Die Bundesregierung hat eine neue Strategie zur Förderung von Start-ups und wachstumsorientierten Unternehmen vorgestellt, die große Chancen für die Agrarwirtschaft birgt. In der jüngst verabschiedeten Strategie werden 152 Maßnahmen in acht verschiedenen Bereichen skizziert, die insbesondere auf die spezifischen Herausforderungen der Landwirtschaft abgestimmt sind. Angesichts biologischer Prozesse und saisonaler Produktion ist es oft schwierig, schnelle Erfolge zu erzielen, was den Zugang zu Finanzierungen erschwert. Diese Hürden sollen durch die neuen Maßnahmen überwunden werden.
Förderung für Innovationen im Agrarsektor
Laut Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer bietet diese Strategie einen entscheidenden Schub für Innovationen in der deutschen Agrarwirtschaft. Gründerinnen und Gründer tragen erheblich zur Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Branche bei, so Rainer. Der Startup-Verband lobt das Programm als wichtiges Signal für den Standort Deutschland, fordert jedoch eine zügige Umsetzung der geplanten Maßnahmen.
Besonders hervorgehoben wird der Fokus auf Wachstum und Skalierung sowie die Bereitstellung von mehr Risikokapital. Die Einführung flexiblerer Regeln für Spitzenkräfte und das Bekenntnis zur europäischen Unternehmensform „EU Inc.“ sind ebenfalls positive Aspekte. Angesichts von über 3000 Neugründungen im ersten Halbjahr 2026 müsse die Politik nun verlässliche Wachstumschancen schaffen.
Venture-Capital und Fördermöglichkeiten
Ein bedeutender Fortschritt ist bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank zu verzeichnen. Diese erhöht ihr Budget für Venture-Capital-Investitionen in AgTech- und FoodTech-Fonds auf 230 Millionen Euro. Damit sollen Start-ups indirekt unterstützt werden, indem privates Kapital mobilisiert wird. Besonders kapitalintensive Geschäftsmodelle wie Feldrobotik oder Bioökonomie könnten davon profitieren.
Zudem bleiben direkte Fördermöglichkeiten bestehen: Nachrangdarlehen bis 800.000 Euro, Innovationsgutscheine sowie Vereinfachungen bei Anträgen sind Teil des Angebots. Seit 2021 wurden bereits 36 Unternehmen mit insgesamt 23,2 Millionen Euro an Darlehen unterstützt.
Reallabore und neue Chancen durch Kooperationen
Die Strategie beinhaltet zudem Instrumente wie Reallabore, in denen neue Technologien unter realistischen Bedingungen getestet werden können – ein wichtiger Aspekt für Agrar-Start-ups, die häufig mehrere Vegetationsperioden benötigen, um ihre Produkte zu validieren. Ob genügend agrarspezifische Reallabore entstehen werden, bleibt jedoch abzuwarten.
Zudem fördert die Strategie sogenannte Venture-Clienting-Modelle, bei denen landwirtschaftliche Betriebe als erste Praxis- und Referenzkunden von Start-ups fungieren können. Dies bietet beiden Seiten Vorteile: Die Betriebe erhalten frühzeitig Zugang zu neuer Technik, während Start-ups wertvolle Felddaten sammeln können.
Herausforderungen und Schwächen der Strategie
Trotz der positiven Ansätze weist die Strategie noch Lücken auf: Viele Vorhaben stehen unter dem Vorbehalt verfügbarer Haushaltsmittel und EU-rechtlicher Vorschriften. Auch wenn Nachrangdarlehen angeboten werden, handelt es sich nicht um Zuschüsse – das Kapital muss zurückgezahlt werden, was gerade bei verzögerten Markteintritten problematisch sein kann.
Ebenfalls kritisch ist das Fehlen konkreter Zusagen in zentralen Agrarbereichen wie Pflanzenschutz oder Tiergesundheit, wo häufig lange Zulassungsverfahren zu Verzögerungen führen.
Für interessierte Unternehmen
- Frühzeitige Prüfung der Förderfähigkeit: Das Projekt muss innovativ sein und einen klaren Nutzen für die Agrarwirtschaft bieten.
- Kombination von Finanzierungsquellen: Eigenkapital sollte mit Nachrangdarlehen und Zuschüssen kombiniert werden.
- Sicherung von Praxispartnern: Pilotbetriebe sollten vor dem Förderantrag gewonnen werden.
- Klären von Daten- und Patentrechten: Frühzeitige Festlegung der Eigentumsverhältnisse ist entscheidend.
- Beobachtung neuer Ausschreibungen: Programme wie Growth Alliance oder Rentenbank-Förderung sind besonders relevant.
