Die jüngste Schließung der Straße von Hormus durch den Iran, ausgelöst durch die Eskalation militärischer Konflikte mit den USA und Israel, hat laut Experten nur geringe direkte Auswirkungen auf den deutschen Agrarsektor. Diese strategisch wichtige Wasserstraße hat zwar globalen Einfluss, aber für den Export deutscher Agrarprodukte bleibt die Bedeutung überschaubar.
Geringe Bedeutung der Golfregion für deutsche Exporte
Nach Einschätzung von Steffen Reiter, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Fleischwirtschaft (VdF), sind die Exporte von deutschem Schweinefleisch in die Vereinigten Arabischen Emirate begrenzt. Diese finden hauptsächlich zur Versorgung von Touristen und chinesischen Zuwanderern statt. Insgesamt haben die Länder der Golfregion jedoch kaum Relevanz als Absatzmärkte für deutsche Agrarprodukte.
Energiepreise im Fokus
Wesentlich relevanter als der Agrarhandel sei die Entwicklung der Energiepreise, so Reiter weiter. Die Eskalation im Nahen Osten könnte zu Preisanstiegen führen, was sich wiederum signifikant auf die inflationsanfällige Agrarwirtschaft auswirken würde. Bereits in der Vergangenheit haben ähnliche Krisen zu erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen geführt.
Iranische Importe kaum relevant
Auch der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) bewertet den Iran als unwichtigen Handelspartner für deutsche Agrarprodukte. Laut Statistischem Bundesamt beliefen sich iranische Lebensmittelexporte nach Deutschland im Jahr 2023 auf lediglich 24,3 Millionen Euro, wobei Pistazien den größten Anteil ausmachten.
Suezkanal wichtiger als Straße von Hormus
Für den Export von Fleisch- und Milchprodukten nach Asien ist laut DRV vor allem der Suezkanal entscheidend. Dennoch gibt es Beobachtungen über mögliche Beeinträchtigungen bei Lieferungen in den Norden der arabischen Halbinsel, insbesondere bei Milchprodukten.
Energieversorgung Deutschlands stabil
Trotz potenzieller Preisschwankungen sieht der DRV aktuell keine Gefahr für die Energieversorgung Deutschlands. Die Bundesrepublik ist weitestgehend unabhängig von Ölimporten aus der Golfregion und bezieht Erdgas hauptsächlich aus Norwegen, den Niederlanden sowie in Form von LNG aus den USA. Wie sich diese Situation zukünftig auf die Preise auswirkt, hängt stark von der Dauer des Konflikts ab.
