Inmitten der globalen geopolitischen Spannungen zeigt sich, wie anfällig die australische Landwirtschaft für internationale Krisen ist. Der Konflikt im Nahen Osten hat zu einem drastischen Anstieg der Harnstoffpreise um 75 % geführt, was die ohnehin knappen Gewinnmargen der Landwirte weiter belastet. John Bennett, ein Landwirt aus Wimmera, sieht sich mit einem möglichen Verlust von 600.000 Australischen Dollar konfrontiert, was etwa 364.000 € entspricht.
Harnstoff: Ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Landwirtschaft
Auf Bennetts 10.000 Hektar großem Betrieb ist der Einsatz von Mineraldünger essenziell. Harnstoff, ein stickstoffreicher Dünger, ist aufgrund seiner Herstellung aus Erdgas und seiner Rolle bei der Ertragssteigerung unverzichtbar. Während des Winteranbauzyklus sind synthetische Düngemittel entscheidend, um den Boden fruchtbar zu halten und hohe Erträge zu erzielen.
Der Preis für Harnstoff hat sich seit Beginn des Jahres nahezu verdoppelt und erreicht inzwischen 1.400 $ pro Tonne. Dieser Preisanstieg trifft besonders große Betriebe wie den von Bennett, der mit schmalen Gewinnspannen operiert und mittlerweile als „kleine Fabrik“ bezeichnet wird.
Unsicherheit durch Lieferverzögerungen
Nicht nur die Preise belasten das Geschäft, auch die Ungewissheit über künftige Lieferungen macht eine Planung fast unmöglich. Bennetts Sohn Hamish berichtet von erheblichen Störungen in der Lieferkette durch geopolitische Entwicklungen. Verzögerungen und steigende Preise trüben die Aussichten für stabile Erträge.
Trotz Bestrebungen, alternative Quellen zu erschließen, bleibt die Situation angespannt. So wurden chinesische Düngemittellieferungen verzögert oder kamen zu höheren Kosten an – Unsicherheiten über weitere Lieferungen bestehen weiterhin.
Nationale Produktion als Lösungsansatz
Die Abhängigkeit von internationalen Lieferanten wirft Fragen zur Versorgungssicherheit auf. Bennetts Erfahrung verdeutlicht den Bedarf an einer verstärkten nationalen Produktion von Stickstoffdüngern in Australien. Die Schließung der letzten Harnstofffabrik auf Gibson Island im Jahr 2023 macht diesen Bedarf noch dringlicher.
Bennett betont die Notwendigkeit einer eigenständigen Produktion angesichts reichlicher Gasvorkommen im Land. Eine solche Strategie könnte helfen, zukünftige Risiken abzufedern und die Lieferketten zu stabilisieren.
Vorbereitung auf Unvorhergesehenes
Trotz sorgfältiger Planung stößt selbst ein gut geführter Betrieb wie der von Bennett bei Krisen an seine Grenzen. Die Familie hat versucht, durch erhöhte Lagerbestände an Treibstoff und Düngemitteln Vorsorge zu treffen. Doch Kriege oder internationale Konflikte waren bisher nicht Teil ihrer Kalkulationen.
Bennett fasst zusammen: Der Konflikt im Iran hat das Bewusstsein für Abhängigkeiten geschärft und verdeutlicht die Notwendigkeit eines strategischen Umdenkens hin zu mehr Autarkie in der landwirtschaftlichen Produktion Australiens.
