Die Ernteprognose des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) für Juni bleibt trotz der jüngsten Hitzewellen stabil. Laut der aktuellen Einschätzung wird die Getreideproduktion in Deutschland bei 44,1 Millionen Tonnen liegen, was leicht über dem Durchschnitt liegt. Auch bei Raps erwartet man eine Ernte von 4,2 Millionen Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem die Landwirte 45,3 Millionen Tonnen Getreide eingefahren hatten, ist dies ein leichter Rückgang.
Einfluss von Wetter und Preisentwicklungen
Der DRV führt die positive Prognose auf ausreichende Niederschläge in vielen Regionen zurück, die trotz der Hitze für gute Wachstumsbedingungen sorgten. Besonders die Wintergerste zeigt sich robust, hier wird eine Ernte von etwa 9,5 Millionen Tonnen erwartet. Im Vergleich dazu lag die Ernte im Vorjahr bei 9,51 Millionen Tonnen.
Interessanterweise waren die Preise für Futtergerste zeitweilig höher als die für Weizen. Aktuell werden am Großmarkt Hamburg 192,50 bis 194 Euro je Tonne Futtergerste geboten. Diese Preisspanne hat sich im Laufe der Woche um etwa 4 bis 5 Euro verringert. Für Brotweizen liegt der Marktpreis derzeit bei rund 211 Euro, während Futterweizen mit 209 Euro gehandelt wird. Auch hier ist ein Preisrückgang von etwa 5 Euro zu verzeichnen.
Rückgang in der Weizenernte und anderen Kulturen
Laut aktuellen Schätzungen des DRV wird die Weizenernte in diesem Jahr auf 22,6 Millionen Tonnen sinken, was einen Rückgang um etwa 500.000 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Diese Entwicklung ist hauptsächlich auf einen erwarteten Ertragsrückgang von knapp 4 % zurückzuführen, obwohl die Anbaufläche um rund 40.000 Hektar gestiegen ist.
Auffällig ist auch der deutliche Rückgang bei der Sommergerste: Die Produktion könnte von 1,82 Millionen Tonnen auf nur noch 1,55 Millionen Tonnen fallen – ein Minus von nahezu 15 %. Auch hier spielen sowohl geringere Anbauflächen als auch niedrigere Erträge eine Rolle.
Herausforderungen und Zukunftsaussichten
Trotz einer leichten Ausweitung der Maisanbauflächen um mehr als 15.000 Hektar auf insgesamt rund 506.000 Hektar rechnet der DRV mit einem Produktionsrückgang von 4,94 auf 4,79 Millionen Tonnen aufgrund schlechterer Erträge.
Bedingt durch steigende Produktionskosten sehen Experten wie Guido Seedler vom DRV-Getreidemarkt ernsthafte Herausforderungen für deutsche Landwirte. Insbesondere hohe Düngerkosten setzen den Betrieben wirtschaftlich stark unter Druck. Ohne neue Absatzkanäle und eine stabile Energiepolitik könnte die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Getreidewirtschaft gefährdet sein.
