Die Agravis Raiffeisen AG plant eine bedeutende Expansion in den süddeutschen Markt. Mit einem Investitionsvolumen von knapp 300 Millionen Euro möchte der Agrarhandelskonzern aus Münster seine Präsenz in Bayern und Baden-Württemberg ausbauen. Ziel ist es, durch gezielte Kooperationen mit lokalen Genossenschaften Fuß zu fassen, ohne dabei als Konkurrent aufzutreten.
Strategische Partnerschaften im Fokus
Laut Vorstandschef Dr. Dirk Köckler soll die Zusammenarbeit mit Genossenschaften im Süden intensiviert werden, insbesondere mit solchen, mit denen bisher wenig Kontakt bestand. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Großhandel mit Saatgut, Düngemitteln und Pflanzenschutz sowie auf Franchise-Aktivitäten für Raiffeisen-Märkte. Erste Partnerschaften in Bayern konnten bereits etabliert werden.
Agravis betont, dass die Genossenschaften weiterhin das Bindeglied zum Endkunden bleiben sollen. Das Unternehmen versteht sich als unterstützender Großhandelspartner und Lösungsanbieter, um den lokalen Akteuren den Rücken zu stärken.
Wachstum durch Investitionen
Die Investitionsoffensive ist Teil einer umfassenden Wachstumsstrategie für die kommenden Jahre. Der Fokus liegt auf dem Ausbau der Infrastruktur, der Digitalisierung der Prozesse sowie der Optimierung des Kerngeschäfts. Damit setzt Agravis auf eine nachhaltige Entwicklung und Stärkung ihrer Marktposition.
Finanzielle Stabilität als Grundlage
Im Jahr 2025 konnte Agravis ihr Ergebnis vor Steuern auf 70,1 Millionen Euro steigern, bei einem stabilen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro. Dies trotz eines niedrigeren Preisniveaus bei Agrarrohstoffen. Finanzvorstand Hermann Hesseler sieht darin einen Beweis für die robuste Unternehmensentwicklung und verwies auf die verbesserte Eigenkapitalquote von 32,3 %.
Herausforderungen im Direktgeschäft
Trotz positiver Entwicklung im Großhandel kämpft das Direktgeschäft mit Landwirten mit Rückgängen. Hier sank der Umsatz um 6,9 % auf 2,36 Milliarden Euro, was hauptsächlich auf gesunkene Preise bei Rohstoffen zurückzuführen ist. Die Technik-Sparte blieb hingegen stabil und zeigte positive Entwicklungen in Werkstattauslastung und Ersatzteilgeschäft.
Konkurrenz unter Druck
Der Vorstoß von Agravis trifft auf einen Wettbewerber in Schwierigkeiten: BayWa meldete für 2024 einen Verlust von 1,604 Milliarden Euro. Geplante Stellenstreichungen und Filialschließungen sind Teil eines Sanierungskurses, der aufgrund gestiegener Zinskosten und hoher Bankschulden unter Druck steht.
Agravis sieht nun eine Chance im süddeutschen Raum zu wachsen und gleichzeitig die eigene Marktstellung zu festigen. Mit über 7.000 Mitarbeitern an rund 400 Standorten zählt Agravis zu den größten norddeutschen Unternehmen im Landhandel.
