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Höfesterben in Frankreich: 400 gelbe Kreuze als Protest

Mit 400 gelben Holzkreuzen haben französische Landwirte im Département Cher auf das Verschwinden landwirtschaftlicher Betriebe aufmerksam gemacht. Jedes Kreuz steht nach Angaben der Organisatoren symbolisch für einen aufgegebenen Hof in der Region. Hinter der Aktion steht die Bauernorganisation Coordination Rurale du Cher (CR18). Sie warnt vor den Folgen steigender Produktionskosten, niedriger Erzeugerpreise und fehlender Zukunftsperspektiven. Der außergewöhnlich trockene Sommer 2026 hat die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe zusätzlich verschlechtert.

Die gelben Kreuze im Cher sind Teil einer Reihe landwirtschaftlicher Protestaktionen in Frankreich.. Foto: Facebook/Coordination Rurale Du Cher

400 Kreuze erinnern an verschwundene Bauernhöfe

Die gelben Kreuze wurden dicht nebeneinander aufgestellt. Eine Informationstafel erklärt, dass sie für 400 landwirtschaftliche Betriebe stehen, die nach Darstellung der Organisatoren im Département Cher verschwunden sind.

Mit der Installation will die Coordination Rurale deutlich machen, dass hinter jeder Betriebsaufgabe auch Menschen und Familien stehen. Mit dem Ende eines Hofes gingen häufig über Generationen gesammelte Erfahrungen, landwirtschaftliches Wissen und wirtschaftliche Perspektiven verloren.

Die Aktion beschränkt sich damit nicht auf wirtschaftliche Forderungen. Sie soll auch auf die gesellschaftlichen Folgen des Strukturwandels im ländlichen Raum aufmerksam machen.

Frankreich hat seit 1970 rund 1,2 Millionen Höfe verloren

Die Entwicklung der Betriebszahlen bestätigt den langfristigen Rückgang der französischen Landwirtschaft. Nach Angaben der amtlichen Agrarstatistik Agreste gab es 1970 im französischen Mutterland noch knapp 1,59 Millionen landwirtschaftliche Betriebe.

Bis 2023 sank ihre Zahl auf rund 349.600. Damit existieren heute nur noch etwa 22 Prozent der damals gezählten Höfe.

Auch das Département Cher ist betroffen. Zwischen 2010 und 2020 ging die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe dort von 3.806 auf 3.160 zurück. Das entspricht einem Rückgang um 646 Betriebe beziehungsweise rund 17 Prozent.

Gleichzeitig vergrößerten sich die verbleibenden Betriebe. Ihre durchschnittliche landwirtschaftliche Fläche stieg im Cher bis 2020 auf 136 Hektar.

Der Rückgang der Betriebszahlen bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass die entsprechenden Flächen aus der landwirtschaftlichen Produktion verschwinden. Häufig werden sie von anderen Betrieben übernommen.

Bei der Interpretation der jüngsten französischen Zahlen ist außerdem eine statistische Besonderheit zu berücksichtigen: Seit 2023 werden bestimmte Kleinstbetriebe älterer Ruheständler anders erfasst, weil deren Betreiber nicht mehr die Voraussetzungen als aktive Landwirte im Rahmen der EU-Agrarpolitik erfüllen.

Dürre und steigende Kosten belasten französische Landwirte

Neben dem langfristigen Strukturwandel haben sich die wirtschaftlichen Bedingungen für viele französische Betriebe 2026 verschärft.

Der Sommer war von außergewöhnlichen Hitzewellen und Trockenheit geprägt. In zahlreichen Regionen litten Ackerkulturen und Grünland unter Wassermangel. Besonders für viehhaltende Betriebe wurde die Versorgung mit ausreichend Grundfutter schwieriger.

Anfang August meldete das französische Landwirtschaftsministerium Trockenheit in 98 Départements. In 57 davon galten bereits besonders strenge Einschränkungen der Wassernutzung.

Im September kündigte die Regierung ein Hilfspaket von mehr als einer Milliarde Euro an. Damit sollen unter anderem Ernteverluste ausgeglichen und Liquiditätsprobleme betroffener Betriebe gemildert werden.

Zusätzlich belasten hohe Energie- und Betriebsmittelpreise die Landwirtschaft. Die Bauernorganisation Coordination Rurale kritisiert außerdem die aus ihrer Sicht unzureichende Vergütung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und den Wettbewerbsdruck durch Importe.

Bauernproteste gegen Agrarpolitik und Treibstoffpreise

Die gelben Kreuze im Cher sind Teil einer Reihe landwirtschaftlicher Protestaktionen in Frankreich.

Bereits Ende 2025 und Anfang 2026 demonstrierten Landwirte gegen das geplante EU-Mercosur-Handelsabkommen sowie gegen staatliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Lumpy-Skin-Krankheit bei Rindern.

Anfang Oktober 2026 protestierten Mitglieder der Coordination Rurale erneut gegen hohe Treibstoffkosten. In Guyancourt bei Paris luden Landwirte Mist, Stroh und weitere Materialien vor einem Finanzamt ab.

Die unterschiedlichen Aktionen zeigen, dass sich der Unmut der französischen Landwirte gegen mehrere Entwicklungen richtet: steigende Kosten, bürokratische Vorgaben, internationale Konkurrenz und unsichere betriebliche Perspektiven.

Ähnliche Protestaktion gab es 2019 in Deutschland

Kreuze als Zeichen des landwirtschaftlichen Protests sind auch in Deutschland bekannt. Im September 2019 startete der Landwirt Willi Kremer-Schillings, bekannt als „Bauer Willi“, die Aktion „Grüne Kreuze“.

Tausende Landwirte stellten damals grün gestrichene Holzkreuze an Feldrändern und Straßen auf. Auslöser waren insbesondere die geplanten Änderungen der deutschen Agrar- und Umweltpolitik.

Die Kreuze sollten auf den wirtschaftlichen Druck und die Sorgen vieler Betriebe aufmerksam machen. Die Aktion entwickelte sich innerhalb weniger Wochen zu einer bundesweiten Protestbewegung.

Während die grünen Kreuze in Deutschland vor allem als Mahnzeichen gegen politische Entwicklungen dienten, erinnern die 400 gelben Kreuze im französischen Cher ausdrücklich an bereits verschwundene landwirtschaftliche Betriebe.

Quellen