In Zeiten zunehmender globaler Unsicherheiten und geopolitischer Spannungen rückt die Frage nach der Krisenfestigkeit von Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft in den Fokus. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer sieht hier erhebliches Verbesserungspotenzial und fordert eine engere Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Herausforderungen für die Wertschöpfungsketten
Die jüngsten Krisen, darunter die Covid-19-Pandemie, der Ukraine-Konflikt und Spannungen im Nahen Osten, haben gezeigt, wie anfällig Lieferketten im Lebensmittelbereich sind. Minister Rainer betonte auf dem „What The Food Forum“ in Berlin, dass die sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln keine Selbstverständlichkeit sei. Sie müsse kontinuierlich gesichert werden, um auf unerwartete Ereignisse vorbereitet zu sein.
Laut Rainer seien stabile und widerstandsfähige Lieferketten notwendig. Diese könnten nur erreicht werden, wenn alle relevanten Akteure gemeinsam daran arbeiten. Hierbei sieht er die Landwirtschaft als systemrelevant an und fordert den Schutz der Lebensmittelerzeugung als kritische Infrastruktur.
Notwendige Modernisierung der Notfallreserven
Ein zentraler Punkt in Rainers Strategie ist die Modernisierung der staatlichen Notfallreserven, deren Strukturen noch aus den 1960er-Jahren stammen. Der Minister plädiert für eine Überarbeitung dieser Vorratshaltung, um auf künftige Krisen besser reagieren zu können. Bereits im letzten Sommer hatte Rainer eine Debatte über die Ausweitung dieser Reserven angestoßen.
Rainer hob auch die Bedeutung privater Vorratshaltung hervor. Es sei sinnvoll, dass Haushalte stets genügend haltbare Lebensmittel vorrätig halten. Die staatlichen Maßnahmen zur Vorsorge sollten durch individuelle Eigenverantwortung ergänzt werden.
Forderungen der Ernährungswirtschaft
Christoph Minhoff vom Lebensmittelverband Deutschland unterstrich die Bereitschaft der Unternehmen zur Verbesserung der Krisenvorsorge, forderte jedoch Entlastungen bei Energie- und Transportkosten. Ohne diese Elemente sei eine Produktion nicht möglich. Er regte an, überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien kostenlos an Unternehmen abzugeben und die Maut für Lebensmitteltransporte auszusetzen.
Minhoff betonte zudem die Wichtigkeit von haltbaren Lebensmitteln als Teil einer umfassenden Notfallreserve. Der Fokus auf solche Produkte sei im Ernstfall entscheidend. Eine pauschale Ablehnung verarbeiteter Lebensmittel lehne er ab und forderte einen pragmatischen Umgang mit diesem Thema.
