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EU stoppt zollfreie Rohzuckerimporte bis 2027 zur Marktstabilisierung

Die EU hat beschlossen, den zollfreien Import von Rohzucker für ein Jahr auszusetzen, um die heimische Zuckerindustrie zu schützen. Diese Maßnahme, die bis Mai 2027 gilt, wurde von den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union unterstützt und ist eine Reaktion auf die Krise im europäischen Zuckersektor.

Hintergrund der Entscheidung

Laut einem Bericht des Agrarmagazins Boerderij führte der massive zollfreie Import von Zucker im letzten Jahr zu einer signifikanten Belastung des EU-zuckerproduzierenden Sektors. Die Importe drückten auf die Nachfrage nach lokal produziertem Zucker und ließen die Preise sinken. Besonders betroffen waren Einfuhren aus Brasilien, das über 90 % des zollfrei importierten Zuckers lieferte.

Importe aus Brasilien im Fokus

Während der Saison 2024/25 wurden insgesamt 587.000 Tonnen Rohzucker und 155.000 Tonnen Weißzucker über das „Inward Processing“-Verfahren in die EU gebracht. Diese Mengen entsprachen mehr als der Hälfte aller Zuckerimporte in die EU, wobei dreimal so viel Rohzucker aus Brasilien kam, als es das Mercosur-Abkommen erlaubt hätte.

Fortsetzung hoher Importzahlen

Auch in der aktuellen Saison 2025/26 wurden bereits hohe Importmengen beobachtet: Bislang sind 371.000 Tonnen Rohzucker und 85.000 Tonnen Weißzucker über das spezielle Zollverfahren eingeführt worden. Die Aussetzung betrifft allerdings nur Rohzucker für die Weißzuckerproduktion, während Weißzucker weiterhin zollfrei importiert werden kann.

Kritik und politische Reaktionen

Rübenbauernorganisationen und Zuckerfabriken in der EU äußerten im vergangenen Jahr deutliche Kritik an dieser Praxis. Besonders aus Deutschland, Frankreich, Belgien und Polen kamen Stimmen, die vor den negativen Folgen warnten. Auf diese Bedenken reagierend, schlug EU-Landwirtschaftskommissar Hansen Ende Januar vor, das umstrittene Verfahren vorübergehend auszusetzen.

Ziele der Aussetzung

Ziel dieser Maßnahme ist es, den Druck auf den Markt zu verringern und ein Gleichgewicht wiederherzustellen. Die Kommission betont, dass Rübenbauern bereits durch eine Reduzierung ihrer Anbauflächen ihren Beitrag leisten. Die Verbände CIBE und CEFS sehen in dieser Entscheidung einen wichtigen ersten Schritt zur Stabilisierung des Marktes.

Blick in die Zukunft

Neben der Zufriedenheit über diesen Beschluss äußerten Rübenbauern und Zuckerproduzenten auch Bedenken hinsichtlich künftiger Entwicklungen. Sie fordern Maßnahmen zur langfristigen Vermeidung solcher Situationen. Der Missbrauch des Zollsystems für Importe zu Weltmarktpreisen sei ein Problem, das nicht erneut auftreten dürfe.