In den letzten Jahren hat der Erwerb von Ackerland, Weiden und Wäldern durch ausländische Investoren in den USA erheblich zugenommen. Deutsche Investoren stehen dabei an dritter Stelle unter den ausländischen Bodeneigentümern. Die Beweggründe für diese Investitionen in amerikanisches Farmland sind vielfältig und reichen von wirtschaftlichen Interessen bis hin zur Sicherung von Altersvorsorge.
Ausmaß der ausländischen Landbesitzungen
Laut den aktuellsten Daten des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) besitzen ausländische Investoren durch direktes Eigentum oder langfristige Pachtverträge mindestens 28,3 Millionen Acres, was etwa 11,5 Millionen Hektar entspricht. Der Wert dieser Flächen wird auf über 52 Milliarden US-Dollar geschätzt – eine Fläche vergleichbar mit dem Bundesstaat Ohio.
Ein Bundesgesetz von 1978 erfordert von ausländischen Unternehmen die Meldung ihrer Landtransaktionen an die USDA Farm Service Agency (FSA). Allerdings beklagen US-Farmorganisationen eine unzureichende Kontrolle dieser Verkäufe. Einige Bundesstaaten wie Hawaii, Iowa und Minnesota haben daher Gesetze erlassen, die den Erwerb von Ackerland durch Ausländer verbieten. Weitere Staaten wie Missouri und Ohio erwägen ähnliche Maßnahmen.
Deutsche Investoren: Einfluss und Besitz
Die Untersuchungen des Midwest Center for Investigative Reporting ergaben, dass sich der Besitz von US-Ackerland durch Ausländer zwischen 2004 und 2014 verdoppelt hat. Deutsche Investoren besitzen derzeit rund 785.000 Hektar Land, womit sie nach kanadischen und niederländischen Investoren die drittgrößten ausländischen Landbesitzer in den USA sind.
Einige dieser deutschen Investitionen reichen bis in die 1980er Jahre zurück. Damals begannen sie mit dem Kauf von Land in Iowa und Minnesota, bevor sich ihr Fokus nach Ohio verlagerte. Interessanterweise besteht der größte Teil des ausländisch besessenen Bodens nicht aus Ackerland, sondern aus Waldflächen (54,9 Prozent), gefolgt von Weideland (23,6 Prozent) und lediglich 21,5 Prozent Ackerland.
Wirtschaftliche Motive hinter dem Landerwerb
Die Gründe für den Kauf von US-Land sind vielfältig. Ein großer kanadischer Landbesitzer nutzt seine Flächen vornehmlich für Forstwirtschaft. In anderen Fällen dienen solche Investitionen als konservative Anlageformen zur Finanzierung nationaler Rentensysteme, wie beispielsweise im Fall der Niederlande.
Niederländische Einwanderer haben im Laufe des 19. Jahrhunderts im Mittleren Westen Landwirtschaft betrieben; diese Tradition setzt sich heute fort. Dennoch bleibt unklar, welchen Einfluss ausländische Investoren auf den Bodenmarkt und die Preise tatsächlich haben, da es bisher keine umfassenden Studien dazu gibt.
Chinesische Übernahmen und deren Auswirkungen
Chinesische Unternehmen sind ebenfalls bedeutende Akteure auf dem Markt. Im Jahr 2013 übernahm das chinesische Unternehmen Shuanghui den großen US-Schlachter Smithfield Foods. Dies führte dazu, dass mehr als 16.200 Hektar Ackerland in Missouri erworben werden konnten, nachdem ein entsprechendes Gesetz geändert worden war.
Laut Blake Hurst vom Missouri Farm Bureau ist seine Organisation weiterhin gegen das zunehmende ausländische Eigentum an Agrarland. Sie argumentiert, dass lokale Farmer eine bessere Bewirtschaftung gewährleisten könnten, was auch ländlichen Gemeinden zugutekommen würde.
