Für das Jahr 2026 prognostiziert der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) eine Getreideernte von etwa 44,1 Millionen Tonnen. Diese Menge liegt leicht über dem langjährigen Durchschnitt, jedoch um 2,6 % unter dem Vorjahreswert von 45,3 Millionen Tonnen. Der durchschnittliche Ertrag pro Hektar wird mit 72,5 Dezitonnen angegeben, was einem Rückgang von 3,9 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Anbaufläche ist hingegen um 1,4 % auf 6,08 Millionen Hektar gewachsen.
Winterweizenproduktion sinkt erheblich
Besonders stark betroffen ist der Winterweizen, dessen Produktion mit etwa 20,5 Millionen Tonnen deutlich niedriger ausfallen soll als im Vorjahr. Dies entspricht einem Rückgang von 9,1 % gegenüber den 22,6 Millionen Tonnen des Jahres 2025. Auch der Ertrag je Hektar sinkt von 78,3 auf 76,6 Dezitonnen. Die Anbaufläche für Winterweizen hat sich leicht auf 2,68 Millionen Hektar verkleinert.
Gerste zeigt gemischtes Bild
Bei Gerste insgesamt wird ein leichter Rückgang erwartet: Mit einer Produktion von 11,1 Millionen Tonnen liegt die Menge um 2,4 % unter der des Vorjahres. Während die Wintergerste stabil bei rund 9,5 Millionen Tonnen bleibt, verzeichnet die Sommergerste einen deutlichen Einbruch auf 1,56 Millionen Tonnen – ein Minus von 14,6 %. Die Anbaufläche für Sommergerste ist um 8,3 % geschrumpft.
Anstieg bei Raps trotz leichtem Ertragsrückgang
Die Aussichten für Winterraps sind positiver: Hier rechnet der DRV mit einer Produktionssteigerung um 4,3 %, was einer Gesamtmenge von rund 4,1 Millionen Tonnen entspricht. Diese Zunahme wird vor allem durch eine erweiterte Anbaufläche erreicht. Trotz dieser positiven Entwicklung liegt der Ertrag je Hektar mit 36,2 Dezitonnen leicht unter dem Wert des Vorjahres. Besonders in Bayern und Niedersachsen werden deutliche Steigerungen bei der Rapsproduktion erwartet.
Zukunftsrisiken: Flächenkonkurrenz und Düngemittelversorgung
Blickt man in die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland, so stehen laut Guido Seedler vom DRV vor allem zwei Herausforderungen im Raum: die Konkurrenz um Anbauflächen und die Düngemittelversorgung. Er warnt davor, dass der wachsende Bedarf an Flächen für erneuerbare Energien den Anbau von Getreide beeinträchtigen könnte. Daher fordert der Verband eine kluge Flächennutzung sowie Investitionen in Grenzstandorte und Moorböden für Energieerzeugung.
Zudem betont Seedler die Dringlichkeit beim Thema Düngemittel: Aufgrund steigender Preise könnten Landwirte weniger kaufen. Ohne schnelle Lösungen könnte dies zu einem Abfluss deutscher Düngemittel ins Ausland führen und die Ernteerträge in den kommenden Jahren gefährden. Der DRV unterstützt den EU-Plan zur Förderung der heimischen Düngemittelproduktion und fordert zusätzliche Maßnahmen zur kurzfristigen Unterstützung der Landwirte.
