Die anhaltenden Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten auf die Landwirtschaft sind weiterhin spürbar. Laut Antonin Finkelnburg, dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), sind steigende Kosten für Energie und Düngemittel sowie Unsicherheiten bei der Vermarktung große Herausforderungen für die Branche. Selbst nach einem möglichen Ende des Irankrieges könnten die wirtschaftlichen Folgen noch lange nachwirken.
Angeschlagene Lieferketten und steigende Preise
Finkelnburg betont, dass die Unterbrechungen in den Lieferketten nicht einfach mit dem Ende der Kampfhandlungen verschwinden werden. Er weist darauf hin, dass zerstörte Produktionsanlagen im Krisengebiet erst wieder in Betrieb genommen werden müssen. Bis dahin könnten Produktionsausfälle zu weiteren Engpässen führen. Die derzeitige Lage zeigt sich besonders deutlich durch die Schiffe aus der Golfregion, deren Ankunft nun Verzögerungen offenbart. Diese Entwicklungen lassen laut Finkelnburg auch keinen raschen Rückgang der erhöhten Düngemittelpreise erwarten, was letztlich zu höheren Lebensmittelpreisen auf globaler Ebene führen könnte.
Freier Handel als Lösung
Um die Robustheit der Lieferketten zu stärken, fordert Finkelnburg mehr Freihandelsabkommen und den Abbau von Handelshindernissen innerhalb Europas. Er sieht Berlin und Brüssel in der Pflicht, bestehende regulatorische Unterschiede in den Mitgliedsstaaten abzubauen. Zusätzlich betont er die Notwendigkeit einer Entbürokratisierung als kostenfreie Maßnahme zur Unterstützung von Unternehmen.
Strategien für Landwirte
Ludwig Striewe von der BAT Agrar GmbH & Co. KG prognostiziert ebenfalls langfristige Folgen für die Lieferketten und rät Landwirten zur Vorsicht. Angesichts möglicher Engpässe bei Vorprodukten wie Schwefelsäure empfiehlt er eine kontinuierliche Vermarktung und den fortlaufenden Einkauf von Betriebsmitteln. Dies sei notwendig, um möglichen Schäden durch plötzliche Preisänderungen vorzubeugen.
Er berichtet weiter, dass zumindest für das aktuelle Frühjahr die Versorgung mit Düngemitteln in Deutschland gesichert sei, wobei im Norden eine bessere Lage herrscht als im Süden. BAT Agrar plant bereits für zukünftige Ernten bis 2027 voraus, um Engpässen vorzubeugen.
Globale Auswirkungen des Konflikts
Prof. Regina Birner von der Universität Hohenheim beleuchtet die internationalen Konsequenzen des Irankrieges insbesondere für Asien und Afrika. In Südasien treffe es vor allem den Reisanbau hart, da dieser stark auf Dünger angewiesen ist. Gleichzeitig belasten steigende Energiekosten die Bewässerungssysteme erheblich.
Afrikanische Länder könnten besonders unter steigenden Lebensmittelpreisen leiden, da sie stark von Importen abhängig sind. Birner erwartet jedoch keine Preiskrise wie nach der Corona-Pandemie oder dem Krieg in der Ukraine, da sich Nachfrage- und Versorgungslage stabilisiert haben.
