Die Europäische Union steht aufgrund der Entdeckung von über 80 Tonnen hormonbelastetem Rindfleisch aus Brasilien vor einem potenziellen Skandal. Diese Vorfälle könnten sich in Zukunft wiederholen, da die EU erhebliche Schwächen in den Importkontrollen festgestellt hat.
Kritik an EU-Freihandelsabkommen mit Mercosur-Staaten
Trotz der bevorstehenden vorläufigen Inkraftsetzung des EU-Freihandelsabkommens mit den Mercosur-Staaten im Mai oder Juni haben jüngste Berichte Zweifel an der Einhaltung der europäischen Gesundheits- und Umweltstandards geweckt. Die EU-Kommission hatte ursprünglich versichert, dass die hohen Standards auch bei Importen von sensiblen Produkten wie Rindfleisch eingehalten würden. Ein kürzlich veröffentlichter Audit-Bericht legt jedoch offen, dass das brasilianische Kontrollsystem erhebliche Mängel aufweist.
Einsatz verbotener Wachstumshormone
Laut Medienberichten gelangten etwa 62 Tonnen brasilianisches Rindfleisch, produziert mit dem in Europa verbotenen Hormon Estradiol, auf den europäischen Markt. Insbesondere Deutschland und Italien waren betroffen, während Österreich bisher verschont blieb. Die Landwirtschaftskammer Kärnten berichtete von Funden in rund zehn EU-Ländern. In den Niederlanden konnten etwa 25 Tonnen des kontaminierten Fleisches rechtzeitig vom Markt genommen werden.
Gesundheitsrisiken durch Estradiol
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt vor den gesundheitlichen Gefahren durch das in Brasilien üblicherweise als Mastbeschleuniger eingesetzte Estradiol. Das Hormon ist in Europa verboten, da es möglicherweise krebserregend ist und gesundheitsschädliche hormonelle Auswirkungen hat.
Mängel im brasilianischen Kontrollsystem aufgedeckt
Ein kürzlich von der EU-Generaldirektion Gesundheit (DG Sante) durchgeführter Auditbericht dokumentiert Lücken im brasilianischen Kontrollsystem. Die Überprüfung erstreckte sich über die Zeit von Mitte bis Ende Oktober 2025 und zielte darauf ab, die Kontrollen auf Rückstände pharmakologischer Substanzen sowie Pflanzenschutzmitteln zu bewerten. Bereits 2024 wurden ähnliche Schwachstellen gefunden und notwendige Anpassungen gefordert, die bis heute nicht vollständig umgesetzt wurden.
Nicht erfüllte Gesundheitsvorgaben
Zwischen April und Juli 2025 stellte das brasilianische Landwirtschaftsministerium für rund 290 weibliche Rinder Gesundheitszeugnisse aus, bevor die Kontrolle der betroffenen Betriebe tatsächlich stattfand. Obwohl ordnungsgemäße Anwendungspläne für Östradiol 17β vorhanden waren, konnten keine entsprechenden Rezepte vorgelegt werden – ein klarer Verstoß gegen den Aktionsplan.
Probleme bei der Schlachtfreigabe hormonbehandelter Tiere
Ebenfalls problematisch war ein Fall, bei dem 179 mit Östradiol behandelte Tiere aufgrund eines Meldefehlers zur Schlachtung in der EU freigegeben wurden. Dies geschah neun Monate nach der Behandlung und trotz unzureichender Dokumentation wurde eine Freigabe erteilt.
Verbesserungen im Laborbereich
Trotz dieser Probleme konnten Fortschritte bei der Aufstockung der Laborkapazitäten verzeichnet werden. Die Maßnahmen zur Stärkung des Labornetzwerks wurden weitgehend umgesetzt und als „zufriedenstellend“ bewertet, was einer durchschnittlichen Leistung entspricht.
