Obwohl Europa in einigen Regionen mit Trockenheit, Frostgefahr und verzögerten Aussaaten zu kämpfen hat, bleiben laut dem MARS-Dienst der EU-Kommission die Ertragserwartungen für Feldfrüchte stabil. Besonders die Winterkulturen zeigen eine positive Entwicklung, während die Frühjahrsaussaat in weiten Teilen Europas gut vorankommt.
Wetterbedingungen und Ertragserwartungen
Die Niederschlagsdefizite im April belasteten Zentral-, Ost- und Nordeuropa erheblich. Insbesondere späte Fröste könnten die Rapsbestände in einigen Regionen beeinträchtigt haben. Hingegen führten kühle und feuchte Bedingungen in Südosteuropa und der Türkei zu Verzögerungen bei den Feldarbeiten und behinderten den frühen Pflanzenwuchs. Trotz dieser Herausforderungen liegen die EU-weiten Ertragsschätzungen weiterhin nahe dem Fünfjahresdurchschnitt oder darüber. Für Weichweizen prognostiziert MARS gegenwärtig 60,1 dt/ha, was gegenüber dem Fünfjahresmittel einen Anstieg um 2 % bedeutet, jedoch einen Rückgang um 5 % im Vergleich zum Vorjahr darstellt.
Auch bei Gerste liegen die Schätzungen mit 50,6 dt/ha leicht über dem langjährigen Mittel. Körnermais wird mit 73,0 dt/ha veranschlagt, was einem Plus von 3 % im Vergleich zum Durchschnitt entspricht. Raps bewegt sich mit 31,9 dt/ha auf einem stabilen Niveau.
Positive Aussichten für Deutschland
MARS bewertet die Lage in Deutschland trotz geringer Niederschläge insgesamt positiv. Die Winterkulturen profitieren von durchschnittlichen Temperaturen und entwickeln sich stetig weiter. Doch auch hier könnte anhaltende Trockenheit auf leichten Böden zu Problemen führen, wenngleich Niederschläge Anfang Mai vorübergehend Entlastung brachten.
Die Ertragserwartungen für Weichweizen liegen bei 77,1 dt/ha – das sind 3 % mehr als im langjährigen Mittel. Auch Wintergerste wird mit 75,0 dt/ha leicht überdurchschnittlich eingeschätzt. Körnermais wird mit einer Prognose von 97,7 dt/ha erwartet, während Raps bei 37,0 dt/ha liegt.
Herausforderungen in Osteuropa
In Mittel- und Osteuropa stellt sich die Situation kritischer dar. Polen leidet unter Trockenheit und späten Frösten, was die Ertragserwartungen für Winterkulturen schmälert; Raps ist besonders betroffen. Auch in Tschechien, Österreich und der Slowakei sind die Bodenfeuchtewerte niedrig. Ausreichende Niederschläge bleiben entscheidend für das Wachstum des Wintergetreides.
Ungarn kämpft ebenfalls mit Trockenheit und Kälteeinbrüchen, welche sowohl den Raps als auch die Frühjahrskulturen beeinträchtigen.
Besserung durch Regen in Westeuropa
Anfang Mai brachte ergiebiger Regen eine Verbesserung der zuvor trockenen Bedingungen in Frankreich. Die Ertragserwartungen für Gerste bleiben trotz Anpassung oberhalb des Fünfjahresmittels. In Spanien und Portugal befinden sich Winterkulturen trotz eines schwierigen Starts insgesamt in guter Verfassung; viele Regionen der Iberischen Halbinsel weisen überdurchschnittliche Bodenwasservorräte auf.
Aussaat nahezu abgeschlossen
Die Aussaat der Frühjahrskulturen ist fast überall abgeschlossen. Mais wurde vielerorts zügig gepflanzt; Verzögerungen traten vor allem auf dem Balkan und in Südosteuropa auf. In Deutschland könnte Trockenheit den Aufgang beeinflussen.
Kartoffeln wurden unter meist günstigen Bedingungen gesetzt; jedoch bestehen in Polen wegen knapper Feuchtigkeit Risiken für den Auflauf.
Positive Entwicklungen im Maghreb
Laut MARS-Bericht zeigt sich ein positives Bild für Marokko und Algerien dank anhaltender Niederschläge seit dem Winter sowie guter Wasserspeicherung. Erwartete Weizenerträge von 26,0 dt/ha in Marokko liegen 45 % über dem Fünfjahresmittel; Algerien erwartet 18,7 dt/ha – ein Anstieg um 24 %. Dies könnte den Importbedarf verringern.
Aussicht: Wetterentscheidend für weitere Entwicklung
Zukünftig bleibt die Verteilung der Niederschläge entscheidend: Zentral-, Ost- und Nordeuropa müssen ihre Wasserreserven auffüllen. Gleichzeitig könnte warmer Sommerstress die Bestände belasten und zur Diversität der EU-Ertragserwartungen beitragen.
