Wer eine Rundballenpresse kaufen oder ersetzen will, muss deutlich mehr berücksichtigen als Ballendurchmesser und Anschaffungspreis. Entscheidend sind vor allem die jährliche Ballenzahl, das Erntegut, die verfügbare Traktorleistung und die Frage, ob nur gepresst oder Silage in einem Arbeitsgang gepresst und gewickelt werden soll.

Eine Rundballenpresse, die für einen Lohnunternehmer mit mehreren Tausend Ballen im Jahr gut passt, kann für einen Betrieb mit wenigen hundert Heu- oder Silageballen wirtschaftlich die falsche Entscheidung sein. Auch die Zahl der Messer oder ein besonders hoher Pressdruck sagen allein wenig darüber aus, wie gut eine Maschine zum Betrieb passt.
Das zeigt auch ein unabhängiger Vergleich von BLT Wieselburg und HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Bei sechs variablen Rundballenpressen erreichte keine Maschine in allen Disziplinen den Spitzenplatz. Die Pöttinger Impress produzierte im Strohtest besonders dichte Ballen, während die John Deere V 461R beim Durchsatz vorne lag. Gleichzeitig zeigte jede getestete Presse mindestens einen Punkt, an dem andere Maschinen besser abschnitten.
Welche Rundballenpresse ist die beste?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Bei Rundballenpressen stehen einzelne Leistungsmerkmale teilweise sogar im direkten Zielkonflikt. Besonders deutlich wird das bei Ballendichte und Durchsatz.
BLT Wieselburg und HBLFA Raumberg-Gumpenstein testeten sechs variable Rundballenpressen mit demselben Fahrer und zwei gleich ausgestatteten Fendt 516 Vario mit 163 PS. Im Stroh wurden Ballen mit 1,50 Meter Durchmesser gepresst. Das Wintergerstenstroh hatte 89,1 Prozent Trockenmasse und war bewusst trocken und brüchig. Damit sollten die Maschinen unter anspruchsvollen Bedingungen arbeiten.
Die Pöttinger Impress 185V Pro erzeugte im Test die dichtesten und schwersten Ballen. Gleichzeitig gehörte sie gemeinsam mit der John Deere V 461R zu den Maschinen mit dem niedrigsten Leistungsbedarf.
Die John Deere erreichte dagegen die größte Flächenleistung. Dafür musste bei besonders brüchigem Stroh der Pressdruck reduziert werden, weil abgeriebene Strohteile die Netzzufuhr beeinträchtigten. Das Ergebnis zeigt einen wichtigen Zusammenhang: Eine hohe Stundenleistung bedeutet nicht automatisch maximale Ballendichte.
Fendt Rotana 160 V Xtra und Kuhn VB 7160 OC lagen bei der Dichte über dem Durchschnitt, beim Durchsatz jedoch darunter. Deutz-Fahr zeigte das entgegengesetzte Bild. Die Varimaster 765 OC schaffte einen überdurchschnittlichen Durchsatz, die Dichte lag jedoch unter dem Mittel. Mit 3.600 Kilogramm war sie zudem die leichteste Maschine im Vergleich und schnitt bei den Hangversuchen besonders gut ab.
Bei der Krone Comprima V 150 XC Plus gelang es unter den extrem trockenen Bedingungen dagegen nicht, einen Ballen zu pressen. Krone verwies für trockene Erntegüter später auf die VariPack Plus.
Damit liefert der Test keine Rangliste mit einem eindeutigen Sieger. Er zeigt vielmehr, dass unterschiedliche konstruktive Auslegungen unterschiedliche Stärken haben.
Ballendichte kostet Leistung
Im Mittel erreichten die sechs Pressen bei Stroh eine Dichte von 126 Kilogramm Trockenmasse je Kubikmeter und einen Gutstrom von 12,4 Tonnen Trockenmasse je Stunde.
Dabei zeigte sich eine klare Tendenz: Maschinen mit hoher Ballendichte erreichten häufig einen geringeren Durchsatz. Gleichzeitig steigt mit zunehmendem Pressdruck der Leistungsbedarf an der Zapfwelle. Hat der eingesetzte Traktor keine ausreichende Leistungsreserve, kann eine theoretisch leistungsfähige Presse deshalb ihre mögliche Flächenleistung nicht ausschöpfen.
Für einen Betrieb bedeutet das: Wer möglichst schwere und kompakte Ballen benötigt, sollte nicht allein auf die theoretische maximale Stundenleistung achten. Bei Lohnunternehmen oder großen Ernteflächen kann dagegen ein hoher Durchsatz wichtiger sein als die letzten Prozent Ballendichte.
Auch das Erntegut verändert die Anforderungen. Eine Maschine, die in Silage problemlos arbeitet, kann bei extrem trockenem und brüchigem Stroh anders reagieren. Umgekehrt sind bei nassem oder kurzem Futter Einzug und Bindung besonders wichtig.
Die Prüfer betonten deshalb, dass Einstellung und Fahrweise erheblichen Einfluss auf das Ergebnis haben.
Neue Rundballenpressen setzen stärker auf Durchsatz
Seit dem Vergleich sind neue Pressengenerationen erschienen. Ein Beispiel ist die zur Agritechnica 2025 vorgestellte Krone CombiPack HDP CV 165 XC. Sie arbeitet mit einem Monoriemen, während Rotor und Riemen über ein Getriebe angetrieben werden. Laut Hersteller soll der Durchsatz gegenüber Vorgängerlösungen um mehr als 30 Prozent steigen.
Für diese Angabe liegen in der ausgewerteten Datenbasis allerdings keine vergleichbaren unabhängigen Messungen vor. Herstellerwerte und Ergebnisse unabhängiger Tests sollten deshalb getrennt betrachtet werden.
Die richtige Frage beim Kauf lautet daher weniger „Welche Rundballenpresse ist die beste?“, sondern: Welche Maschine passt zu Ballenzahl, Erntegut, Flächenstruktur und vorhandenem Schlepper?
Was kostet es, einen Rundballen zu pressen?
Die Kosten pro Ballen entscheiden häufig darüber, ob eine eigene Rundballenpresse wirtschaftlich sinnvoll ist oder ob der Lohnunternehmer günstiger arbeitet.
Nach den Erfahrungssätzen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen für überbetriebliche Maschinenarbeiten im Rheinland kostet das Pressen eines Rundballens 2026 netto zwischen 6,50 und 9,70 Euro. Enthalten sind Maschine, Schlepper, Fahrer und Diesel.
Bei einem Rundballen mit etwa 250 Kilogramm werden einschließlich Netz 6,50 bis 8,40 Euro angesetzt. Bei einem 400-Kilogramm-Ballen sind es 7,90 bis 9,70 Euro.
Für Silage nennt die Kammer 7,50 bis 8,40 Euro je gepresstem Ballen. Wird anschließend gewickelt, kommen einschließlich Folie weitere 8,50 bis 10 Euro hinzu. Ein fertig gepresster und gewickelter Silageballen kommt damit rechnerisch auf 16 bis 18,40 Euro.
Die Werte beruhen auf einer Preisbasis von Februar 2026. Angesetzt werden unter anderem 1,40 Euro je Liter Diesel und 26 Euro Fahrerlohn pro Stunde. Zuschläge für unternehmerisches Risiko, Nebenkosten, Betriebssteuern oder Gewinn sind in diesen Erfahrungssätzen nicht enthalten. Tatsächliche Angebote von Lohnunternehmen können deshalb höher liegen.
Diesel und Netz machen nur einen Teil der Kosten aus
Der Dieseleinsatz liegt nach den Erfahrungssätzen bei etwa 0,50 bis 0,75 Liter je Ballen. Bei einem angesetzten Dieselpreis von 1,40 Euro pro Liter entspricht das 0,70 bis 1,05 Euro.
Auch das Netz lässt sich relativ genau kalkulieren. Bei einer Beispielrechnung mit einem Nettopreis von 116 Euro für eine 3.000-Meter-Netzrolle ergeben sich abhängig von Ballendurchmesser und Zahl der Wicklungen etwa 0,49 Euro für einen Silageballen mit 1,20 Meter Durchmesser, 0,69 Euro für einen 1,50-Meter-Heuballen und 1,04 Euro für einen Strohballen mit 1,80 Meter Durchmesser.
Verluste an Netzanfang und -ende sind darin noch nicht enthalten. Die tatsächlichen Kosten liegen deshalb etwas höher.
Entscheidender als Netz und Diesel sind bei einer eigenen Presse jedoch die Fixkosten.
Wann rechnet sich eine eigene Rundballenpresse?
Die Landwirtschaftskammer arbeitet bei Maschinenkosten mit einer Prozentmethode. Für Abschreibung, Zinsansatz, Reparaturen, Unterbringung und Versicherung werden jährlich insgesamt etwa 14 bis 22 Prozent des Anschaffungspreises angesetzt.
Bei einer Rundballenpresse für 40.000 Euro netto entstehen damit allein 5.600 bis 8.800 Euro jährliche Fixkosten.
In der vorliegenden Beispielrechnung wird zusätzlich mit einem Schlepper der Klasse 101 bis 120 PS, einem Fahrerlohn von 26 Euro pro Stunde, einer Pressleistung von 20 Ballen je Stunde und 0,49 Euro Netz je Silageballen gerechnet. Daraus ergeben sich variable Kosten von etwa 3,67 Euro pro Ballen.
Bei nur 500 Ballen jährlich steigen die Gesamtkosten dadurch auf rund 14,87 bis 21,27 Euro je Ballen. Bei 1.000 Ballen liegen sie noch zwischen 9,27 und 12,46 Euro.
Erst mit steigender Auslastung verteilen sich die Fixkosten auf genügend Ballen. Bei 2.000 Ballen ergeben sich etwa 6,46 bis 8,07 Euro je Ballen. Bei 3.000 Ballen sinkt der Wert auf 5,53 bis 6,60 Euro.
Verglichen mit dem Silage-Erfahrungssatz der Landwirtschaftskammer von 7,50 bis 8,40 Euro liegt die wirtschaftliche Schwelle einer 40.000-Euro-Presse damit ungefähr zwischen 1.180 und 2.300 Ballen jährlich.
Bei einem tatsächlichen Lohnunternehmerpreis von 12 Euro je Ballen verschiebt sich die Grenze deutlich. Dann kann dieselbe Presse bereits bei rund 670 bis 1.060 Ballen wirtschaftlich vergleichbar sein.
Eine einfachere Festkammerpresse verändert die Rechnung ebenfalls. Bei einem angenommenen Nettopreis von 25.000 Euro liegt die Schwelle gegenüber dem Erfahrungssatz für Silage bei etwa 740 bis 1.430 Ballen pro Jahr.
Neben den reinen Kosten bleibt ein Punkt, der sich schwer in Euro ausdrücken lässt: die Verfügbarkeit im richtigen Wetterfenster. Mit einer eigenen Maschine kann der Betrieb bei geeigneten Bedingungen selbst entscheiden, wann gepresst wird. Dieser Vorteil kann insbesondere bei Silage oder wechselhaftem Wetter erheblich sein, lässt sich aber nicht pauschal monetär bewerten.
Neue Pressen beginnen bei rund 25.000 Euro netto
Aktuelle und jüngere Händlerinserate zeigen eine große Preisspanne. Eine Case IH RB 344 als Festkammerpresse wurde beispielsweise für rund 24.790 Euro netto angeboten. Variable John Deere V451M lagen je nach Angebot bei etwa 39.900 bis 47.950 Euro netto.
Gehobene variable Pressen kosteten bereits in Preislisten aus dem Jahr 2020 deutlich über 50.000 Euro netto. Die damaligen Listenpreise betrugen beispielsweise rund 54.470 Euro für eine Deutz-Fahr Varimaster 765 OC und 61.980 Euro für eine Fendt Rotana 160 V Xtra. Diese älteren Listenpreise sind nicht mit heutigen Neupreisen gleichzusetzen.
Press-Wickel-Kombinationen können nochmals erheblich teurer sein. Bei Gebrauchtmaschinen reicht die Spannweite je nach Alter, Ballenzahl und Ausstattung von knapp 20.000 Euro bis über 100.000 Euro.
Wie viel PS braucht eine Rundballenpresse?
Bei der erforderlichen Traktorleistung ist die Mindestangabe des Herstellers nur der Ausgangspunkt. Entscheidend ist, wie viel Leistung unter realen Bedingungen tatsächlich benötigt wird und welche Reserve für hohe Ballendichte, große Schwaden, Hanglagen und schwere Press-Wickel-Kombinationen vorhanden ist.
Bei einfachen Festkammerpressen mit Schneidwerk beginnen die Herstellerangaben bereits bei etwa 65 PS. Krone nennt für die Comprima F 125 XC beispielsweise 48 kW beziehungsweise 65 PS. Für semivariable und variable Modelle der Baureihe werden 70 bis 80 PS angegeben.
Deutlich höher liegen viele variable Pressen mit leistungsfähigem Schneidwerk. Pöttinger nennt für die Impress V Pro 100 PS. Bei New Holland beginnt die Pro-Belt SuperFeed bei 100 PS, die CropCutter-Version bei 120 PS.
Press-Wickel-Kombinationen benötigen noch mehr Leistung. Herstellerangaben reichen bei den betrachteten Maschinen von etwa 100 bis 160 PS. Für die Göweil G-1 F125 Kombi werden beispielsweise 160 PS genannt.
Am oberen Ende liegt die Krone CombiPack HDP CV 165 XC. Krone empfiehlt für die Hochleistungs-Kombination rund 250 PS; der Antriebsstrang ist laut Hersteller für deutlich höhere Leistungen ausgelegt.
Der tatsächliche Spitzenbedarf kann deutlich höher sein
Der unabhängige Vergleich der sechs variablen Rundballenpressen zeigt, weshalb bei der Traktorwahl ausreichend Reserve eingeplant werden sollte.
Im Wintergerstenstroh lag der gemessene mittlere Spitzenleistungsbedarf an der Zapfwelle zwischen 59 und 87 kW. Umgerechnet sind das etwa 80 bis 118 PS.
Am niedrigsten lagen Pöttinger Impress und John Deere V 461R. Kuhn benötigte signifikant mehr Spitzenleistung. Deutz-Fahr und Fendt lagen dazwischen.
Interessant ist auch der Unterschied zwischen Erntegütern. Mit Ausnahme von Pöttinger und John Deere benötigten die untersuchten Pressen im Stroh mehr Leistung als in der Silage.
Der Energiebedarf betrug zwischen 2,6 und 5,2 Kilowattstunden je Tonne Trockenmasse Stroh. Die John Deere erreichte den niedrigsten Wert, presste im Versuch allerdings gleichzeitig weniger dichte Ballen und arbeitete mit einem hohen Gutstrom.
Damit wird ein grundlegender Zusammenhang sichtbar: Leistungsbedarf, Durchsatz und Ballendichte müssen gemeinsam betrachtet werden.
100 PS sind bei einer variablen Presse keine üppige Reserve
Ein Traktor mit 65 bis 70 PS kann eine entsprechend freigegebene Festkammerpresse antreiben. Bei dichtem Erntegut, großem Schwad oder Schneidwerk bleibt jedoch wenig Reserve.
Für eine variable Presse mit Schneidwerk sind etwa 100 PS deshalb ein sinnvoller Ausgangspunkt. Die Messwerte von bis zu 118 PS Zapfwellen-Spitzenleistung zeigen aber, dass ein stärkerer Schlepper je nach Einsatz Vorteile bringen kann.
Bei Press-Wickel-Kombinationen kommt außerdem das hohe Maschinengewicht hinzu. Die getesteten Solopressen wogen zwischen 3.600 und 4.640 Kilogramm. Eine Göweil G-1 F125 Kombi bringt laut Hersteller dagegen 8.980 Kilogramm auf die Waage. Auf Hangflächen oder weichen Böden ist deshalb nicht allein die Motorleistung entscheidend. Eigengewicht, Bereifung, Bremsanlage und Standsicherheit müssen zum Traktor passen.
Auch die Zapfwellendrehzahl ist zu beachten. Im Vergleich liefen Deutz-Fahr, Fendt und Kuhn mit 540 Umdrehungen pro Minute, John Deere und Pöttinger mit 1.000 Umdrehungen. Der eingesetzte Schlepper muss die für die Maschine erforderliche Drehzahl zur Verfügung stellen.
Welche Rundballenpresse hat die meisten Messer?
Bei der Messerzahl liegt unter den in der Datengrundlage erfassten Rundballenpressen die Krone CombiPack HDP CV 165 XC vorne. Ihr Schneidwerk verfügt über 41 Messer und erreicht eine theoretische Schnittlänge von 27 Millimetern.
Die Messer können in Gruppen von 5, 20, 21 oder allen 41 Messern geschaltet werden. Der Fahrer kann sie hydraulisch aus der Kabine ein- und ausschwenken.
Mit 32 Messern folgt die Pöttinger Impress 185V Pro. Ihre theoretische Schnittlänge beträgt 36 Millimeter. Die Göweil G-1 F125 arbeitet mit 30 Messern und erreicht 35 Millimeter.
Weitere Beispiele sind die Krone Comprima XC mit bis zu 26 Messern, die Fendt Rotana 160 V Xtra und John Deere V 461R mit jeweils 25 sowie Deutz-Fahr Varimaster 765 OC und Kuhn VB 7160 OC mit jeweils 23 Messern.
Bei Quaderballenpressen sind noch größere Schneidwerke möglich. Die Krone BiG Pack 1290 HDP II VC verfügt beispielsweise über 51 Messer. Diese Maschine gehört jedoch nicht zur Klasse der Rundballenpressen.
Mehr Messer bedeuten nicht automatisch entsprechend kürzeres Futter
Die Zahl der Messer lässt sich leicht vergleichen. Für die tatsächliche Schnittqualität reicht dieser Wert allerdings nicht.
Die theoretische Schnittlänge entspricht zunächst dem Messerabstand. Die Partikellänge im fertigen Ballen wird zusätzlich durch Presskraft, Gutstruktur und die Bewegung des Ballens in der Kammer beeinflusst.
Das zeigte sich deutlich im Strohtest. Obwohl Deutz-Fahr mit 23, Fendt mit 25, Kuhn mit 23 und Pöttinger mit 32 Messern unterschiedliche Schneidwerke einsetzten, waren die Unterschiede der Partikellängen im brüchigen Stroh statistisch nicht signifikant.
Rund 50 Prozent der untersuchten Partikel waren kürzer als 20 Millimeter, mehr als 70 Prozent blieben unter 40 Millimetern. Lediglich 4 bis 6 Prozent erreichten eine Länge von mindestens 80 Millimetern.
Die reine Aussage „41 Messer sind besser als 25 Messer“ wäre deshalb zu einfach.
Kurzes Schnittgut kann die Silagehandhabung erleichtern
Bei Silage können kurze Schnittlängen mehrere praktische Vorteile haben. Nach den ausgewerteten Versuchsergebnissen lässt sich kurz geschnittenes Material leichter aus dem Ballen lösen und dichter pressen. Auch der Umgang mit dem Futter auf perforierten Stallböden kann erleichtert werden.
Entscheidend ist dabei nicht nur der Abstand zwischen den Messern. Auch der Abstand des äußersten Messers zur Kammerwand beeinflusst, wie viel langes Material an den Ballenrändern verbleibt.
Im Test betrug dieser Abstand bei der John Deere 12,5 Zentimeter und bei der Deutz-Fahr 10,5 Zentimeter. Solche längeren Randfasern können bei Strohballen die Kanten stabilisieren und Verluste beim mehrfachen Umschlag reduzieren. Bei der Fütterung kann gröberes Material allerdings andere Eigenschaften haben.
Praktisch wichtig ist deshalb die Möglichkeit, verschiedene Messergruppen zu schalten. Fendt und John Deere ermöglichen beispielsweise Gruppen mit 12, 13 oder 25 Messern. Bei Deutz-Fahr sind 7, 11, 12 oder 23 Messer möglich, bei der CombiPack HDP 5, 20, 21 oder 41. Damit lässt sich die Schnittintensität dem jeweiligen Erntegut anpassen.
Festkammer oder variable Rundballenpresse?
Neben Preis, PS-Bedarf und Schneidwerk entscheidet die Bauart der Presskammer wesentlich darüber, für welchen Betrieb eine Rundballenpresse geeignet ist.
Eine Festkammerpresse erzeugt einen vorgegebenen Ballendurchmesser, häufig etwa 1,25 Meter. Die Kammer besteht je nach Hersteller beispielsweise aus Presswalzen oder Stabketten. Die Verdichtung nimmt während der Ballenbildung zu. Festkammerpressen sind häufig einfacher aufgebaut und im Einstieg günstiger.
Für Betriebe, die weitgehend einheitliche Ballengrößen benötigen, kann das ausreichen. Bei neuen Festkammerpressen beginnen die ausgewerteten Händlerangebote bei etwa 25.000 Euro netto.
Eine variable Rundballenpresse erlaubt dagegen unterschiedliche Durchmesser. Je nach Modell reicht der Einstellbereich beispielsweise von 0,70 bis 1,60 Meter oder darüber hinaus. Die gewünschte Ballengröße wird am Terminal gewählt.
Dadurch kann derselbe Betrieb beispielsweise kleinere Silageballen und größere Strohballen mit einer Maschine herstellen. Diese Flexibilität geht allerdings meist mit einem höheren Anschaffungspreis einher.
Zwischen beiden Konzepten liegen semivariable Pressen, bei denen mehrere definierte Ballengrößen eingestellt werden können.
Press-Wickel-Kombination spart einen Arbeitsgang
Bei Silage ist zusätzlich zu entscheiden, ob Presse und Wickler getrennt oder kombiniert eingesetzt werden.
Ein separates Wickelgerät erreicht nach den ausgewerteten Erfahrungssätzen rund 45 bis 50 Ballen pro Stunde. Eine Rundballenpresse schafft im gleichen Zeitraum etwa 18 bis 24 Silageballen. Rein rechnerisch kann ein Wickler daher zwei Pressen bedienen.
Eine Press-Wickel-Kombination benötigt dagegen nur einen Schlepper und einen Fahrer. Der Ballen wird direkt nach dem Pressen an die Wickeleinheit übergeben.
Dafür wird die Maschine schwerer und teurer. Göweil gibt für die G-1 F125 als reine Presse beispielsweise 5.580 Kilogramm an, als Kombination 8.980 Kilogramm. Auf weichen Flächen und im Hang kann dieser Unterschied entscheidend sein.
Gebrauchte Rundballenpresse: Ballenzahl allein reicht nicht
Der Gebrauchtmarkt bietet Rundballenpressen zu erheblich niedrigeren Preisen als entsprechende Neumaschinen. Der Vergleich allein über Baujahr und Kaufpreis greift jedoch zu kurz.
Die ausgewerteten Inserate nennen bei gebrauchten Maschinen Laufleistungen von etwa 8.650 bis knapp 30.000 gepressten Ballen. Diese Zahl ist ein wichtiger Anhaltspunkt, sagt aber wenig darüber aus, wie die Presse eingesetzt und gewartet wurde.
Vor dem Kauf sollten deshalb insbesondere folgende Punkte kontrolliert werden:
- Ballenzähler und dokumentierte Gesamtleistung mit Baujahr und Preis vergleichen; Ketten, Rotor-, Presswalzen- und Pick-up-Lager auf Verschleiß oder bereits erfolgte Erneuerungen prüfen; Messer, Einzelabsicherung und Schneidboden kontrollieren; Netzeinheit und gegebenenfalls Folienbindung unter Last testen; Zentralschmierung, Gelenkwelle und Nockenschaltkupplung prüfen; Zustand von Bereifung, Bremsanlage und Beleuchtung beurteilen; Wartungsnachweise verlangen und Entfernung sowie Ersatzteilversorgung des zuständigen Servicebetriebs berücksichtigen.
Eine Vorführung sollte möglichst nicht nur auf dem Händlerhof stattfinden. Der unabhängige Vergleich zeigt, dass sich Maschinen je nach Futterzustand, Hanglage und Einstellung deutlich unterschiedlich verhalten können.
Bei der Netzbindung lohnt sich beispielsweise ein Test mit kurzem oder feuchtem Material. Auch das Verhalten der Pick-up in Kurven und am Hang kann sich unterscheiden.
Wie viele Ballen schafft eine Rundballenpresse pro Stunde?
Nach den Erfahrungssätzen der Landwirtschaftskammer liegen typische Leistungen beim Silagepressen bei etwa 18 bis 24 Ballen je Stunde.
Bei Heu und Stroh werden je nach Ballengewicht etwa 11 bis 20 Ballen pro Stunde angegeben. Mit 400-Kilogramm-Ballen liegt die Leistung bei ungefähr 10 bis 16 Stück.
Hersteller moderner Hochleistungsmaschinen nennen teilweise deutlich höhere Werte. Krone gibt für die CombiPack HDP beispielsweise bis zu 90 gepresste und gewickelte Ballen je Stunde an. Dabei handelt es sich um eine Herstellerangabe und nicht um einen direkt vergleichbaren unabhängigen Messwert.
Die erreichbare Leistung hängt außerdem von Schwadgröße, Ballendurchmesser, Pressdruck, Messerzahl, Fahrgeschwindigkeit, Bindevorgang und Flächenstruktur ab.
Wie schwer ist ein Rundballen?
Das Gewicht eines Rundballens lässt sich ohne Angaben zu Durchmesser, Breite, Erntegut und Pressdichte nicht sinnvoll angeben.
Im unabhängigen Strohtest wogen Ballen mit 1,50 Meter Durchmesser zwischen 280 und 380 Kilogramm. Ihr rechnerisches Volumen beträgt bei 1,20 Meter Ballenbreite rund 2,12 Kubikmeter.
Ein Ballen mit 1,25 Meter Durchmesser kommt auf etwa 1,47 Kubikmeter, bei 1,80 Meter Durchmesser sind es bereits rund 3,05 Kubikmeter.
Die Landwirtschaftskammer unterscheidet in ihren Erfahrungssätzen unter anderem zwischen Rundballen mit 250 und 400 Kilogramm.
Eigene Presse oder Lohnunternehmer?
Für kleinere Betriebe entscheidet letztlich häufig die jährliche Auslastung.
Wer lediglich einige hundert Ballen im Jahr presst, verteilt Abschreibung, Zinsen, Reparaturen, Versicherung und Unterbringung auf wenige Einheiten. Selbst eine vergleichsweise günstige Maschine kann dadurch pro Ballen deutlich teurer werden als der Einsatz eines Lohnunternehmers.
Bei 500 Ballen jährlich entstehen in der Beispielrechnung für eine 40.000-Euro-Presse Gesamtkosten von rund 14,87 bis 21,27 Euro pro Ballen. Bei 3.000 Ballen sinkt der Betrag dagegen auf rund 5,53 bis 6,60 Euro.
Eine pauschale Mindestballenzahl gibt es trotzdem nicht. Steigt der örtliche Lohnunternehmerpreis, verschiebt sich die Schwelle zugunsten der eigenen Presse. Eine günstig gekaufte Festkammerpresse kann sich ebenfalls früher rechnen als eine teure variable Maschine.
Daneben zählen betriebliche Gründe. Wenn Erntezeitpunkt und Wetterfenster eine hohe Flexibilität verlangen oder der Lohnunternehmer nicht immer zum optimalen Zeitpunkt verfügbar ist, kann eine eigene Presse trotz etwas höherer rechnerischer Maschinenkosten sinnvoll sein.
Entscheidung hängt von vier Betriebsdaten ab
Vor dem Kauf sollten vier Zahlen feststehen: die geplante Ballenzahl pro Jahr, die vorhandene Traktorleistung, die wichtigsten Erntegüter und das verfügbare Investitionsbudget.
Bei wenigen hundert Heu- oder Strohballen kann eine einfache Festkammerpresse oder die Vergabe an einen Lohnunternehmer wirtschaftlich naheliegen. Wer unterschiedliche Ballengrößen benötigt, profitiert stärker von einer variablen Presse. Bei größeren Silagemengen kann eine Press-Wickel-Kombination Arbeitskräfte und einen zweiten Schlepper einsparen, verlangt dafür aber mehr Leistung, Tragfähigkeit und Investitionskapital.
Auch die Messerzahl sollte nicht isoliert betrachtet werden. 30, 32 oder 41 Messer ermöglichen kurze theoretische Schnittlängen, entscheidend für das Ergebnis sind jedoch ebenso Pressdruck, Ballenrotation, Erntegut und die Konstruktion des Schneidwerks.
Genau deshalb gibt es nicht die eine Rundballenpresse, die für jeden Betrieb die beste ist. Eine wirtschaftlich und technisch passende Maschine entsteht erst aus der Kombination von Auslastung, Futterernteverfahren, Schlepper und Einsatzbedingungen.
Alle Angaben, Preise und technischen Daten entsprechen dem Stand vom 28. September 2026.
Quellen
- Maschinenkosten und Datensammlungen – KTBL
- Erfahrungssätze für überbetriebliche Maschinenarbeiten im Rheinland 2026 – Landwirtschaftskammer NRW und Rheinischer Landwirtschafts-Verband
- 6 variable Rundballenpressen im Vergleich, Teil 2: Stroh – BLT Wieselburg, HBLFA Raumberg-Gumpenstein und LANDWIRT
- 10 Tipps zum Rundballenpressen – LANDWIRT
- Rundballenpressen: Erfahrungsberichte von Landwirten – Traktortest.de
- Krone CombiPack HDP – Krone Agriculture
- Krone claims new combi can churn out 90 bales an hour – Irish Farmers Journal
- Krone präsentiert Agritechnica-Neuheiten – Schweizer Landtechnik
- Krone-Neuheiten zur Agritechnica 2025 – Landbrugsavisen
- Krone Comprima Baureihe – Krone Agriculture
- Krone Comprima CF 155 XC – Landwirt.com
- Krone Comprima F 125 XC – Landwirt.com
- Krone Comprima V 150 XC Plus, 14.900 Ballen – Landwirt.com
- Krone Comprima V 150 XC, Baujahr 2018 – Landwirt.com
- Krone Comprima V 150 XC, 13.800 Ballen – Landwirt.com
- Rundballenpressen mit Ballenrampe – Landwirt.com
- Angebote für Rundballenpressen – Landwirt.com
- Rundballenpressen mit Rollenniederhalter – Landwirt.com
- Göweil G-1 F125, Neumaschine 2026 – Landwirt.com
- Göweil G-1 F125, Baujahr 2019 – Landwirt.com
- Göweil G-1 F125 Kombi, Baujahr 2022 – Landwirt.com
- Göweil G-1 F125 – technische Daten – Göweil
- Hofman Rundballenpresse S – Landwirt.com
- KUHNaktuell: Pressen und Wickelgeräte – Kuhn
- Kuhn Press-Wickelkombinationen – Kuhn
- Pöttinger Impress – Prospekt – Pöttinger
- New Holland Pro-Belt – New Holland
- Claas Ballenpressen – Claas
- Massey Ferguson RB V – Massey Ferguson
- Vicon RV 5216 Review – Auto Trader
- Next Level Produktübersicht: Netz, Garn und Folie – JBS Agrar
- Next Level ECO Rundballennetz – JBS Agrar
