarkeit höherer Haltungsformen. Auf dem 26. Bauerntag der VzF in Verden wurde deutlich, dass die Umsetzung von mehr Tierwohl nicht nur gute Absichten, sondern auch stabile finanzielle Grundlagen erfordert. Diese fehlen jedoch vielen Betrieben angesichts der derzeitigen Preise für Schlachtschweine und Ferkel.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten für Schweinehalter
Der VzF-Aufsichtsratsvorsitzende, Eckhard Koch, machte auf dem Bauerntag klar, dass die aktuelle Marktsituation es den Landwirten erschwert, ausreichende Einnahmen zu erzielen. Dies beeinträchtigt ihre Fähigkeit, in den notwendigen Um- oder Neubau ihrer Ställe zu investieren. Zudem stellte er infrage, ob die bestehende Preisfindungsstruktur noch zeitgemäß sei, da sie keinen signifikanten Mehrerlös für höhere Haltungsformen generiert.
Matthias Frieß von der VEZG warnte davor, zu hohe Erwartungen an den Marktmechanismus zu haben. Er betonte, dass Angebot und Nachfrage weltweit unter schwierigen Bedingungen stehen und einzelne Betriebe kaum Einfluss darauf nehmen können. Besonders bei höheren Haltungsformen seien langfristig garantierte Preise entscheidend, um die gestiegenen Anforderungen an Platzbedarf und Investitionen bewältigen zu können.
Verantwortung der Abnehmer
Laut Frieß sollten nicht nur die Produzenten das Risiko tragen müssen, sondern auch die Abnehmer ihren Beitrag leisten. Ohne gesicherte Vermarktungsstrategien sollte kein Betrieb Investitionen in höhere Tierwohlstandards tätigen. Einig waren sich alle Teilnehmer darin, dass ohne verlässliche Strukturen der Umbau kaum umsetzbar ist.
Rewes Zielsetzung für 2030
Vertreter der Rewe Group bekräftigten ihr Ziel, bis Ende 2030 im Frischfleischsortiment ausschließlich Produkte aus höheren Haltungsformen anzubieten. Andreas Heer von Rewe Nord betonte jedoch, dass dies nur gelingen könne, wenn alle großen Einzelhändler diesen Weg gemeinsam beschreiten. Andernfalls sei es eine große Herausforderung, das Vorhaben erfolgreich umzusetzen.
Kundenerwartungen und Preisbewusstsein
Marco Marach, ein Rewe-Kaufmann aus Verden, berichtete über die Schwierigkeiten bei der Vermittlung des Mehrwerts von Schweinefleisch mit höheren Standards an die Kunden. Im Gegensatz zu Produkten wie Eiern oder Gemüse fehlt oft der direkte Bezug zum Erzeuger. Die Bedientheke sieht er als zentralen Punkt zur Erklärung von Herkunft und Preisunterschieden. Dennoch bleiben viele Kunden preisbewusst und entscheiden sich letztlich für günstigere Alternativen.
Diese Diskrepanz zwischen Konsumentenwünschen und Zahlungsbereitschaft verdeutlicht das Dilemma: Ohne eine klare Vermarktungsstrategie und stabile Preisstrukturen bleibt der Weg zu mehr Tierwohl steinig.
