Die Frage, wie gut die deutsche Landwirtschaft in der Lage ist, die eigene Bevölkerung zu ernähren, bleibt aktuell. Laut dem jüngsten Situationsbericht des Deutschen Bauernverbands kann Deutschland sich nicht vollständig selbst mit Lebensmitteln versorgen, obwohl die Produktivität der Landwirtschaft erheblich gestiegen ist.
Steigende Erträge und wachsende Bevölkerung
In den frühen 1970er Jahren lag der Weizenertrag pro Hektar bei 42 Dezitonnen. Bis zum Jahr 2025 konnten deutsche Landwirte diesen Ertrag auf 78,5 Dezitonnen steigern. Diese nahezu Verdopplung der Produktivität steht jedoch einer zunehmenden Bevölkerungszahl gegenüber: Während 1970 rund 78 Millionen Menschen in Deutschland lebten, sind es im Jahr 2025 etwa 83,5 Millionen.
Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft
Zudem hat sich die Anzahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft drastisch reduziert. Im Jahr 2024 arbeiteten nur noch 1,2 Prozent der Erwerbstätigen in diesem Sektor, verglichen mit 8 Prozent im Jahr 1970. Ein einzelner Landwirt versorgt heute durchschnittlich 153 Menschen, während es vor über fünf Jahrzehnten lediglich 27 waren.
Selbstversorgungsgrad sinkt trotz höherer Produktivität
Trotz erhöhter Erträge ist der Selbstversorgungsgrad für Nahrungsmittel gesunken. Zwischen 80 und 84 Prozent lag er in den letzten vier Jahren – ohne Berücksichtigung von Futtermittelimporten. Um die Jahrtausendwende betrug dieser Wert noch rund 87 Prozent. Eine Ursache dafür ist die von Verbrauchern geforderte Vielfalt im Angebot. Zudem hatte der Selbstversorgungsgrad vor globalen Krisen wie der Corona-Pandemie oder dem Ukraine-Krieg eine geringere Bedeutung.
Die Herausforderung für die deutsche Landwirtschaft besteht also darin, den Spagat zwischen steigender Nachfrage und rückläufiger Arbeitskraft zu meistern. Die Zukunft wird zeigen, wie sich diese Faktoren auf die Fähigkeit zur Selbstversorgung auswirken werden.
