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Russland verlagert Getreideexporte an die Ostsee

Russland will seine Getreideexporte über die Ostseehäfen im Oktober deutlich steigern. Geplant sind Verschiffungen von rund 1,5 Millionen Tonnen. Damit könnte innerhalb eines Monats so viel Getreide über die baltischen Häfen ausgeführt werden wie während der gesamten vergangenen Exportsaison.

Das teilte der stellvertretende russische Landwirtschaftsminister Maxim Borowoi laut der Nachrichtenagentur Interfax mit. Nach seinen Angaben liegen für Oktober bereits Transportanmeldungen von mehr als 1,5 Millionen Tonnen vor. Die Ostseeroute habe für den russischen Getreideexport inzwischen eine zentrale Bedeutung erlangt.

Probleme an Schwarzmeerhäfen erzwingen neue Exportrouten

Hintergrund der Verlagerung sind Schwierigkeiten bei der Getreideverladung in den Häfen des Asowschen und Schwarzen Meeres. Seit August müssen russische Exporteure verstärkt auf alternative Transportwege ausweichen.

Nach Angaben Borowois erfolgte die Umstellung auf den Schienentransport innerhalb kurzer Zeit. Getreide, das ursprünglich über südliche Häfen verschifft werden sollte, wird nun zunehmend per Eisenbahn zu den Ostseehäfen im Nordwesten Russlands transportiert.

Die Entwicklung betrifft auch wichtige Getreideanbaugebiete im Süden des Landes. Insbesondere die Region Krasnodar, deren Exporte bislang über die Schwarzmeerhäfen abgewickelt werden sollten, muss ihre Transportwege teilweise neu organisieren.

Russland stellt 9,7 Milliarden Rubel für Getreidetransporte bereit

Um den Getreidetransport zu den Exporthäfen finanziell zu unterstützen, hat die russische Regierung nach Angaben des Vizeagrarministers 9,7 Milliarden Rubel für Transportsubventionen bereitgestellt.

Allerdings decken die bisherigen Förderregelungen nicht sämtliche Regionen ab, aus denen Getreide exportiert wird. Das Landwirtschaftsministerium hat deshalb eine Ausweitung der staatlich bezuschussten Transporte beantragt.

Künftig sollen auch Getreidelieferungen aus der Region Krasnodar zu den nordwestlichen Häfen gefördert werden. Bis Mitte August war die russische Regierung laut Borowoi noch davon ausgegangen, dass Krasnodar seine Exportmengen über die Häfen am Asowschen und Schwarzen Meer abwickeln könne.

Weitere Anbauregionen sollen Transporthilfen erhalten

Neben Krasnodar sollen auch die Regionen Astrachan und Dagestan in das erweiterte Förderprogramm aufgenommen werden. Eine zusätzliche Einbeziehung der Region Rostow wird ebenfalls geprüft.

Mit der geplanten Ausweitung sollen mehr Getreideexporteure Zugang zu vergünstigten Bahntransporten erhalten. Die staatliche Unterstützung betrifft damit insbesondere Lieferungen aus südlichen Anbaugebieten, die über die weiter entfernten Ostseehäfen abgewickelt werden sollen.

Ob die für Oktober angemeldeten Mengen tatsächlich vollständig verschifft werden, geht aus den Angaben des russischen Landwirtschaftsministeriums nicht hervor. Die erwarteten 1,5 Millionen Tonnen entsprechen jedoch bereits dem gesamten Exportvolumen der baltischen Häfen in der vergangenen Saison.