Angesichts der aktuellen Herausforderungen auf dem europäischen Zuckermarkt plant die EU-Kommission, den zollfreien Import von Zucker für mindestens ein Jahr zu stoppen. Dies geht aus Berichten des Agrarmagazins Boerderij hervor. Der Plan, der darauf abzielt, die Stabilität im europäischen Zuckersektor wiederherzustellen, wird von Christophe Hansen, dem EU-Landwirtschaftskommissar, geleitet. Er erklärte kürzlich gegenüber Bloomberg, dass die notwendigen Dokumente zur Aussetzung der Importe in den nächsten Wochen fertiggestellt und eingereicht werden sollen.
Zuckerimporte auf Rekordniveau
Derzeit besteht das Risiko eines deutlichen Anstiegs der Zuckerimporte in die Europäische Union. Hansen wies darauf hin, dass in dieser Saison bereits 700.000 Tonnen importiert wurden, was eine erhebliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Allein in den ersten drei Monaten der neuen Zuckersaison 2025/26 wurden bereits 257.000 Tonnen Rohzucker und 62.000 Tonnen Weißzucker zollfrei importiert.
Herkunft und wirtschaftliche Auswirkungen
Die Menge des importierten Rohzuckers entspricht mehr als 40 % der im Vorjahr durch das Programm „Inward Processing“ eingeführten Gesamtmenge innerhalb eines Jahres. Die meisten dieser Importe stammen aus Brasilien und machen über 90 % des gesamten zollfreien Zuckers aus, der über diese Regelung in die EU gelangt. Diese Praxis ermöglicht es Brasilien, eine größere Menge Zucker in die EU zu exportieren als über das Mercosur-Abkommen möglich wäre.
Krisenlage im Zuckersektor
Dabei ist der europäische Zuckersektor bereits stark unter Druck geraten. Der Preis für Weißzucker fiel von 758 Euro pro Tonne im September 2024 auf 516 Euro pro Tonne im Januar 2026. Diese Preissenkungen haben zu verstärkten Protesten gegen den ungehinderten Import zollfreien Zuckers geführt.
Zukünftige Schritte der EU-Kommission
Bereits Ende Januar hatte Hansen angekündigt, dass er Maßnahmen ergreifen werde, um diese Importe zu regulieren. Allerdings nannte er weder einen genauen Zeitpunkt noch einen spezifischen Zeitraum für die Umsetzung dieser Maßnahmen. Inzwischen gehen die zollfreien Importe unvermindert weiter.
