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Elektrotraktor 2026: Diese Modelle kommen jetzt wirklich

Der Elektrotraktor ist 2026 endgültig in der Serienlandwirtschaft angekommen. Fendt liefert den e100 Vario seit Ende 2024 in zwei Versionen aus, John Deere bringt seinen ersten batterieelektrischen Schlepper noch dieses Jahr auf den Markt, und der Schweizer Pionier Rigitrac hat die Produktion mit dem italienischen Partner Goldoni hochgezogen. Jetzt drängt ein neuer Player auf den Markt: Die Münchner Diess E-Agrartechnik AG kündigt für 2027 einen Mittelklasse-Elektrotraktor mit Wechselakkusystem an – und verspricht Preisparität mit Dieselmaschinen ab dem ersten Verkaufstag. Gleichzeitig zeigen Marktstudien, dass das Segment vor einem Wachstumssprung steht – mit zweistelligen jährlichen Zuwachsraten bis 2034.

Fendt e100 Vario: Der Marktstart, auf den Europa gewartet hat

Den Anfang machte Fendt. Die erste Serienproduktion eines größeren Elektrotraktors in Deutschland startet 2024 mit dem e100 Vario. Damit hat der AGCO-Konzern in Marktoberdorf einen Vorsprung gegenüber den anderen großen Herstellern – auch wenn dieser, wie Beobachter feststellen, schmilzt.

Den e100 Vario gibt es in zwei Varianten: als Schmalspurtraktor e107 V Vario für Wein- und Obstbau, Gewächshäuser und Kommunen sowie als breiteren e107 Vario für klassische Acker- und Hofarbeiten. Der maximale Leistungsbereich liegt nach ECE R85 bei 50 kW (68 PS) im Betriebsmodus Eco. Im Modus Dynamic stehen bis zu 55 kW (75 PS) bereit und als Peak-Antriebsleistung stellt die Maschine im Betriebsmodus Dynamic+ kurzzeitig bis zu 66 kW (90 PS) zur Verfügung.

Die Batterie liefert 100 kWh – ein Wert, der ungefähr dem eines mittelgroßen Premium-Elektroautos entspricht. Mit einer Akkukapazität von 100 kWh erreicht der Traktor bei Einsätzen im Teillastbereich wie bei mechanischer Unkrautbekämpfung oder Pflanzarbeiten eine Einsatzzeit von etwa 4 – 7 Stunden. Bei schweren Transportarbeiten sinkt die Einsatzdauer entsprechend.

Spannend für den Praxisalltag: Dem Automobilstandard entsprechend ist der Fendt e100 Vario mit einer CCS2-Steckdose ausgerüstet und kompatibel mit handelsüblichen Wallboxen oder öffentlichen Ladesäulen. Das heißt: Wer eine PV-Anlage oder eine Hof-Wallbox hat, lädt mit eigenem Strom. Wer schnell muss, geht an die Schnellladesäule. Bereit für zukünftige Entwicklungen ist über einen CCS-Stecker DC-Schnellladen mit bis zu 80 kW Ladeleistung möglich. Die Batterie lädt innerhalb von etwa 45 Minuten von 20 auf 80 % Ladekapazität auf.

Beim Preis hält sich Fendt bislang bedeckt. Der Elektrotraktor soll 60 bis 70 Prozent teurer als der vergleichbare Dieselkollege 207 Vario sein. Branchenschätzungen gehen von rund 210.000 Euro Listenpreis aus. Eine wichtige Information für Käufer: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) förderte den Mehrpreis von Elektrotraktoren mit 40 Prozent.

John Deere E-Power: 2026 startet der vollelektrische Autonome

John Deere zieht nach – und macht es auf seine Art. Der weltgrößte Landtechnikhersteller hat seit 2021 mit dem Kauf des österreichischen Batteriespezialisten Kreisel Electric eine eigene Zellenkompetenz aufgebaut. John Deere plant 2026 seinen ersten batteriebetriebenen Traktor vorzustellen. Außerdem soll dieser autonom fahren.

Im Klartext: „2026 wird der erste vollautonome und batteriebetriebene Traktor mit rund 100 PS vorgestellt.“ Der bereits gezeigte Prototyp E-Power, präsentiert auf der CES in Las Vegas Anfang 2025, leistet rund 130 PS. John Deere E-Power mit 130 PS: Bereits mit Kameras und vermutlich einem Laserscanner (LIDAR) auf dem Frontgewicht ausgerüstet, ist der Prototyyp-John-Deere für autonomes Fahren vorbereitet.

Damit verfolgt John Deere eine andere Strategie als Fendt. Während die Bayern bei der gewohnten Fahrer-Bedienung bleiben, koppeln die Amerikaner Elektrifizierung und Autonomie direkt. Der E-Power soll vorrangig in Spezialkulturen wie Wein- und Obstbau eingesetzt werden – Bereiche, in denen autonomes Fahren wegen klar definierter Routen besonders gut funktioniert.

CNH-Konzern: New Holland und Case IH stehen in den Startlöchern

Auch der italienisch-amerikanische CNH-Konzern hat eigene Modelle in der Pipeline. Baugleich mit dem New-Holland-Elektrotraktor bietet Case IH den Farmall 75C Electric an. Beide Traktoren aus dem CNH-Konzern arbeiten mit 400 V. Die Markteinführung erfolgt schrittweise, der Fokus liegt klar auf dem Leistungsbereich um 75 PS.

CNH ist damit Konkurrent von Fendt im wichtigsten Segment des aktuellen Elektrotraktor-Marktes: dem unteren Leistungsbereich für Kommunen, Sonderkulturen und gemischte Betriebe. Im unteren Leistungsbereich sind mittlerweile Traktoren mit E-Antrieb verfügbar. Fendt hat den e100 Vario zur Serienreife gebracht.

Rigitrac SKE 40: Der Schweizer Pionier mit Italien-Anschluss

Vor Fendt, vor John Deere – und vor allen anderen großen Marken – war ein kleines Schweizer Familienunternehmen am Markt. Das Familienunternehmen Rigitrac Traktroenbau AG aus Küssnacht hat den ersten serienreifen Elektrotraktor mit einer europäischen Typengenehmigung entwickelt. Der Rigitrac SKE 40 e-direct is emissionsfrei, leise, wendig und enorm energieeffizient.

Die Nachfrage war so groß, dass Rigitrac die Produktion nicht allein stemmen konnte. Im Oktober 2022 wurde bekannt, dass der Rigitrac SKE40 zusammen mit Goldoni in eine grosse Serienfertigung geht. Heute wird der SKE 40 bei Goldoni in Migliarina (Italien) gefertigt und in den deutschsprachigen Ländern unter dem Rigitrac-Label vertrieben.

Technisch ist der SKE 40 interessant: Im Rigitrac SKE 40 speichert eine Lithium-Ionen-Batterie 58 kWh bei 400 V. Der Fahrantrieb ist rein elektrisch und ohne Schaltgetriebe. Statt eines klassischen Getriebes setzt Rigitrac auf fünf einzeln gesteuerte Elektromotoren – ein Konzept, das in Kommunen und auf Sportflächen besonders gut funktioniert.

Die Start-ups: Wer als nächstes auf den Markt drängt

Neben den etablierten Marken arbeiten mehrere Start-ups an eigenen Konzepten. Das Start-up Tadus entwickelte eine elektrische Leistungsübertragung und -verzweigung. 2025 soll der erste 110-PS-Traktor serienreif sein. Und ebenfalls aus dem süddeutschen Raum: Onox ist ein Start-up aus dem allgäuerischen Isny, das den Onox-Traktor entwickelt. Der Traktor sieht wie ein Geräteträger aus, leistet 68 PS und wird elektrisch angetrieben.

International tut sich besonders in den USA viel: Der Hersteller Monarch mit seinem MK-V liefert bereits Elektrotraktoren an Weingüter und Sonderkulturbetriebe. Solectrac aus Kalifornien hat mit seinem eUtility seit über zwei Jahrzehnten Erfahrung im Bau von E-Traktoren – das US-Unternehmen kooperiert seit 2024 mit Nolan Manufacturing für eine Produktionssteigerung. Auch in Indien setzt ein Hersteller wie VST Tillers Tractors mit dem FIELDTRAC 929 EV auf den Wachstumsmarkt.

Diess E-Agrartechnik: Münchner Newcomer mit Wechselakku-Konzept

Den jüngsten und wohl ambitioniertesten Markteintritt im deutschsprachigen Raum kündigt ein neues Unternehmen aus München an: die Diess E-Agrartechnik AG. Das Start-up plant für 2027 die Markteinführung eines Mittelklasse-Elektrotraktors – und unterscheidet sich von den etablierten Wettbewerbern durch ein zentrales technisches Merkmal: ein Wechselakkusystem, das laut Unternehmensangaben einen 24/7-Betrieb ermöglichen soll.

Damit greift Diess E-Agrartechnik die größte Schwäche der heutigen Serien-E-Traktoren direkt an: die begrenzte Einsatzzeit zwischen zwei Ladevorgängen. Während Fendt e107 Vario und Rigitrac SKE 40 typischerweise vier bis sieben Stunden durchhalten und dann an die Steckdose müssen, soll der Diess-Traktor durch tauschbare Batteriepakete kontinuierlich weiterarbeiten – ein Konzept, das von Elektro-Lastwagen und chinesischen E-Auto-Anbietern wie NIO bekannt ist, in der Landtechnik aber neu wäre.

Der angekündigte Mittelklasse-Traktor zielt auf Landwirte und kommunale Dienste und soll mit allen gängigen Anbaugeräten wie Mähwerken, Frontladern und Räumschilden kompatibel sein. Eine technische Besonderheit: Die Maschine soll in beide Fahrtrichtungen steuerbar sein – eine Eigenschaft, die vor allem für den Geräteträger-Einsatz im Kommunalbereich relevant ist.

Wirtschaftlich verfolgt das Münchner Unternehmen einen aggressiven Ansatz. Bereits ab den ersten Auslieferungen 2027 soll der Traktor preislich mit vergleichbaren Dieselmaschinen konkurrenzfähig sein – ein Versprechen, das die Branche aufhorchen lässt, weil heutige E-Traktoren wie der Fendt e107 Vario noch 60 bis 70 Prozent teurer sind als ihre Diesel-Pendants. Die Betriebskosten sollen nach Unternehmensangaben um rund 50 Prozent unter denen konventioneller Traktoren liegen, vor allem durch die Nutzung von selbst erzeugtem Solarstrom auf dem Hof.

Anders als die Wettbewerber will Diess E-Agrartechnik nicht nur den Traktor selbst liefern, sondern ein Gesamtsystem: Zur Produktpalette sollen neben dem Traktor auch Ladewechselstationen, Solarladestationen und elektrische Anbaugeräte gehören. Perspektivisch sind außerdem autonome Landmaschinen vorgesehen – der Münchner Newcomer würde damit in direkten Wettbewerb mit John Deere und dem E-Power-Konzept treten.

Die Produktion erfolgt nicht in Eigenregie: Die Diess E-Agrartechnik AG mit Sitz in München arbeitet nach eigenen Angaben mit einem etablierten Landmaschinenunternehmen aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) sowie mit weiteren Zulieferern zusammen. Welches Unternehmen das ist, wurde bislang nicht öffentlich gemacht. Im Unternehmensregister des Bundes ist die Diess E-Agrartechnik AG nach Recherche von Wirtschaftsmedien Stand Ende Mai 2026 noch nicht eingetragen – ein Detail, das die Branche im Auge behalten dürfte. Die Produktentwicklung sei nach Unternehmensangaben „voll im Zeitplan“.

Hinter dem Unternehmen steht der frühere Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess, der von 2018 bis 2022 den VW-Konzern führte. Mit seiner Erfahrung aus der Skalierung von Elektroautos – Diess war einer der lautstärksten Befürworter des VW-Elektrokurses – bringt das Münchner Unternehmen eine Industriekompetenz mit, die im klassischen E-Traktor-Markt bislang fehlt.

Technische Eckdaten der wichtigsten Modelle

ModellHerstellerLeistungBatterieSchnellladungEinsatzbereich
e107 VarioFendt75 PS (90 PS Peak)100 kWh80 kW DCAcker, Hof, Kommune
e107 V VarioFendt75 PS (90 PS Peak)100 kWh80 kW DCWein-/Obstbau, Gewächshaus
Farmall 75C ElectricNew Holland/Case IH75 PSk. A. (400 V)k. A.Acker, Sonderkulturen
SKE 40 e-directRigitrac40 kW (ca. 54 PS)58 kWh22 kW ACKommune, Sport, Flugplatz
E-Power (Prototyp)John Deereca. 100–130 PSk. A.k. A.Spezialkulturen, autonom
MK-VMonarch40 kW Dauerleistung70 kWhk. A.Weinbau, Sonderkulturen
Mittelklasse-E-Traktor (Markteinführung 2027)Diess E-Agrartechnikk. A. (Mittelklasse)WechselakkusystemAkkutausch statt LadenLandwirtschaft, Kommune

Der Markt: So groß wird das Geschäft mit Elektrotraktoren wirklich

Bei aller Begeisterung gilt: Elektrotraktoren sind 2026 noch eine Nische. Aber eine, die schnell wächst. Die globale Marktgröße für Elektrotraktoren wurde im Jahr 2025 auf 0,32 Milliarden US-Dollar geschätzt und wird voraussichtlich von 0,48 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf 1,69 Milliarden US-Dollar im Jahr 2034 wachsen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 17,04 % im Prognosezeitraum entspricht.

Für Europa rechnen Marktforscher mit einer Verdopplung in den nächsten Jahren. „Mit Prognosen, die einen Marktanteil von über 10 Prozent in Europa bis 2030 voraussagen, revolutionieren Elektrotraktoren die Landwirtschaft“, so ResearchAndMarkets.com.

Auch im weiteren Verlauf bleibt die Entwicklung dynamisch. Prognosen zufolge wird der Marktanteil batterieelektrischer Fahrzeuge im Agrarsektor bis 2035 bei 47 % liegen, da die Nachfrage nach sauberen Energiesystemen in der Landwirtschaft weiter steigt. Treiber sind dabei sowohl die regulatorischen Vorgaben aus Brüssel als auch das wachsende Angebot. Der europäische Green Deal setzt beispielsweise das Ziel, die landwirtschaftlichen Emissionen bis 2030 um 55 % zu senken.

Ein wichtiger Punkt für die Marktentwicklung: Das Segment der kleineren Traktoren dominiert. Der Segment mit geringer Leistung (<50 PS) hielt 2025 einen Marktanteil von 57,8 %, dominierte den Markt und war damit ideal für Aufgaben wie Bodenbearbeitung, Sprühen und Transport, da diese Modelle gut zu den aktuellen Batteriekapazitäten passen.

Warum gerade jetzt? Drei Treiber, die den Durchbruch möglich machen

Erster Treiber sind die fallenden Batteriepreise. Was bei Elektroautos seit Jahren beobachtet wird, kommt jetzt auch in der Landtechnik an: Lithium-Ionen-Zellen werden günstiger, ihre Energiedichte steigt. Dadurch werden 100-kWh-Pakete wie im Fendt e100 Vario überhaupt erst wirtschaftlich darstellbar.

Zweiter Treiber sind die Einsatzprofile. Auf vielen Höfen läuft ein 75-PS-Traktor täglich nur wenige Stunden – für Hofarbeiten, Futtertransport, Pflege. Diese typischen Aufgabenprofile passen gut zu Reichweiten von vier bis sieben Stunden. Wer dazu eine PV-Anlage betreibt, fährt im Eigenstrombetrieb deutlich günstiger als mit Diesel. Fendt nennt diesen Punkt explizit als Hauptargument: Wer den Strom selbst erzeugt, senkt die Betriebskosten signifikant.

Dritter Treiber ist die Politik. Die EU verschärft die Emissionsgesetze, und die nationalen Förderprogramme greifen. Die deutsche 40-Prozent-Bezuschussung des Mehrpreises hat den ersten Markt überhaupt erst geschaffen. Gleichzeitig setzen immer mehr Kommunen auf emissionsfreie Maschinen für Parkpflege, Friedhöfe und Winterdienst – ein Bereich, in dem Rigitrac bereits Marktanteile gewonnen hat.

Was noch fehlt: Die offenen Baustellen

Trotz aller Fortschritte bleiben Fragen offen. Doch wegen der geringeren Energiedichte und der derzeitig eher entspannteren Lage im Energiebereich laufen diese Projekte gerade mehr im Hintergrund. Diesel bleibt zumindest in den höheren Leistungsklassen dominierend. Heißt: Ein 400-PS-Großtraktor für die Ernte ist absehbar nicht elektrisch machbar – die nötige Batterie wäre zu schwer und zu teuer.

Auch die Ladeinfrastruktur ist auf Höfen häufig nicht vorhanden. Wer einen E-Traktor anschafft, braucht oft auch eine 22-kW-Wallbox oder einen Industriedrehstromanschluss mit 32 Ampere. Für DC-Schnellladung sind die Investitionen noch deutlich höher.

Hinzu kommt: Die Erfahrung mit Batterielebensdauer in der rauen Praxis – Vibrationen, Staub, Hitze, Kälte – ist bei keinem Hersteller länger als wenige Jahre. Wie lange ein 100-kWh-Akku im Feldeinsatz wirklich hält, wird sich erst Mitte des Jahrzehnts zeigen.

Was 2026 und danach kommt

Die nächsten Monate werden zeigen, ob der Fendt e100 Vario sein Versprechen einlösen kann und ob der John Deere E-Power die angekündigten Spezifikationen liefert. Mit New Holland und Case IH steht der dritte große Hersteller in den Startlöchern. Dazu kommen Start-ups wie Tadus mit 110 PS und Onox aus dem Allgäu. Und ab 2027 betritt mit der Diess E-Agrartechnik AG ein Newcomer aus München die Bühne, der mit Wechselakku-System und dem Anspruch auf Diesel-Preisparität die Spielregeln verändern könnte. Der Markt wird also bunter – und in vielen Segmenten erstmals wirklich wählbar.

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