Anzeige
 

Nordzucker in der Krise: Rekordverlust und drastische Maßnahmen

Der Braunschweiger Zuckerhersteller Nordzucker hat ein schwieriges Geschäftsjahr 2025/26 hinter sich, das von einem erheblichen Preisverfall auf dem Zuckermarkt geprägt war. Dies führte zu einem deutlichen operativen Verlust und wirkt sich direkt auf die Landwirte aus, die mit einer Kürzung der Anbauflächen und einem neuen Preismodell konfrontiert werden.

Finanzielle Einbußen und Zukunftsaussichten

Die neuesten Finanzzahlen von Nordzucker zeigen einen drastischen Rückgang des Umsatzes um rund 16 Prozent auf 2,34 Milliarden Euro. Noch gravierender ist der Wechsel im operativen Ergebnis (EBIT), das von einem Gewinn von 100 Millionen Euro im Vorjahr zu einem Verlust von 226 Millionen Euro führte. Vorstand und Aufsichtsrat planen deshalb, der Hauptversammlung im Juli vorzuschlagen, die Dividende vollständig zu streichen. Dies wurde heute auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben.

Für die Landwirte bedeutet dies, dass sie im kommenden Jahr deutlich niedrigere Preise für ihre Zuckerrüben erwarten müssen. Die Entscheidung über die Dividende betrifft zudem viele Landwirte doppelt, da sie nicht nur Lieferanten, sondern oft auch Aktionäre des Unternehmens sind.

Ursachen der Krise

Laut Nordzucker sind mehrere Faktoren für das schlechte Geschäftsergebnis verantwortlich. Insbesondere in Europa herrschte eine hohe Marktdynamik aufgrund zweier ertragsreicher Ernten in Folge, was zu einer Übersättigung des EU-Marktes mit Zucker führte. Der Preis für Weißzucker fiel in diesem Zeitraum von 619 Euro auf bis zu 513 Euro pro Tonne. Diese gesunkenen Verkaufspreise reichten nicht aus, um die gestiegenen Kosten für Rohstoffe und Energie auszugleichen.

Zudem mussten aufgrund der Preisentwicklung am Absatzmarkt Bestände um knapp 50 Millionen Euro abgewertet werden. Auch außergewöhnliche Wertberichtigungen im Anlagevermögen belasteten das Ergebnis zusätzlich mit fast 100 Millionen Euro. Die Schließung eines Standorts in der Slowakei führte zudem zu Restrukturierungskosten.

Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Nordzucker plant eine weitere Reduzierung der Anbauflächen für Zuckerrüben um etwa sieben bis acht Prozent im Jahr 2026, um den Markt zu entlasten und Überbestände abzubauen. Diese Maßnahmen sind notwendig, da trotz hoher Hektarerträge die Zuckermengen am Markt weiterhin zu hoch bleiben.

Ab der Kampagne 2027/28 wird ein neues Preismodell eingeführt, das die Rübenpreise stärker an die Marktentwicklung koppelt. Der garantierte Basispreis wird unter dem Niveau der Vorjahre liegen und Zuschläge werden an die Bilanzkennzahlen des Unternehmens gebunden sein.

Blick nach vorne: Strategien zur Erholung

Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 prognostiziert Nordzucker erneut einen Verlust im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Eine Rückkehr in die Gewinnzone wird erst ab dem Jahr 2027/28 angestrebt. Um dies zu erreichen, setzt das Unternehmen auf Sparmaßnahmen wie Stellenabbau und Optimierung des Produktionsnetzwerks.

Zukünftig möchte Nordzucker seine Abhängigkeit vom volatilen EU-Markt reduzieren und zielt darauf ab, rund 50 Prozent seiner Einnahmen außerhalb Europas zu generieren. Aktuell stammen etwa 15 Prozent des Umsatzes aus dem australischen Geschäft. Perspektiven sieht der Konzern im Rohrzuckergeschäft in Australien und Südamerika sowie beim Einstieg in den Markt für pflanzliche Proteine.

Trotz dieser Anpassungen betont Nordzucker, dass der Anbau von Zuckerrüben für Landwirte weiterhin rentabel bleibe, besonders angesichts des Drucks auf die Preise alternativer Kulturen wie Getreide.