Der europäische Kartoffelmarkt steht vor einer tiefen Krise, die insbesondere die Verarbeitungskartoffeln betrifft. Experten schätzen, dass in den vier größten Anbauländern – Deutschland, Frankreich, Niederlande und Belgien – ein Überangebot von mindestens drei Millionen Tonnen besteht. Dies führt zu einem massiven Preisdruck.
Überproduktion in der EU
Ferdi Buffen, Geschäftsführer der RWZ Weuthen-Gruppe und bekannt als „Kartoffelpapst“, erklärt, dass alle Segmente des Marktes betroffen sind: Speise-, Industrie- und Pflanzkartoffeln. Der größte Teil des Überschusses entfällt jedoch auf Industriekartoffeln. Buffen betont, dass eine Reduzierung der Anbaufläche um 10 bis 15 Prozent notwendig sei, um das Angebot anzupassen. Dies wird jedoch regional unterschiedlich ausfallen.
Anpassungen bei Vertragskonditionen
Die Vertragsbedingungen für Landwirte ändern sich drastisch. Laut Buffen werden die Preise für Verarbeitungsverträge deutlich gesenkt, ebenso wie die Pflanzkartoffelpreise. Der verfügbare Absatzmarkt zu festen Preisen schrumpft erheblich, was bedeutet, dass Landwirte nach den letzten gewinnbringenden Jahren nun ein höheres Risiko tragen müssen.
Herausforderungen im globalen Wettbewerb
Ein weiterer Faktor ist die stagnierende Exportnachfrage für Tiefkühl-Pommes frites aus Europa. Länder wie Indien und China erweitern ihre Kapazitäten in der Pommes-Produktion und verkürzen so die Transportwege zu wachsenden Märkten in ihren Regionen. Der starke Euro verteuert zudem europäische Exporte. Beispielsweise müssten Käufer bei einem Eurokursanstieg von 1,08 auf 1,15 US-Dollar pro Kilo bereits mehr zahlen.
Reaktionen der Industrie
Um am Weltmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben, senken europäische Frittenfabriken ihre Rohstoffkosten. Erste Unternehmen in den Niederlanden und Belgien haben bereits neue Anbauverträge mit niedrigeren Preisen angekündigt. Diese Veränderungen führen dazu, dass Landwirte genau prüfen müssen, ob sich der Kartoffelanbau noch lohnt.
Kalkulation und Alternativen
Betriebe müssen sorgfältig kalkulieren: Die Anbauflächen für Raps und Wintergerste wurden bereits signifikant ausgeweitet. Für Betriebe ohne eigene Lagerkapazitäten ist es entscheidend, flächenscharf zu kalkulieren, da sich der Kartoffelanbau auf ertragsschwachen Standorten ohne Beregnung kaum noch rechnet. Auf besseren Standorten könnten sich jedoch andere Zahlen ergeben.
