Die BayWa AG steht vor einer entscheidenden Phase ihrer Unternehmensgeschichte. Die beiden Hauptaktionäre, die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG (BRB) und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest AG (RAI), haben sich entschlossen, ihre Stimmrechte an einen Treuhänder zu übertragen. Damit halten sie etwa 67,1 % der Aktien des Unternehmens. Diese Maßnahme erfolgt unter dem Druck der Gläubigerbanken, die zunehmend ungeduldig werden angesichts der finanziellen Herausforderungen des Agrarhandelskonzerns.
Neue Rolle des Treuhänders
Der noch nicht benannte Treuhänder übernimmt ausschließlich die Aktien von BRB und RAI. Der Anteil der öffentlich gehandelten Aktien bleibt hiervon unberührt. Diese Entscheidung stellt eine Absicherung für die Banken dar, da sie dem Treuhänder erlauben könnte, die BayWa zu verkaufen, sollten bestimmte Bedingungen bis 2029 nicht erfüllt werden. Bis dahin müssen die Ankeraktionäre mindestens 220 Millionen Euro frisches Eigenkapital bereitstellen, um ihre Stimmrechte zurückzuerhalten.
Sollte dies nicht gelingen, hat der Treuhänder das Recht, das Aktienpaket zugunsten der Banken zu veräußern. Dies gibt der BayWa jedoch zwei zusätzliche Jahre zur Sanierung. Gleichzeitig verzichten die Banken auf einen Teil ihrer Forderungen und wandeln 700 Millionen Euro an Darlehen in nachrangige Forderungen um.
Zeitgewinn für Sanierung
Das neue Sanierungskonzept zielt darauf ab, Zeit zu gewinnen und gleichzeitig finanzielle Entlastungen durch einen Schuldenschnitt zu erreichen. Die Ankeraktionäre haben sich verpflichtet, Kapital in den Konzern zu investieren; andernfalls könnten sie ihre Anteile verlieren. Dieses Konzept wurde von den Aktionären und den Gläubigerbanken akzeptiert, was der BayWa eine Atempause verschafft.
Trotz dieser Maßnahmen bleibt die Lage angespannt: Das Unternehmen plant weiterhin den Verkauf von Tochtergesellschaften wie BayWa r.e., ein Vorhaben, das sich als langwieriger erweist als erwartet und möglicherweise nicht den erhofften Erlös bringt. Ebenso steht der Geschäftsbereich Wärme und Mobilität auf dem Prüfstand und soll bis Ende 2029 veräußert werden.
Börsenreaktion und finanzielle Herausforderungen
Die Börse reagierte auf diese Entwicklungen nur mäßig optimistisch. Die vinkulierten Namensaktien wurden Ende Juli in Frankfurt mit einem leichten Plus gehandelt. Dennoch hat RAI ihre Beteiligung an der BayWa bereits abgeschrieben, was in den Geschäftsjahren 2023/24 und 2024/25 zu einem kumulierten Bilanzverlust von rund 411 Millionen Euro führt.
Diese Schritte sind ein Versuch, den drohenden Insolvenzantrag abzuwenden und das Überleben des Unternehmens zu sichern. Ohne das Stillhalteabkommen mit den Banken wäre eine Insolvenz wohl unausweichlich gewesen.
