Die Preise für Düngemittel steigen weltweit weiterhin rasant an, insbesondere für zukünftige Liefertermine. Ein führender Düngemittelimporteur warnt, dass Europa im Frühjahr 2027 möglicherweise ohne Stickstoffdünger dastehen könnte. Diese kritische Information müsse laut dem Importeur schnell an die Regierungen und die Europäische Union weitergeleitet werden.
Deutliche Preissteigerungen auf dem Harnstoffmarkt
Aktuelle Marktbeobachtungen zeigen, dass die Preise für Harnstoff im Mittleren Osten für Märzlieferungen bei 650 USD pro Tonne liegen, während sie für April auf 750 USD ansteigen. Seit Mitte Februar beträgt der Preisanstieg somit rund 300 USD je Tonne oder etwa 66 Prozent. Diese Entwicklung macht den globalen Harnstoffmarkt zu einem wichtigen Indikator für die kommenden Stickstoffpreisbewegungen.
Die europäischen Landwirte sehen sich nicht nur mit steigenden Preisen konfrontiert, sondern auch mit zusätzlichen Hürden durch hohe Importsteuern auf russischen Dünger und CO2-Abgaben. In Frankreich liegen die Importpreise für Harnstoff bereits bei etwa 650 €/t und könnten bald weiter steigen.
Globale Handelsstörungen verschärfen die Lage
Ein erheblicher Anteil des weltweiten Düngemittelhandels wird durch die Straße von Hormus transportiert, die derzeit blockiert ist. Dadurch fehlen dem Markt große Mengen an Harnstoff, Gas und Öl. Der Iran trägt allein schon 10 bis 12 Prozent zur globalen Harnstoffproduktion bei. Zusätzlich hat eines der größten Stickstoffwerke in Ras Laffan, Katar, aufgrund höherer Gewalt seine Produktion eingestellt.
Massive Auswirkungen auf europäische Landwirtschaft
Die europäischen Landwirte sind stark von importierten Düngemitteln abhängig und sehen sich nun mit steilen Kostensteigerungen konfrontiert. Ausgelöst durch kriegsbedingte Energieengpässe und damit einhergehende hohe Stickstoffkosten, überlegen viele Landwirte, weniger Düngemittel einzusetzen oder ihre Anbaupläne anzupassen. Besonders betroffen zeigt sich der Maisanbau, da Landwirte auf weniger ressourcenintensive Kulturen umsteigen.
- Laut Prognosen könnte die Maisanbaufläche in Italien bis zum Wirtschaftsjahr 2026/27 um etwa 11 Prozent schrumpfen.
- Auch andere EU-Länder wie Polen (-9%), Frankreich (-3%) und Spanien (-11%) erwarten Rückgänge in der Anbaufläche von Mais.
Der „perfekte Sturm“ am Düngermarkt
Nicht nur landwirtschaftliche Betriebe spüren die Auswirkungen der steigenden Düngerpreise; auch im Futtermittelsektor passt man sich an. EU-Futterweizen gewinnt als Alternative zu Mais in der Tierernährung an Attraktivität. Diese Veränderung deutet darauf hin, dass der Düngemittelschock über den reinen Anbau hinausgeht und auch den Futtermittelmarkt beeinflusst.
Laut Berichten von Platts steht Europa vor einer herausfordernden Zukunft: Die erwartete Knappheit und Unbezahlbarkeit von Stickstoffdünger könnte sich bis 2027 erheblich verschärfen. Ein Händler aus dem Benelux-Raum beschreibt die gegenwärtigen Marktbedingungen als „perfekten Sturm“ aus steigenden Kosten durch neue CBAM-Gebühren (CO2-Importsteuern), niedrigen Getreidepreisen und einem plötzlichen Anstieg der Stickstoffpreise.
